Sein Sammlerherz schlägt für Handorgeln

Langenthal

Reto Stadelmann aus Langenthal sammelt. In erster Linie Handorgeln, aber auch andere Instrumente, Werkzeuge aus alten Zeiten und vieles mehr. Wichtig ist ihm die Geschichte dahinter.

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«Jedes Instrument hat eine Geschichte», sagt Reto Stadelmann. «Diese interessiert mich mehr, als damit zu spielen.» Was er natürlich auch kann, wie er sofort unter Beweis stellt. Noch mehr leuchten seine Augen allerdings, wenn er einzelne Stücke aus seiner rund 200 Stück umfassenden Sammlung in die Hand nimmt und deren Herkunft beschreibt. «Diese Sheng stammt ursprünglich aus China und gehört zur Familie der Mundorgeln», erklärt er ein Instrument, dessen Ursprung auf 1000 vor Christus datiert.

Und zu einem anderen Stück: «Diese Handorgel fand man bei Cuno Amiet. Angeblich stammt sie aus dem Restaurant gleich neben dem Atelier des Malers in Oschwand.» Ob das tatsächlich stimmt, weiss er nicht zu hundert Prozent. Es lässt sich jedoch anhand eines Amiet-Bildes mit einem Handorgelspieler vermuten.

Verschiedenste Quellen

Zu dieser Handorgel ist er durch den Musiker Werner Aeschbacher gekommen. «Sie wurde ihm nach einem Konzert angeboten. Er selber wollte sie nicht, gab mir aber die Kontaktadresse», nennt Reto Stadelmann eine seiner Quellen. Vieles findet er auf Floh- oder Antiquitätenmärkten. «Und mittlerweile bringen mir Leute Instrumente oder sonstige Waren vorbei, die sie nicht mehr benötigen, aber auch nicht einfach wegwerfen wollen.» Den Grundstein zu Reto Stadelmanns Sammlung legte ein Harmonium, das er vor Jahren im Bündnerland fand.

Die Musik spielte im Hause Stadelmann im Kanton Zürich zwar eine gewisse Rolle, aber immer nur als Hobby. Reto Stadelmann absolvierte eine Lehre als Bauzeichner. Durch seinen engagierten Onkel kam Stadelmann schon früh mit behinderten Kindern in Kontakt, betreute später Turn- und Schwimmkurse und leitete Lager.

Dabei lernte er eine Frau kennen, die sich in Bern zur Lehrerin für geistig behinderte Kinder ausbilden liess. «Diese Schule war damals die einzige, an der man ohne Matura und nur mit einer Aufnahmeprüfung studieren konnte», sagt Stadelmann, der nach seiner Zweitausbildung ab 1978 bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren an der Heilpädagogischen Schule HPS in Langenthal unterrichtete und an der er zwischenzeitlich zehn Jahre als Schulleiter wirkte. «Mit dem Neubau, den ich eng begleiten durfte, hat sich mein beruflicher Kreis schliesslich geschlossen», sagt er.

Er spielt mit Gegenständen

Nun widmet sich Reto Stadelmann hauptsächlich seinen Orgeln. «Bis ich 65 Jahre alt bin, sammle ich weiter, danach restauriere ich die Instrumente nur noch», setzt sich der 1951 Geborene mit einem Schmunzeln eine Frist und rechnet gleich noch aus, dass er bis zum 80.Geburtstag jeden Tag an einem Instrument arbeiten wird.

Doch die Musikinstrumente sind nicht das Einzige, was Reto Stadelmann beschäftigt. Im zweiten Obergeschoss des Hauses, das er mit seiner Frau Esther alleine bewohnt, seit die drei Kinder ausgeflogen sind, befindet sich sein Archiv, wie er es nennt. Dort kann man Kitschiges ebenso bestaunen wie Raritäten aus früheren Zeiten, wie zum Beispiel die Handwurstmaschine eines Störmetzgers. Aus einigen Gegenständen und mit viel Fantasie entstehen neue Objekte.

Davon zeugen Kunstwerke im, um das und am Haus, das mit seinen Eternitschindeln und den farbigen Fensterläden sofort auffällt. Wobei Reto Stadelmann sich nicht als Künstler sieht. «Ich spiele mit Gegenständen», nennt er das, was er macht. Als Kunst bezeichnet er hingegen das Bäumeschneiden im grossen Garten, «meine weitere Leidenschaft».

Seine «Spielereien» sieht man in keiner Ausstellung. «Das ist nicht so mein Ding. Ich lade die Leute lieber zu mir nach Hause ein», sagt Reto Stadelmann. «Oder ich arbeite mit anderen zusammen, wie aktuell in einem Projekt unter der Leitung des Künstlers Reto Bärtschi für das renovierte Schulhaus Kreuzfeld.»

Berner Zeitung

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