Porzi erschliesst einen neuen Markt

Langenthal

Die Porzellanfabrik Langenthal AG hat spezielles Geschirr für Menschen kreiert, die sich aus verschiedenen Gründen mit dem Essen schwertun. Die Resonanz auf das innovative Produkt ist bisher höchst erfreulich.

Der Teller aus der Serie Active hat als Esshilfe eine Art Nase.

Der Teller aus der Serie Active hat als Esshilfe eine Art Nase.

(Bild: zvg)

Nach schwierigen Zeiten in den Nullerjahren ist es mit der Porzellanfabrik Langenthal AG in den vergangenen zwei, drei Jahren wieder aufwärtsgegangen. 2012 erwirtschaftete die Porzi einen Nettogewinn von über 150000 Franken. Der junge Geschäftsführer Adrian Berchtold sagt: «Die Porzi hat eine gute Grösse, um Nischen zu besetzen.» Eine solche Nische im Geschirrmarkt sind Alterszentren, Rehakliniken und Institutionen für Behinderte oder Sehbehinderte. Deshalb hat die Porzellanfabrik die neue Geschirrserie Active entwickelt.

Das speziell gestaltete Geschirr ist ausgelegt auf Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind (siehe Infobox). «Wir wurden von Pflegeeinrichtungen oft auf diese Problematik angesprochen und haben festgestellt, dass in diesem Bereich ein Bedürfnis vorhanden ist», erklärt Berchtold. Der Mensch wolle bis ins hohe Alter oder trotz Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat oder mit dem Sehen möglichst lange selbstständig bleiben. Das gelte auch fürs Essen.

Positive Reaktionen

Der 29-jährige Geschäftsführer und sein Team in der Porzi sagten sich, es müsse möglich sein, ein Geschirr aus Porzellan zu kreieren, das für betroffene Menschen ein Hilfsmittel darstelle. Für die Entwicklung hat die Porzi laut Berchtold Spezialisten beigezogen, die sich täglich mit diesem Thema beschäftigen: Vertreter von Alterszentren, Behindertenorganisationen sowie Rehakliniken. Ebenso Pflegepersonal, Ergotherapeuten sowie ein Spezialist rund ums Thema Essen in Heimen. Auch wurde eine Marktstudie durchgeführt, um die Nachfrage zu klären. Schliesslich wurden Prototypen in einem Alterszentrum in Bern getestet.

Mittlerweile führt die Porzi die Serie Active seit über einem Jahr im Sortiment. «Wir erhalten viel Zuspruch von Betrieben, die das Geschirr einsetzen», sagt Berchtold. Dazu gehört seit wenigen Wochen das Alterszentrum Rotenwies im appenzellischen Gais. Heimleiterin Rösli Gantenbein sagt überzeugt: «Die Serie Active ist altersgerechtes Geschirr.» Zwar sei es erst seit etwa drei Wochen im Einsatz, sie beurteile es aber positiv. Vor allem, dass die hohen Tassen fast nicht umkippen, ist Gantenbein aufgefallen.

Erleichterung beim Essen

Seit April setzt das Alterszentrum im Grampen in Bülach in seiner Demenzabteilung auf das Porzi-Geschirr. «Wir haben festgestellt, dass einige Bewohner dort nicht mehr richtig gegessen haben», sagt der Leiter Gastronomie, Patrice Gothié. Er sei dann auf Active gestossen und habe gedacht: Es wäre fantastisch, wenn man dadurch die Bewohner zum selbstständigen Essen motivieren könnte, so Gothié. Ein Test habe gute Resultate gezeigt, weshalb das Bülacher Alterszentrum für die Demenzabteilung solches Geschirr anschaffte. Gothié ist positiv überrascht vom Effekt des Geschirrs und sagt, alle seien damit zufrieden.

Niklaus Huber, Teamleiter Küche im Alterszentrum im Geeren im zürcherischen Seuzach, äussert sich ähnlich: «Das Geschirr ist eine Erleichterung und erhöht die Lebensqualität der Bewohner beim Essen.» Das Alterszentrum im Geeren setzt seit drei Monaten auf Teller und Tassen der Serie.

Einige Pflegeeinrichtungen testen Acitve zurzeit. Oft sei es eine Frage des Budgets, wann sich ein Betrieb solches Geschirr leisten könne. Wobei Berchtold betont: «Preislich unterscheidet sich die Serie Active nicht stark von herkömmlichen Porzellanserien.» Der Geschäftsführer sieht den Verkauf des Spezialgeschirrs als Prozess mit dem Ziel, vielen Betroffenen möglichst lange die Selbstständigkeit beim Essen zu bewahren. «Unser Geschirr soll sie unterstützen.»

Einen weiteren Aspekt bei der Entwicklung des Geschirrs war für die Porzellanfabrik die Farbe. Dafür arbeitete sie mit einer Vereinigung für Sehbehinderte zusammen. Die Frage war, in welcher Farbe und in welchem Design das Geschirr sein muss, damit es Sehbehinderten hilft. Es habe sich gezeigt, dass ein dunkles Blau optimal sei, damit sich der Nutzer auf dem Tisch zurechtfinde, erklärt Berchtold. Es gibt das Geschirr zudem in vier weiteren Farben. Bei Demenzpatienten sei laut Spezialisten zum Beispiel Rot hilfreich.

Messe soll Verkauf ankurbeln

Die Entwicklung des Geschirrs für Menschen mit Beeinträchtigungen sei noch nicht abgeschlossen. «Wir werden dieses Thema weiter beobachten und Kunden mit einbeziehen», sagt er. Denn es gebe verschiedenste Zielgruppen. Auch Privatpersonen können im Fabrikladen der Porzellanfabrik Active-Geschirr kaufen. «Zum Beispiel wenn jemand die Schulter operiert hat und für eine Weile nur einhändig essen kann.»

Eine wichtige Standortbestimmung dürfte für die Porzi Ende November in Basel folgen: Dann findet die internationale Fachmesse Igeho für Hotellerie, Gastronomie und Ausser-Haus-Konsum statt. Es sei die wichtigste Messe dieser Art in der Schweiz. In Basel will die Porzi die Besucher von der noch jungen Serie überzeugen. Berchtold jedenfalls ist überzeugt: «Mit diesem Geschirr stossen wir in einen wachsenden Markt vor.»

Berner Zeitung

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