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Richter zweifelt nicht an Schuld des Vaters

Für das Regionalgericht in Burgdorf war klar: Der Vater ist schuldig. Er hat seinen wenige Wochen alten Sohn wiederholt misshandelt. Ihm wurde eine stationäre Massnahme auferlegt.

Das Urteil nahm er ruhig hin. Ab und an nickte er. Kaum vorstellbar, dass dieser unscheinbare, scheu wirkende junge Mann seinem kleinen Buben so etwas antun konnte. Für das Kollegialgericht unter Vorsitz von Jürg Bähler war dessen Schuld unbestritten. Der Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» komme hier nicht zum Tragen.

Viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe kassierte der heute 30-Jährige für die dem Sohn zugefügten Körperverletzungen. Das Kind war damals wenige Wochen alt. Die Strafe wird vorderhand nicht vollzogen, sondern das Gericht ordnete eine stationäre Massnahme an, der Verurteilte muss sich einer therapeutischen Behandlung unterziehen. Die Misshandlungen waren massiv. Der Säugling erlitt einen Schädelbruch, mehrere Rippen- und Schienbeinbrüche, Blutungen und Schürfungen.

Die Verletzungen entstanden im Zeitraum von April bis August 2012, erst im Aargauischen, später im unteren Emmental. Zudem wurde dem Kind mindestens einmal eine überhöhte Dosis Beruhigungsmittel verabreicht (siehe Ausgabe von gestern). Der Vater konnte sich die schweren Verletzungen nicht erklären, wies die Schuld von sich. Er erzählte während des Prozesses am Mittwoch von Blackouts und davon, dass ihm der Knabe einmal fast aus den Armen gerutscht sei und er in deshalb unabsichtlich gewürgt habe.

Das Opfer war wehrlos

Bei der Urteilseröffnung gestern in Burgdorf sprach Richter Jürg Bähler von einem «sehr tragischen Fall». Nicht nur weil es um eine familiäre Geschichte gehe, sondern weil das Opfer völlig hilflos und wehrlos gewesen sei. Der ihm zustehende Schutz habe über weite Teile versagt. Es müsse eine massivste Gewalteinwirkung erfolgt sein, dass die Knochen brachen. Zumal diese bei Kleinkindern noch sehr weich seien und nicht so schnell brechen würden. Wer dermassen Gewalt anwende, nehme schwere Verletzungen in Kauf – also, dass Organe verletzt würden. Auch wenn in diesem Fall alles wieder gut verheilt sei.

Die Verletzungen des Babys seien medizinisch nachgewiesen. Die Frage sei gewesen, wer für sie verantwortlich sei, sagte Bähler. Infrage kämen nur der Vater oder die Mutter, die Ehefrau des Verurteilten. Das Gewicht falle hier deutlich zulasten des Vaters. Er habe selber gesagt, dass er unter Stress gestanden und ihn das häufige Schreien und Weinen des Kindes sehr belastet habe. Es habe ihn ja nach eigenen Aussagen fast zum Explodieren gebracht. Auch war das Gericht nicht überzeugt, dass die Blackouts so vorlagen, wie sie der 30-Jährige geschildert hatte. Weder seinen Eltern noch seiner Frau sei je etwas aufgefallen.

«Das Gericht kann sich schlecht vorstellen, dass Sie weggetreten sind trotz des schreienden Kindes in den Armen.» Dass ausserdem die Medikamente, die dem Vater zur Beruhigung verschrieben worden waren, versehentlich via Muttermilch in den Körper des Säuglings gelangen konnten, schloss der Richter aus. «Das war bei dieser festgestellten Konzentration nicht möglich.»

Vertrauen verdienen

Vielleicht ergebe sich die Chance, den Kontakt zu seinem Sohn wieder zu intensivieren. Unbeaufsichtigt gehe das sicher nicht. «Sie müssen schauen, etwas zu tun, und sich das Vertrauen verdienen», so Bähler. Und vielleicht könne die Familie eines Tages wieder zusammenzukommen.

Der Vater muss auch die Verfahrenskosten und Auslagen in Höhe von 95000 Franken tragen und eine Genugtuung an seinen Sohn von 15000 Franken zahlen.

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