Solarfirma vernichtet Millionen

Langenthal

Für die Stadt Langenthal ist das Projekt Solarmodulfabrik erledigt, das Land hat sie wieder. Doch für die Aktionäre der Bauherrin Solar Industries wirds teuer – sehr teuer.

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Rolf Wägli war VR-Präsident der Solar Industries.

(Bild: Thomas Peter)

Dominic Ramel

Das Debakel um die Glarner Solar Industries AG, die in Langenthal eine Solarmodulfabrik bauen wollte, nimmt immer grössere Ausmasse an. Dass Langenthal letzte Woche die Reissleine gezogen hat und das Land in der Steiachermatte wieder zurückgekauft hat, erweist sich als richtig. Denn jetzt zeigt sich, dass die Aktionäre der Firma viel Geld verlieren. Zudem werden die Vorwürfe gegen Firmengründer, Projektvater und Solarpionier Rolf Wägli immer happiger.

Die Zürcher Beteiligungsgesellschaft New Value, mit 30,2 Prozent Hauptaktionärin von Solar Industries, muss auf ihrem Anteil an der Firma Abschreibungen in Höhe von 11,7 Millionen Franken vornehmen. Als Grund nennt New Value, «dass voraussichtlich liquide Mittel im Ausmass von über 10 Millionen Franken durch den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten in unsichere Gefässe investiert wurden». Dies habe eine interne Analyse zutage gefördert, teilte New Value am Donnerstag mit. Verwaltungsratspräsident von Solar Industries und New Value war bis Anfang Jahr Wägli.

Bei den unsicheren Gefässen handle es sich um Obligationen- und Aktienfonds, präzisiert Paul Santner, Vizepräsident und Delegierter des Verwaltungsrats von New Value. Sämtliche dieser Fonds seien von Wägli verwaltet worden. «Weitere Auskünfte können wir dazu nicht geben, weil wir schlicht zu wenig wissen», sagte Santner weiter. Sicher sei jedoch, dass Solar Industries durch diese bislang unbekannten Investitionen in einen Liquiditätsengpass geraten sei, wie New Value schreibt.

Bernische EWB verliert Geld

In das Debakel involviert ist auch der stadtbernische Energieversorger: Energie Wasser Bern (EWB) ist mit 15 Prozent an Solar Industries beteiligt. EWB-Chef Daniel Schafer geht davon aus, dass EWB die ursprünglich 5 Millionen Franken wird abschreiben müssen. Ohne Namen zu nennen, sagte Schafer im «Bund», dass die Leute, die hinter dem Projekt gestanden seien, ihr Geld «mutmasslich inkorrekt angelegt» hätten; es seien sogar «mutmasslich kriminelle Machenschaften» getätigt worden. «Wir behalten uns rechtliche Schritte vor.»

Bereits Ende Januar hatte New Value in Zürich gegen Wägli eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eingereicht. Er soll Transaktionen von Festgeldanlagen und weitere Geschäfte im Alleingang und nicht nach den Richtlinien von New Value getätigt haben. Daraufhin musste New Value bereits damals Wertberichtigungen von 8 Millionen Franken vornehmen.

Kein Schaden für Langenthal

Der Langenthaler Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) betont, dass die Stadt wegen des gescheiterten Solarmodulfabrikprojekts «keinen finanziellen Schaden erlitten» habe. Sie habe sich beim Projekt stets auf das Landgeschäft beschränkt, das jetzt rückabgewickelt worden sei. Langenthal habe sich nie finanziell am Projekt oder an der Firma beteiligt.

Berner Zeitung

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