Zum Hauptinhalt springen

Quodlibet bedeutet(e) lebenslänglich

Das Quodlibet ist die älteste Clique der Langenthaler Fasnacht. Jetzt wird es 90 Jahre jung. Und noch immer gilt der Grundsatz: Am Hirsmontag schauen die ältesten Fasnächtler zu den jüngsten.

So verschaffte das Quodlibet letztes Jahr dem Kinderumzug Platz durch die Zuschauerspaliere.
So verschaffte das Quodlibet letztes Jahr dem Kinderumzug Platz durch die Zuschauerspaliere.
Robert Grogg

1923, also vor genau 90 Jahren, berieten einige Herren der Langenthaler Gesellschaft, wie die alte Tradition des närrischen Treibens wiederzubeleben wäre – und über die Generationen hinweg erhalten bliebe. Es waren Gewerbler und Händler, Lehrer und Väter, Kopfarbeiter und Handwerker, Direktoren und Normalbürger, die sich zu einer ehrenwerten Fasnachtsgesellschaft zusammentaten und diese «Quodlibet» nannten – was lateinisch ist und übersetzt etwa bedeutet: «Wie es euch gefällt».

Vorerst ohne Frauen

Damen wollte die ehrenwerte Herrengesellschaft keine unter sich, galt es doch in erster Linie, einen Maskenball im Bären zu organisieren. Und die Frauen gehörten, so das damalige Verständnis, an der Fasnacht hinter Masken verborgen – damit die Herren sich im Verwirrspiel der Kostümierten erobern lassen konnten.

Die Sache mit dem Maskenball war rasch einmal organisiert und Tradition. Doch die Herren wollten auch die vornehmste Aufgabe angehen: die Pflege des Narren-Nachwuchses. Weshalb sie am 2.März 1924 ein Inserat platzierten, das für den Ball der Erwachsenen im edlen Bären, für einen Kinderumzug und für einen Kindermaskenball im Löwen warb.

Knüppelharte Satzungen

In späteren Jahren wurde die Party der Halbwüchsigen in den berühmt-berüchtigten Kreuzsaal gezügelt, die 5.- bis 9.-Klässler sollten getrennt von den Kleinen ihre Fasnacht feiern können. Dies alles hatte am Hirsmontag stattzufinden.

Satzungen wurden niedergeschrieben mit knüppelharten Bedingungen wie: «Jeder Quodlibeter ist am Hirsmontag grundsätzlich im Einsatz.» Entschuldigungen wurden nicht akzeptiert, Austritte waren nicht möglich.

Die Mütter im Bus

Während Jahrzehnten wollten die Herren des Quodlibet unter sich bleiben. Dann 1970, immerhin noch vor der Einführung des Frauenstimmrechts, wurden die ersten drei Frauen gnädigst und hoch offiziell in den hehren Kreis der Kinderfasnächtler aufgenommen. Heute wären die Quodlibeter restlos verloren ohne ihre weiblichen Stärken. Eine gewisse Abwehr des Weiblichen hat sich aber über die Jahrzehnte hinweg erhalten: Am Kindermaskenball in den oberen Etagen des Bären haben die Mütter keinen Zutritt – sie werden vom gestrengen Zerberus von Treppe und Lift ferngehalten. Inzwischen hat sich unausgesprochen eine löbliche Übereinkunft mit den Schierwiibern eingestellt: Die übernehmen die vertriebenen Mütter und umsorgen sie herzensgut draussen vor den Türen des Bären im Schierwiiber-Bus.

Kinder unter sich

Drinnen dürfen die Kinder an ihrem Ball unter sich sein: Da gibt es das legendäre Kasperlitheater, die Tanzparty, die Filme von Laurel und Hardy, die Schminktische und den traditionellen Tee mit etwas Süssem zum Zvieri. Wer dem Bären entwachsen ist, besucht heute das Partyzelt vor dem Choufhüsi, das die Quodlibeter zusammen mit den Jugendbeauftragten des Tokjo aufstellen.

Auflösung ist unmöglich

Dies alles geschieht notabene nach dem Kinderumzug, der sich alle Jahre durch dichtere Zuschauermassen drängt. Aus der ganzen Region strömen inzwischen Kindergärteler und Schülerscharen in ihren selber gebastelten Kostümen herbei. Die Quodlibeter übernehmen die Einteilung der fantasievollen Gruppen, damit der immense Aufwand möglichst gut zur Geltung kommt. Dazwischen geben die Guggen den Takt an.

Seit 90 Jahren sorgt die älteste Fasnachtsclique für die Jüngsten. An ein Aufhören denkt der neue Ober-Q Christof Kummer keineswegs. Das kann er gar nicht, schreiben doch die Satzungen vor: «Das Quodlibet kann nicht aufgelöst werden, solange Fasnacht in Langenthal in hohen Ehren gehalten wird.»

(Berner Zeitung)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch