Über diese Spende hätte sich Albert Schweitzer gefreut

Gabun

Im Albert-Schweitzer-Spital im afrikanischen Lambarene konnte dank einer Spendenaktion aus dem Emmental eine neue Geburtsklinik gebaut werden. Ende April kam dort der erste Knabe zur Welt. Sein Vorname: Albert.

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Philippe Müller

Emmental und Lambarene – das passt. Rein klimatisch und landschaftlich hat die ländliche Region aus dem Kanton Bern zwar herzlich wenig mit der afrikanischen Provinzstadt in Gabun gemeinsam. Aber die zwischenmenschliche Verbundenheit ist seit langem gross. Seit 2 Jahren amtet der Sumiswalder Arzt Daniel Stoffel als Stiftungsratspräsident des Albert-Schweitzer-Spitals. Zuvor hatte er während rund 9 Jahren den Schweizer Hilfsverein für das Urwaldspital präsidiert.

Den Präsidiumsposten des Hilfsvereins übergab Stoffel 2014 an jemanden, der im Emmental ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen hat: Fritz von Gunten, ehemaliger Leiter der Kulturmühle Lützelflüh. Die beiden Männer sind dafür besorgt, dass im afrikanischen Spitaldorf alles so geregelt wie möglich abläuft.

Dass es ausgerechnet zwei Persönlichkeiten mit Emmentaler-Bezug sind, die in Lambarene nach dem Rechten sehen, liegt auf der Hand: Albert Schweitzer fühlte sich stets zum Emmental hingezogen und unterhielt hier mehrere Bekanntschaften. Etwa zur Lehrerin Anna Joss aus Kröschenbrunnen. Viele Briefe zeugen von dieser Freundschaft. Anna Joss fand Mittel und Wege, um das Lambarene-Spital zu unterstützen: Sie liess in ihrem Umfeld Gemüse anpflanzen, dörren, in Kambly-Blechdosen verlöten und nach Afrika verschiffen. Dabei konnte sie auf viel Unterstützung zählen. So gehörte etwa der Gründer der Trubschacher Biskuitfabrik Oscar Kambly ebenso zu den Freunden Schweitzers wie Anna Joss’ Nachbar, der die Büchsen verlötete.

Rotary Club ergriff Initiative

Zurück zu Daniel Stoffel und Fritz von Gunten: Mit ihren Kontakten sorgen sie dafür, dass die vor 102 Jahren von Albert Schweitzer gegründete Institution auch im Emmental bekannt ist und als sympathisch wahrgenommen wird. Damit wäre auch erklärt, weshalb der Rotary Club Emmental Ende 2013 auf die Idee kam, für eine neue Geburtsklinik in Lambarene Geld zu sammeln.

Das inzwischen verstorbene Rotary-Ehrenmitglied Peter Pfister ergriff die Initiative und bat auch andere Rotary Clubs in der Schweiz um eine Spende. Laut Fritz von Gunten kamen auf diesem Weg rund 200'000 Franken zusammen. Die Investitionskosten von einer Million Franken wurden damit zu einem Fünftel gedeckt. Den Rest steuerte der Schweizer Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital bei.

«In Afrika dauert es länger»

Seit wenigen Wochen ist die neue Geburtsklinik in Betrieb. Sie wurde an gleicher Stätte erbaut, an der seit 1981 die alte Geburtenstation stand. Bereits haben der Gynäkologe, die beiden Hebammen und rund 12 Pflegepersonen einige Geburten begleitet. Das erste Kind kam am 24.April zur Welt. «Der Knabe wurde auf den Namen Albert getauft», sagt Fritz von Gunten, der vor wenigen Tagen aus Lambarene zurückgekehrt ist. Der Bau der Klinik hat rund ein Jahr in Anspruch genommen. «In Afrika dauert manches halt länger als bei uns in der Schweiz», sagt von Gunten schmunzelnd. Es habe beispielsweise Probleme gegeben, die benötigten Baufachleute aus Kamerun einzufliegen. «Das mussten wir zuerst regeln.» Der Präsident des Schweizer Hilfsvereins erzählt weiter, dass der Bau der Geburtenstation «für uns ein sehr grosses Projekt war». Die 800000 Franken hätten am Eigenkapital gezehrt. «Wir müssen jetzt neue Mittel äufnen.»

Seit von Gunten letztes Jahr das Zepter übernommen hat, fliessen die Gelder des Hilfsvereins nur noch in konkrete Projekte. «Früher wurden die Mittel auch für den laufenden Betrieb des Spitals verwendet. Das wollten und mussten wir ändern.» Schliesslich werde das Geld für die schrittweise Erneuerung der restlichen Spitalinfrastruktur benötigt.

Spital: Grösster Arbeitgeber

Im gesamten Spitaldorf in Lambarene arbeiten derzeit 270 Menschen. «Damit ist das Spital der grösste Arbeitgeber der Provinzstadt», sagt von Gunten.

Der nächste grosse Anlass im Urwaldspital findet am 4.September statt. Dann wird die neue Geburtsklinik auch noch offiziell eingeweiht. Das Datum ist kein Zufall: Dann jährt sich Albert Schweitzers Todestag zum 50.Mal.

Berner Zeitung

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