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Und wieder steht das Pfarrhaus zur Debatte

Nachdem der Kauf des reformierten Pfarrhauses von Wangen durch die Einwohnergemeinde gescheitert ist, will jetzt die Kirchgemeinde das historische Gebäude erwerben.

Das alte Wanger Pfarrhaus ist eigentlich ein Bijou. Es war bereits Teil der Stadtbefestigung im 13.Jahrhundert und hat manchen Krieg überstanden. Dennoch wurde das geschützte Bauwerk, das zu Wangen gehört wie die Holzbrücke, zuletzt behandelt, als wäre es eine heisse Kartoffel, von der man lieber die Finger lässt. Nicht weniger als dreimal hat der Kanton Bern als Besitzer das Pfarrhaus zum Kauf angeboten – bisher jedes Mal vergeblich.

Lösung für Dienstwohnung

Rückblende: Bereits 2006 hatte der Kanton das Pfarrhaus der Kirchgemeinde angetragen. Doch der Kirchgemeinderat stieg nicht auf die Offerte ein. Er war der Meinung, es liessen sich künftig leichter Pfarrpersonen finden, wenn Dienstwohnung und private Räume klar getrennt seien.

Seither interessierte sich die Einwohnergemeinde Wangen für den Kauf des Pfarrhauses. Zweimal stimmte sie über das Geschäft ab und verwarf es vergangenen Juni schliesslich definitiv (siehe Kasten). Nach dieser regelrechten Posse, bei welcher auch der Kanton eine unglückliche Rolle spielte, wurde das Pfarrhaus wieder bei der Kirchgemeinde zum Thema.

Sie könnte mit dem Pfarrhaus nämlich ihr Dienstwohnungsproblem lösen. Denn das inzwischen revidierte Kirchengesetz schreibt vor, dass ein Pfarrer im gleichen Gebäude wohnen muss, wo er auch seine Arbeitsräume hat. Diese verschärfte «Residenzpflicht» erfüllt die Kirchgemeinde Wangen gegenwärtig nicht: Für Pfarrerin Evelyne Kehrli, seit Juli 2011 in Wangen im Amt, hat sie eine private Dienstwohnung gemietet; Büro und Besprechungszimmer der Pfarrerin befinden sich dagegen im Wagnerhaus.

Der Kirchgemeinderat hat deshalb beim Kanton, das heisst beim zuständigen Amt für Grundstücke und Gebäude, ein Wiedererwägungsgesuch gestellt. Der Kanton, der all seine Pfarrhäuser loswerden will, liess sich nicht zweimal bitten. Er bot das Wanger Pfarrhaus für 390'000 Franken an – zum selben Preis wie einst der Einwohnergemeinde. Dazu kommen allerdings noch rund 110'000 Franken für dringliche Renovationen und Anpassungsarbeiten, damit die Pfarrerin Wohnung und Büro beziehen kann. Auch soll das Pfarrhaus an den im Aufbau befindlichen Fernwärmeverbund Wangen-Wiedlisbach angeschlossen werden.

«Finanziell abgesichert»

Deshalb beantragt der Kirchgemeinderat – er befürwortet den Kauf einstimmig – der Versammlung einen Rahmenkredit von 500'000 Franken. Finanzieren will die Kirchgemeinde das Pfarrhaus hauptsächlich mit dem Verkauf ihrer Liegenschaft Friedheim. Dieses Haus an der Beundenstrasse 9 in Wangen wurde ihr 2003 testamentarisch überschrieben – mit der Auflage, bei einem allfälligen Verkauf den Erlös für notwendige Investitionen zu verwenden.

«Finanziell ist das Geschäft abgesichert», sagt denn auch Hermann Grünig (65), im Kirchgemeinderat für die Finanzen zuständig. «Der Kauf des Pfarrhauses würde uns sehr dienen.»

Kirchgemeindeversammlung: Sonntag, 30.September, 10.30 Uhr, reformierte Kirche Wangen (nach dem Morgengottesdienst). Weitere Infos: www.kirche-wangen.ch

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