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Sie mag leuchtende Kinderaugen

Seit über 50 Jahren ist die Laubscher Lunapark AG aus Biel am Schnittersonntag in Koppigen dabei. An der Kasse sitzt auch dieses Jahr die 83-jährige Anna Laubscher.

Ist in ihrem Element: Anna Laubscher (83) kommt seit 50 Jahren an den Schnittersonntag nach Koppigen und verkauft immer noch Tickets für die Putschautobahn.
Ist in ihrem Element: Anna Laubscher (83) kommt seit 50 Jahren an den Schnittersonntag nach Koppigen und verkauft immer noch Tickets für die Putschautobahn.
Marcel Bieri

An diesem frühen Freitagabend in Koppigen deutet noch kaum etwas auf den kommenden Schnittersonntag hin. Noch döst das schmucke Dampfrösslispiel neben dem Schulhaus im Dornröschenschlaf, genauso wie die übrige Lunapark-Anlage hinter dem Gebäude. Dazu gehört auch die Skooteranlage (zu Berndeutsch: Putschautobahn) der Laubscher Lunapark AG. Vor dem Kassenwagen steht die 83-jährige Anna Laubscher und blinzelt in die Sonne. Da ihr Sohn Werner, der Geschäftsführer des Familienunternehmens, momentan in den Ferien weilt, leitet die gebürtige St.Gallerin zusammen mit vier Angestellten die Geschicke des Betriebes am Schnittersonntag. In nächster Nähe auf Warteposition ist eine Gruppe Kinder, die auf die Gratisfahrt auf der Skooterbahn wartet. Einige können es kaum erwarten und fragen bei Anna Laubscher nach, ob es denn nun Zeit sei.

Um Punkt 19 Uhr startet die Schaustellerin die Bahn. Die Gratisviertelstunde hat Tradition. Tradition hat auch ihre langjährige Teilnahme am Schnittersonntag. Seit über 50 Jahren sei sie nun dabei, wie Anna Laubscher sagt. Inzwischen entern Kinder und Jugendliche lautstark die neonfarbigen Scooter unter dem blau-gelben Baldachin. Und dann geht die euphorische Putscherei los, sodass die Kantonsflaggen am Mast nur so flattern. Auf diese Fähnchen ist Anna Laubscher stolz. «Ich glaube, wir sind die Einzigen, die solche Wimpel an den Wagen haben.» Mit Argusaugen beobachtet sie vom klimatisierten Kassenwagen aus das Geschehen auf der Bahn. Plötzlich drückt sie abrupt auf den Stoppknopf. Während der Fahrt hat ein Vater mit einem Kleinkind die Anlage betreten, um in einen leeren Wagen zu steigen. Durch das Mikrofon gibt es einen entsprechenden Kommentar. Solche risikoreichen Aktionen kann die vitale Schaustellerin bis heute nicht verstehen.

Heute blinkt es mehr als früher

Nachdem sie nach der Gratisfahrt jede Menge Fahrchips verkauft hat, wandern ihre Augen unablässig umher. Nichts scheint ihr zu entgegen. Hier ein paar Anweisungen für einen Angestellten und da die Frage nach einer Ersatzglühbirne. Eine zweiminütige Fahrt kostet drei Franken, bei mehreren Fahrten gibts Ermässigung. Bis heute hätten sich die Skooteranlagen technisch kaum verändert, sagt Laubscher. «Abgesehen von ein paar blinkenden Details am Wagenpark.» Allerdings hätten heute die Bahnplatten im Gegensatz zu früher eine Hydraulikvorrichtung. Für das Aufstellen der Anlage brauchen heute vier Männer insgesamt zwei Tage.

Familie kann davon leben

Einen ganz besonderen Bezug innerhalb des Laubscher-Anlageparks hat die Mutter von drei erwachsenen Kindern und fünffache Grossmutter zu den verschiedenen Karussells. «Schon wegen der leuchtenden Kinderaugen», präzisiert sie. Das älteste Karussell stammt aus dem Jahr 1880 und ist eine Rarität. Seit 1886 ziehen die Laubschers mit ihren Anlagen durch die Lande. Der 54-jährige Sohn Werner leitet den Betrieb seit dem Tod seines Vaters 1987 in vierter Generation. Da sei er gerade mal 28 Jahre alt gewesen, erinnert sich die gelernte Wirtin, die ursprünglich gerne ein Gasthaus geführt hätte.

Durch ihren Mann kam sie dann in dritter Generation zur Schaustellerei. Dabei zog die ganze Familie immer am selben Strick, obschon die beiden Töchter Renate (57) und Therese (62) einem anderen Beruf nachgehen. Anlässe wie die BEA oder die Schnittersonntage in Koppigen und Kirchberg sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil in der Planung des Familienbetriebs Laubscher. Trotz so einigen wirtschaftlichen Hochs und Tiefs habe die Familie immer von der Schaustellerei leben können, so Laubscher. Immerhin so gut, dass ihr Sohn den Betrieb in den letzten Jahren kontinuierlich unterhalten und ausbauen konnte.

Obschon die vife Seniorin mittlerweile nur noch aushilfsweise bei ihrem Sohn tätig ist, ist ihr die Schaustellerarbeit immer noch leidenschaftliche Berufung. Ganz besonders freuen würde sie sich über eine fünfte Generation Laubscher Schausteller. «Momentan sieht es allerdings nicht danach aus», sagt sie.

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