Pensionskasse kostet Spital Millionen

Langenthal

Die Langenthaler Spitalpensionskasse ist ein Sanierungsfall. Der Deckungsgrad beträgt bloss noch rund 84 Prozent. Der Primatwechsel und ein tieferer Zinssatz sollen die Kasse wieder ins Lot bringen.

Die Spital Region Oberaargau (SRO) AG schiesst 25 Millionen Franken ein.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Die Spital Region Oberaargau (SRO) AG schiesst 25 Millionen Franken ein.

(Bild: Thomas Peter)

Dominic Ramel

Es sind unerfreuliche Informationen, welche die Versicherten der Pensionskasse des Spitals Region Oberaargau (PK SRO) mit der aktuellen Lohnabrechnung mitgeteilt erhielten. Der ohnehin bereits tiefe Deckungsgrad ist im vergangenen Jahr weiter gesunken: von 86,05 auf noch 82,55 Prozent. Dies, weil angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten bloss eine Rendite von 1 Prozent herausschaute, wie es im Schreiben der Pensionskasse an die rund 1000 SRO-Angestellten heisst. Zwar hat sich der Deckungsgrad im laufenden Jahr leicht verbessert und lag per Ende Mai bei circa 84 Prozent. Doch um die Pensionskasse wieder ins Lot zu bringen, musste der Stiftungsrat jetzt einschneidende Massnahmen beschliessen: die Senkung des technischen Zinssatzes und den Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat.

Tieferer Zins –grösseres Loch

In der heutigen Wirtschaftslage könne die benötigte Sollrendite von 4,5 Prozent nicht mehr realisiert werden, schreibt Stiftungsratspräsident Markus Dübendorfer. Deshalb sei die Senkung des technischen Zinssatzes per 1.Januar 2013 von 3,5 auf 3 Prozent «unumgänglich».

Der technische Zinssatz ist die erwartete durchschnittliche Rendite auf dem Vermögen für die nächsten 20 Jahre. Mit dessen Senkung wird aber die Deckungslücke nochmals grösser, weil ein höheres Vorsorgekapital bereitgestellt werden muss.

Primatwechsel

Ebenfalls auf Anfang 2013 erfolgt der Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat. «Da seit einigen Jahren der sogenannte dritte Beitragszahler, das heisst die Renditen aus den Kapitalanlagen, unter den Erwartungen ausgefallen sind, kann das heutige Leistungsprimat in der jetzigen Form nicht mehr ausreichend finanziert werden», schreibt Dübendorfer. «Würden wir im Leistungsprimat verbleiben, müssten umgehend die ordentlichen Beiträge um mindestens 2 bis 3 Prozent erhöht werden.»

Beim Leistungsprimat – das ein Auslaufmodell ist – werden die Renten auf der Grundlage des Gehalts berechnet. Die Rente berechnet sich mit einem bestimmten Prozentsatz des letzten Lohns. In diesen Fällen liegt das Risiko bei der Vorsorgeeinrichtung.

Bei den Beitragsprimatkassen hingegen berechnet man die Renten aufgrund des über die Jahre angesparten Alterskapitals. Bei der Pensionierung wird das angehäufte Altersguthaben mit dem Umwandlungssatz in eine Rente umgerechnet. Hier tragen die Versicherten das Risiko.

Einbussen abfedern

Wegen der Senkung des technischen Zinssatzes und des Wegfalls der Solidaritätsbeiträge, welche im Leistungsprimat die jüngeren Versicherten für die älteren bezahlen, erleiden die aktiven Versicherten eine Einbusse bei den zu erwartenden Renten. Diese könne von den älteren Angestellten «kaum mehr aufgeholt werden», heisst es im Infoschreiben. Deshalb wird es eine Übergangsbestimmung geben, «welche die Einbussen mit einer zusätzlichen Einlage mildert». Dabei sollen das Alter, die Dienstjahre und der AHV-Lohn berücksichtigt werden. Kosten wird dies 5,273 Millionen Franken.

Bezahlen wird dies die SRO AG. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, wollen Verwaltungsrat und Spitaldirektion die Mitarbeitenden respektive die PK SRO mit «freiwilligen Zuschüssen» im Umfang von insgesamt 25 Millionen Franken unterstützen.

Dabei geht es einerseits um diese rund 5 Millionen Franken, mit denen der Verwaltungsrat im Zusammenhang mit dem Primatwechsel Härtefälle mit tieferen Einkommen abfedern respektive unterstützen will.

Zudem hat er beschlossen, in einem ersten Schritt rund 20 Millionen Franken für die Schliessung der Deckungslücke bereitzustellen. «Dank dieser Massnahme wird der Deckungsgrad voraussichtlich auf über 90 Prozent steigen», schreibt Dübendorfer. «In der Folge können die bisher erhobenen Sanierungsbeiträge ab 2013 ausgesetzt werden.» Die verbleibende Deckungslücke soll später mit Einlagen geschlossen werden, die sich nach dem jeweiligen Jahresergebnis der SRO richten.

Finanzierung über Bankkredit

Stellt sich die Frage, wie die SRO diese 25 Millionen Franken überhaupt finanziert. «Wir nehmen einen Bankkredit auf», sagt Spitaldirektor Andreas Kohli. Die Verhandlungen mit den Banken seien zwar noch nicht abgeschlossen. «Es sieht aber gut aus.» Die SRO sei im Zusammenhang mit den diversen Bauprojekten ohnehin in Verhandlungen mit den Banken, erklärt Kohli. Ziel sei es, alle Kredite innert 10 bis 15 Jahren zurückzuzahlen.

Den Weg über die Finanzspritze von rund 20 Millionen Franken habe man gewählt, um auf die Sanierungsbeiträge von Arbeitgeberin und -nehmern verzichten zu können, sagt Kohli. Denn diese machten die SRO als Arbeitgeber unattraktiv und seien deshalb auf dem Stellenmarkt ein Problem.

Berner Zeitung

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