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Prozess: Bittere Reue und Tränen vor Gericht

Ein 46-jähriger Mann, der vor einem Jahr aus Eifersucht seine Frau erstochen hat, bereut die Tat bitterlich.

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Dies beteuerte er vor dem Kreisgericht Konolfingen in Schlosswil, wo am Montag der einwöchige Prozess zum Tötungsdelikt begonnen hat.

«Ich habe die Besinnung verloren, war nicht mehr ich selber», schluchzte der marokkanisch-schweizerische Doppelbürger. «Nie wollte ich meiner Frau und den beiden Söhnen so etwas antun.» Er bereue die Tat und entschuldige sich bei allen Angehörigen. Während der Befragung durch das Gericht brach er mehrmals in Tränen aus.

Nebenbuhler am Telefon

An das Tötungsdelikt könne er sich nicht erinnern, sagte der Angeschuldigte. Mit Mühe brachte der Gerichtspräsident ihn dazu, die Vorgeschichte zu schildern. Es sei ein heftiger Streit entbrannt, weil seine Frau mit ihrem neuen Freund telefoniert habe, berichtete der Angeklagte.

Er habe ihr das Telefon entrissen, um mit dem Nebenbuhler zu sprechen. Er habe ihn auffordern wollen, sie in Ruhe zu lassen. Doch seine Frau habe die Verbindung bereits unterbrochen gehabt.

Frau ergriff Küchenmesser

Da habe seine Gattin, die er noch nie so wütend erlebt habe, ein Küchenmesser geholt und ihn damit bedroht, um das Telefon zurückzuerhalten. Er habe den Apparat auf den Tisch gelegt und sie das Messer. Nach dem Letzten, an das er sich erinnern könne, gefragt, antwortete der Angeschuldigte: «Der Teufel höchstpersönlich ist mir erschienen.»

Nach der Tat habe er vergeblich versucht, Hilfe zu holen. Doch es wäre ohnehin zu spät gewesen: Das Opfer verstarb innert kurzer Zeit an den vielen Stichverletzungen in Brust und Rücken. Wegen der heftigen Gemütserregung des Täters hat das Gericht neben dem Tatbestand der vorsätzlichen Tötung auch jenen des Totschlags zu prüfen.

Einige Tage vor der Tat hatte die Frau ihrem Mann eröffnet, sie habe einen anderen kennengelernt. Er solle die gemeinsame Wohnung verlassen. «Das Internet hat mein Leben zerstört», rief der Angeklagte aus. Internetflirts seiner Frau hatten schon seit zwei Jahren seine Eifersucht geweckt.

Depressionen

«Das Vorgefallene beschäftigt mich Tag und Nacht», berichtete der Angeschuldigte. «Ich will sterben, statt durch diese Hölle zu gehen.» Wegen Depressionen erhalte er Medikamente. Wöchentlich habe er eine Sitzung mit einem Psychiater.

Der Mann war bereits einmal wegen Depressionen in Behandlung, nachdem er 2004 seine Stelle wegen eines handgreiflichen Streits verloren hatte. Es sei sehr schwierig gewesen, Arbeit zu finden. Deshalb habe er schliesslich Occasionvelos zurechtgemacht und in Marokko verkauft.

Schwierige Kindheit

Der in Meknès aufgewachsene Angeklagte berichtete von einer schwierigen Kindheit. Der Vater sei Alkoholiker gewesen. 12-jährig habe er die Schule verlassen müssen, um als Schuhmacher und Spengler zu arbeiten.

Wegen des Saharakriegs desertierte der Jüngling aus dem Militär, kam für zwei Monate ins Gefängnis und profitierte dann von einer Amnestie. 1990 kam er aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz

Zuerst stellte er vergeblich ein Asylgesuch, konnte aber durch Heirat im Land bleiben. Während der Trennung von seiner ersten Frau lernte er das Opfer kennen, eine zehn Jahre jüngere Köchin. Nach der Heirat zog das Paar nach Oberdiessbach BE, wo auch das Tötungsdelikt geschah. Das Urteil wird für Freitagmorgen erwartet.

SDA/ase

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