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Stammtische wegen Rauchverbot weniger belebt

Seit dem 1.Juli 2009 gilt im Kanton Bern das Rauchverbot. Wie ist die Situation in Oberaargauer Restaurants? Haben sich die Befürchtungen bestätigt? Trotz weniger rauchender Gäste ziehen etliche Wirte eine positive Bilanz.

Kein Rauch mehr am Stammtisch: Fritz Graber, Wirt im Hotel Mohren Huttwil (rechts), geniesst mit seinen Gästen die saubere Luft im Lokal.
Kein Rauch mehr am Stammtisch: Fritz Graber, Wirt im Hotel Mohren Huttwil (rechts), geniesst mit seinen Gästen die saubere Luft im Lokal.
Marcel Bieri

«Seit dem Verbot ist es mit dem Husten meiner Frau deutlich besser geworden.» Fritz Graber, Wirt des Hotels Mohren in Huttwil, spricht Klartext. Die Zustände, wie sie vor der Einführung des Rauchverbotes geherrscht hätten, seien fast untragbar gewesen. Das Personal habe vom starken Rauch regelmässig Tränen in den Augen gehabt.

Dies hat sich nun geändert. Seit dem 1.Juli 2009 ist das Rauchen in Restaurants im Kanton Bern verboten. Doch das Rauchverbot bleibt umstritten. Während sich die einen über die saubere Luft freuen, beklagen andere den wachsenden Gästeschwund.

Kleinerer Stammtisch

Zu den Gegnern des Verbotes gehört auch Wirt Thomas Brand vom Gasthof Löwen in Ursenbach. «Der Stammtisch hat sich sichtlich ausgedünnt», berichtet er. Gäste, die früher bis zu drei Stunden in der Gaststube verweilten, würden heute noch etwa eine Stunde bleiben. Dabei, so glaubt Brand, hätte sich das Problem mit dem vielen Rauch von alleine gelöst: «Bereits vor dem 1.Juli haben immer weniger Leute geraucht.» Jetzt aber würden sich die Raucher diskriminiert fühlen.

Gesundheit geht vor

Dieser Meinung widerspricht Fritz Graber vom Huttwiler «Mohren»: «Der Stammtisch ist schon vor dem Rauchverbot immer kleiner geworden. Das hat nichts zu tun mit dem Rauchen, sondern mit der sich ändernden Zeit.» Heute würden die Jungen in ihrer Freizeit lieber Sport treiben und im Internet surfen, als ihre Zeit am Stammtisch zu verbringen.

Viele Wirte im Oberaargau sehen im Rauchverbot sowohl Vor- als auch Nachteile. Matthies Stampfli vom Hotel Bären in Langenthal: «Es gibt zwei Seiten. Auf der einen Seite das Raumklima, das sich für Gäste und Personal sicherlich verbessert hat.» Andererseits sei der Feierabend an der Bar schneller zu Ende als früher. So sieht das auch Elisabeth Kurth vom Gasthof Löwen in Attiswil: «Wir haben weniger Feierabendgäste als früher. Die Gesundheit der Angestellten geht jedoch vor.»

Finanziell hat sich seit dem 1.Juli 2009 bei keiner der befragten Beizen eine Einbusse bemerkbar gemacht. Trotzdem bekommt man von vielen Wirten in der Region die gleiche Meinung zu hören: «Wir hätten eine liberale Lösung bevorzugt.»

Geschwächte Gaststuben

Es gehe jetzt aber darum, in die Zukunft zu schauen, sagt Matthies Stampfli. «Es stellt sich die Frage, was wir machen können, um keine Gäste auszugrenzen», so der Chef vom «Bären» Langenthal. Für einige Beizen könnte das heissen, künftig einen Strukturwandel anzustreben. «Gut möglich, dass es bald nur noch Restaurants gibt, die zur Essenszeit offen haben», mutmasst Thomas Brand.

Und tatsächlich scheinen jene Beizen, die weniger auf den Gaststubenbetrieb angewiesen sind, mit dem Verbot besser zurechtzukommen. So etwa im «Bären» Madiswil, wo schon vor dem 1.Juli 2009 das Rauchen im Esssaal untersagt war. «Unsere Gäste kommen vor allem zum Essen zu uns und weniger zum Trinken», beschreibt Wirtin Eliane Ingold die Ausrichtung ihres Betriebes.

Teils neue Gäste

Eine ähnliche Situation herrscht im Restaurant A la carte in Langenthal. Wirtin Therese Hälg schliesst ihren Betrieb ausser am Freitag bereits um 18.30 Uhr und ist deshalb nicht auf die Feierabendgäste angewiesen. «Unsere Gäste am Nachmittag kommen wegen Kaffee und Kuchen. Da passt der Rauch nicht dazu», sagt Hälg, die mit dem neuen Verbot sehr zufrieden ist. Sie habe den Eindruck, dass neuerdings viele Gäste in ihr Lokal kommen, die früher wegen des Rauches nicht gekommen seien. Von finanziellen Einbussen weiss Therese Hälg denn auch nichts zu berichten: «Ich würde sagen, wir haben heute sogar mehr Gäste als vorher.»

Erst drei Anzeigen

Jene Restaurants, die auf ihre Gaststube angewiesen sind, werden sich aber weiterhin mit dem Rauchverbot arrangieren müssen. «Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen», sagt Elisabeth Kurth.

Laut Hansjürg Brodbeck, dem geschäftsleitenden Untersuchungsrichter in Burgdorf, sind Ende 2009 und zu Beginn des neuen Jahres im Oberaargau nur drei Anzeigen wegen Nichteinhaltens des Rauchverbotes eingegangen.

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