Seit über 70 Jahren glücklich verheiratet

Heimisbach

Seit über 70 Jahren sind Fritz und Gritli Arm-Steiner aus Chramershus ein Paar, letztes Jahr feierten sie die Gnadenhochzeit. Mit Jahrgang 1923 und 1925 sind sie nicht mehr die Jüngsten, doch für ihn ist sie immer noch die Schönste.

Nach 70 gemeinsamen Jahren ist zwischen Fritz und Gritli Arm eine tiefe Verbundenheit da.

Nach 70 gemeinsamen Jahren ist zwischen Fritz und Gritli Arm eine tiefe Verbundenheit da.

(Bild: Thomas Peter)

Sie gingen zusammen im Schulhaus Chramershus in die Schule. Der Mehrjahrgangsklasse sei Dank, durfte der zwei Jahre ältere Fritz Arm im Unterricht neben Gritli Steiner sitzen. Er erinnert sich: «Gritli hatte schöne lange Zöpfe und ein freundliches Lächeln.» Als Tochter eines Ladenbesitzers habe sie oft beim Bedienen geholfen und gelernt, freundlich zu den Kunden zu sein, sagt Gritli Arm. Da machte der Nachbarsbub wohl gerne für die Mutter «Kommissionen» im Lädeli. Weil das Mädchen auch Herrin über das grosse Glas war, in dem sich die Gratistäfeli für die junge Kundschaft befanden, kam auch der junge Fritz in den Genuss der Süssigkeiten. Aber wegen derer kam er nicht, es war Gritli, das ihn anzog.

Und er litt Höllenqualen, als er bemerkte, dass auch andere ein Auge auf sie geworfen hatten. Ob wegen der Täfeli oder des Lächelns, sie war umschwärmt. Darum wohl wurde so früh geheiratet, Fritz wollte sicher sein, Krieg hin oder her. Um Hochzeitsgäste einladen zu können, musste das junge Paar Benzin- und Verpflegungsmarken zusammenbetteln, alles war damals rationiert.

Einen Tag nach der Trauung musste Fritz in den Aktivdienst einrücken, zur Fliegerabwehr an der Grenze. Sie blieb, vor Kummer fast krank, bei den Eltern zurück.

Fritz Arm hatte Käser gelernt. Gritli blieb zu Hause und half im Laden, bis ihrem Mann nebst einer Käserei eine Zweizimmerwohnung angeboten wurde. Inzwischen waren schon zwei Kinder da.

Ein Braten von den eigenen Kaninchen und Hühnern, ein Sonntagsspaziergang mit den Kindern, einmal im Jahr ein Operettenbesuch – sie waren viele Jahre glücklich zusammen und mit wenig zufrieden. Die schwere Arbeit mit den Käselaiben verursachte bei Fritz Arm Hüftprobleme, sodass er andere Arbeit suchen musste. Die Familie kehrte in Gritlis Elternhaus in Chramershus zurück, wo das Paar noch heute wohnt.

Altersheim? Nein danke

Auch heute noch schellt die Ladenglocke, wenn Gritli und Fritz Arm Besucher empfangen. Obwohl seit zehn Jahren geschlossen, stehen im ehemaligen Verkaufsladen noch immer Waren in den Regalen.

«Das ist unser Notvorrat» erklärt Gritli. Sie bedauert, dass das Geschäft nicht mehr existiert, aber es sei halt nicht mehr viel gelaufen, «die Jungen fahren halt heutzutage mit dem Auto zum Einkauf». Nur die Schüler, die seien immer gekommen, und da sei es laut und lustig zu- und hergegangen, denkt sie zurück. «Ich vermisse sie immer noch.» Im Stübchen der alten Leute sei es halt gar still.

Von den sieben Kindern des Ehepaars ist das Jüngste als Kleinkind gestorben, die anderen sind aus dem ehemaligen «Dürrgraben» weggezogen, haben heute Familie und Beruf. Doch ab und zu gibt es Besuche, auch von den 20 Gross- und 16 Urgrosskindern.

Inzwischen sind Fritz und Gritli Arm 92 beziehungsweise 90 Jahre alt, einfacher werde es nicht, sagen sie. Aber: «Ins Altersheim? Lieber nicht, was sollten wir da den ganzen Tag tun?», sind sie sich einig. Jetzt helfen sie einander beim Holzholen, Heizen, Kochen, Putzen und Waschen.

Haushalten halte jung. Ausgang gibt es selten: «Wir sind nicht mehr so gut zu Fuss, da bleibt man am besten in seinen vier Wänden» lässt sich «Vati» aus der Ofenecke vernehmen. Auf die Frage, was er sich denn wünschte, wenn eines Tages die «gute Fee» vorbeikäme, muss er lachen.

«Was meinsch, Mueti?», fragt er. «Öppe dass mer no chli chöi zäme bliibe», sagt Fritz dann, und Gritli nickt. Nach all den Jahren ist noch immer etwas von der Liebe spürbar, die die beiden einst zusammenführte und durch dick und dünn zusammenhalten liess.

Berner Zeitung

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