Umfahrung verlagert Verkehr in die Stadt

Aarwangen

Mit einer neuen Umfahrungsstrasse würde die Ortsdurchfahrt von Aarwangen entlastet. Doch gelöst wäre das Verkehrsproblem allein damit nicht, sondern bloss verschoben.

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(Bild: Grafik BZ)

Dominic Ramel

Wie können Aarwangen und der Norden von Langenthal vor dem Verkehrskollaps bewahrt werden? Mit einer Optimierung der bestehenden Ortsdurchfahrt von Aarwangen (Variante Null+)? Oder mit einer neuen Umfahrungsstrasse? Diese Frage klärt der Kanton im Rahmen des Vorprojekts zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal-Nord. Klar ist jetzt schon: Um den Variantenentscheid wird es ein hartes politisches Ringen geben.

Eine wichtige Rolle werden dabei zweifellos die Verkehrszahlen respektive deren Entwicklung spielen. Diese Zahlen, welche die zuständige Regierungspräsidentin Barbara Egger (SP) Ende Februar Vertretern der betroffenen Gemeinden und involvierten Organisationen präsentierte, liegen dieser Zeitung vor. Sie zeigen die Ist-Situation im Jahr 2012 sowie die erwartete Entwicklung im Jahr 2030 mit und ohne Umfahrung (siehe Grafik).

29'000 statt 19'000 Fahrzeuge

Eines wird dabei deutlich: Mit einer neuen Umfahrungsstrasse würde die Hauptlast des Verkehrs auf Langenthal fallen. Aarwangen würde zwar sehr stark entlastet. Im Gegenzug würde jedoch das Teilstück zwischen der Einmündung der Umfahrung in die Bern-Zürich-Strasse an der Grenze Bützberg/Langenthal und dem Kreisel Dreilinden massiv stärker belastet. Der Kanton rechnet hier bis 2030 mit einer Zunahme des Verkehrs von 19'000 auf 29'000 Fahrzeuge pro Tag – also um 10'000 Fahrzeuge. Ohne Umfahrung betrüge die Zunahme bloss 2000 Fahrzeuge.

Damit nicht genug: Gemäss den Berechnungen des Kantons würde dieser Verkehr nicht ausserhalb des Stadtzentrums auf der Bern-Zürich-Strasse in Richtung Kreisel Hard abfliessen, sondern sich via Bützbergstrasse in die Stadt hinein ergiessen. Der Kanton rechnet auf dieser schon heute stark belasteten Strasse mit einer Zunahme von 11'000 auf 17'000 respektive von 16'000 auf 21'000 Fahrzeuge pro Tag. Gleichzeitig würde die städtische Aarwangenstrasse nur wenig entlastet. Aber immerhin wäre die Situation dort mit der Umfahrung etwas besser als ohne.

Dreilinden und Ammann

Die Übersicht des Kantons über die bei der Variante Umfahrung notwendigen Massnahmen zeigt denn auch, dass insbesondere beim Kreisel Dreilinden Handlungsbedarf bestünde. In den Unterlagen ist von einer «Knotenerweiterung» und einem Umbau zu einer Kreuzung mit Ampeln die Rede. Weitere Massnahmen auf Stadtgebiet sind bei dieser Variante nach damaligem Stand des Vorprojekts nicht vorgesehen.

Doch der Kanton hat nebst den beiden Varianten noch eine Liste mit weiteren baulichen Massnahmen im ganzen Einzugsgebiet erarbeitet. Dabei handelt es sich um Bauten, die unabhängig von einer der beiden Varianten so oder so früher oder später realisiert werden müssen. Darunter sind unter vielen anderen die Sanierung der Bützbergstrasse, die Sanierung des Knotens Bützberg-/Eisenbahnstrasse (Kreisel Ammann) sowie die Sanierung der Ringstrasse.

Flankierende Massnahmen

Fazit: Eine neue Umfahrungsstrasse allein löst das Verkehrsproblem nicht, sondern verschiebt es bloss in die Stadt. Es bräuchte deshalb dort ergänzend dazu weitere bauliche Massnahmen.

Im vierten Quartal dieses Jahres soll es zum Vorprojekt eine öffentliche Mitwirkung geben. Danach soll es 2016 bereinigt und abgeschlossen werden, sodass noch im gleichen Jahr der Variantenentscheid gefällt werden kann.

Berner Zeitung

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