Spital ohne Komplementärmedizin

Langnau

Das Spital Emmental kann sich nicht mehr rühmen, als einziges Spital in der Schweiz am Standort Langnau über eine komplementärmedizinische Abteilung zu verfügen. Der Verwaltungsrat hat keinen Nachfolger für Chefarzt Hansueli Albonico gefunden.

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Ende Februar quittiert nun auch Danielle Lemann ihren Dienst am Spital Langnau. Sie wird pensioniert. Die Langnauer Hausärztin ist enttäuscht. Zusammen mit ihrem Mann Hansueli Albonico hat sie im Spital Langnau eine komplementärmedizinische Abteilung aufgebaut. Seit 1998 konnte sich die Spital Emmental AG deshalb rühmen, als einziges öffentliches Spital in der Schweiz eine eigene stationäre Abteilung zu führen für Patienten, die nicht allein schulmedizinisch, sondern auch mit natürlichen Heilverfahren behandelt werden wollen. Doch im Dezember hat der Verwaltungsrat beschlossen, künftig auf eine komplementärmedizinische Abteilung zu verzichten. Das hat CEO Adrian Schmitter der Belegschaft in Langnau gestern mitgeteilt.

Der Entscheid fiel nicht aus heiterem Himmel. Er war vielmehr die Konsequenz der erfolglosen Suche nach einem Nachfolger von Komplementärmedizin-Chefarzt Hansueli Albonico.

Langsamer Rückzug des Gründerpaars

Albonico, der mit dem Aufbau der Abteilung viel Pionierarbeit geleistet hat, ist auf Juni 2012 von seinem Posten zurückgetreten (wir berichteten). Seither liegt die fachliche Verantwortung bei Rolf Schmid, der seit 2003 als Oberarzt auf der Abteilung gearbeitet hatte. Danielle Lemann arbeitet ebenfalls noch mit. Sie sei zu 20 Prozent vom Spital angestellt, Rolf Schmid zu 30 Prozent, sagt sie. Für sie bedeute das, dass sie an zwei Halbtagen pro Woche im Spital sei und sich dort um jene Patienten kümmere, die als Ergänzung zur Schulmedizin natürlichere Behandlungen wünschten, erklärt Danielle Lemann.

Ab März ist Schluss damit. Nach ihrer Pensionierung wird sich auch Danielle Lemann ausschliesslich auf die Arbeit in der Hausarztpraxis konzentrieren, die sie zusammen mit ihrem Mann trotz Erreichen des AHV-Alters weiterführen will.

Teil der medizinischen Abteilung

Eigentlich existiert die Abteilung für Komplementärmedizin schon seit Mai 2012 nicht mehr. Als der Umbau des Bettenhauses 1 begann, musste sie ihre Räumlichkeiten mit anderen teilen. Seit der Einweihung des umgebauten Trakts ist sie Teil der medizinischen Abteilung.

Der Verwaltungsrat hatte nach Albonicos Abgang zwar versichert, es sei sein «deklariertes Bestreben», weiterhin eine integrative Medizin anbieten zu können. Er bildete eine Kerngruppe, die sich der «langfristig erfolgreichen Entwicklung» der Komplementärmedizin am Spital Emmental annehmen sollte. Vordringlichste Aufgabe dieser Gruppe war es, einen neuen Chefarzt zu suchen.

Das ist nicht gelungen. «Wir hatten eine sehr gute Bewerbung auf dem Tisch, aber leider wurde sie zurückgezogen», sagt Schmitter. Ansonsten seien nur sehr wenige und weniger valable Kandidaturen eingegangen. «Ärzte, die Erfahrung haben in stationärer Komplementärmedizin und zudem eine solche Abteilung führen können und wollen, sind sehr dünn gesät», stellt der CEO fest.

Wenigstens ein ambulantes Angebot?

Heisst das nun, dass künftig im Spital Langnau nicht mehr mit Pflanzenheilkunde, Homöopathie und anthroposophischer Medizin gearbeitet wird? Laut Adrian Schmitter prüft die Spitalleitung zurzeit gemeinsam mit Rolf Schmid, dem Leitenden Arzt Komplementärmedizin, «verschiedene Formen eines komplementärmedizinischen ambulanten Angebotes». In den besten Zeiten waren auf der Abteilung zehn Betten reserviert für Patienten, die nach alternativen Behandlungsmethoden verlangten. Heute kommt das laut dem CEO noch in «einzelnen Fällen» vor.

Seit dem Umbau, als die Abteilung Teil der Medizinischen Abteilung geworden sei, und seit dem gleichzeitigen Weggang von Hansueli Albonico sei die Nachfrage zurückgegangen. Trotzdem sei die Spitalleitung bestrebt, «dieses Angebot als einziges öffentliches Spital in der Schweiz aufrechtzuerhalten», versichert Schmitter. Ob dies gelinge, hänge stark davon ab, ob die Pflegenden, die eine Zusatzausbildung in komplementärmedizinischer Pflege haben, dem Spital Langnau treu blieben, gibt er zu bedenken.

Berner Zeitung

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