Um 22.01 Uhr brach der grosse Jubel aus

Langnau

Man hat es weitherum gehört, dass die SCL Tigers den Wiederaufstieg geschafft haben. Der Jubel, der in und vor der Halle ausbrach, war gewaltig. Auch nach Spielende strömten noch Leute zum Stadion, die mitfeiern wollten.

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Susanne Graf

«Wenn die heute gewinnen, sind morgen einige zu nichts zu gebrauchen», sagte gestern Nachmittag ein Oberemmentaler. Einer, der nicht vorhatte, den Abend im oder vor dem Ilfisstadion zu verbringen. Er muss wohl ziemlich einsam gewesen sein. Denn alle andern kamen. So schien es zumindest.

Auch wer kein Ticket ergattert hatte für das vierte Qualifikationsspiel der SCL Tigers gegen die Rapperswil-Jona Lakers wollte den grossen Moment, da die Tigers in die Nationalliga A zurückkehren, vor Ort erleben. Wenn nicht in der Halle, dann wenigstens vor einer Grossleinwand. Dort, wo es nach Bratwürsten und geschmolzenem Käse roch.

Nur einer gab sich damit nicht zufrieden. Zweieinhalb Stunden hatte er mit einem Karton in der Hand vor der Halle gestanden. «Tickets?» stand darauf. Doch er konnte keines kaufen. 2000 Franken hätte er bezahlt, sagte er. Er zog dann ohne von dannen.

Der Enttäuschte schwamm gegen den Strom. Sonst gingen sie zu Tausenden an Heinz Graber, dem Security-Mann mit der Tigerkappe auf dem Kopf, vorbei Richtung Stadion. Und hundertmal tönte es aus seinem Mund: «Guten Abend. Wünsche einen schönen Match.» Die meisten grüssten lachend zurück, sie kennen den 52-Jährigen, der bei jedem Heimspiel neben der Metzgerei Horisberger steht – und grüsst.

Ein Polizist habe ihm gesagt, mit seiner Freundlichkeit spiele er eine psychologisch wichtige Rolle, erklärte Graber stolz. Erst einer habe keine Antenne gehabt dafür und mit «Haut d‘ Schnorre, du…» geantwortet. Graber nahm das nicht persönlich. Eishockey sei halt eine emotionale Sache.

Doch von Nervosität war am Donnerstagabend bei den Matchbesuchern, die sich ihre Haare rot und gelb gefärbt hatten, Tigers-Fanleibchen trugen oder sich im Fanshop vor Matchbeginn noch mit einem B-Meisterleibchen eindeckten, wenig zu spüren. Auch nicht bei Verwaltungsratspräsident Peter Jakob. «Wenn nicht heute, klappt es nächstes Mal», sagte er und hastete voller Vorfreude davon.

Wenig später hatte er zum ersten Mal Gelegenheit zum Jubeln. Lange bevor die im Car angereisten Gästefans eintrafen, fiel das erste Tor. Wegen eines Unfalls hatten sie im Stau gesteckt und kamen mit fast einer halben Stunde Verspätung an. Doch die spannenden Minuten erlebten sie mit. Und vor allem den Moment, als definitiv klar war, dass die Lakers den Tigers in der Nationalliga A Platz machen müssen.

Nicht nur in, sondern auch vor der Halle brandete Jubel und Gesang auf. Kurz nach der Schlusssirene knallte es, in der Nähe des Bahnhofs stieg ein Feuerwerk in den Himmel. Freinacht war angesagt. – Am Freitag werden im oberen Emmental einige zu nichts zu gebrauchen sein.

Bleibt zu hoffen, dass sie wegen des Feierns nicht ganz einsatzfähig sind und nicht wegen der Lakers-Fans, die ihre Enttäuschung nicht verkrafteten. Vor der Halle warfen sie Petarden gegen die feiernde Menge und lieferten sich eine Auseinandersetzung mit der Polizei.

Berner Zeitung

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