Orientierung ohne böse Worte

Rüderswil

Der Gemeinderat Rüderswil will das Schulhaus Niederbach schliessen und die Liegenschaft verkaufen. Im Gegenzug ist geplant, das Schulhaus Than in Zollbrück mit einem Anbau zu erweitern.

Das Schulhaus Than in Zollbrück (Bild) soll erweitert werden: Dort, wo die Schülerzahlen in den nächsten Jahren steigen dürften, will der Gemeinderat neuen Schulraum schaffen. Dagegen soll das Schulhaus Niederbach als Folge sinkender Schülerzahlen geschlossen werden.

Das Schulhaus Than in Zollbrück (Bild) soll erweitert werden: Dort, wo die Schülerzahlen in den nächsten Jahren steigen dürften, will der Gemeinderat neuen Schulraum schaffen. Dagegen soll das Schulhaus Niederbach als Folge sinkender Schülerzahlen geschlossen werden.

(Bild: Thomas Peter)

Es war voraussehbar: Der Mehrzwecksaal im Schulhaus Rüderswil war bis auf den letzten Platz besetzt, denn der Gemeinderat informierte am Montagabend über die Schulstruktur. Aktuell gibt es in der Gemeinde drei Schulhäuser: Dorf Rüderswil, Than Zollbrück und Niederbach in Schwanden. «Wir suchen eine Lösung für die nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahre», stellte Gemeindepräsident Jürg Rothenbühler zu Beginn fest.

Nachdem der Rat bereits im letzten Jahr beschlossen hat, dass nur noch die Viert- bis Sechstklässler (aktuell 20 Schüler) in Niederbach unterrichtet werden (wir berichteten), geht er nun einen Schritt weiter. Er will das Schulhaus auf Sommer 2016 schliessen und die Liegenschaft verkaufen. Gerechnet wird mit einem Erlös von rund 600'000 Franken. Dieser Beschluss sorgte bei den Anwesenden kaum für Gesprächsstoff. Etliche Fragen hingegen warf der Plan des Gemeinderates auf, das Schulhaus Than für 1,65 Millionen Franken zu erweitern. Vorgesehen ist ein Anbau mit zwei Klassenzimmern und vier Gruppenräumen. Dabei sieht der Finanzplan 2015 bis 2019 eine Fremdfinanzierung der Summe vor. «Die Investition ist für die Gemeinde tragbar», betonte Rothenbühler.

Unbewachter Bahnübergang

Dass die Erweiterung des Schulhauses Than auch eine Umverteilung der Schüler zur Folge hat, liegt auf der Hand. Die Mädchen und Knaben können die erste bis sechste Klasse im gleichen Schulhaus besuchen. Ab der siebten Klasse ist ein Schulhauswechsel nicht ausgeschlossen. «Es kommt darauf an, wie viele Schüler in die Sekundarschule übertreten», so Rothenbühler. Dann könne es zu einem Ungleichgewicht in der Klassengrösse kommen. Die Folge davon: Realschüler müssen von Rüderswil nach Than in den Unterricht oder umgekehrt.

Sorge bereitete den Anwesenden der unbewachte Bahnübergang im Schachen, den die Kinder auf dem Schulweg von Rüderswil nach Zollbrück überqueren müssen. «Wir haben mit der BLS gesprochen – dort kommt in nächster Zeit eine Bahnschranke hin», sagte Jürg Rothenbühler. Thematisiert wurden von den Stimmberechtigten auch der Schülertransport und die daraus entstehenden Kosten. Klar sei, dass die Schüler wie bis anhin von der ersten bis zur sechsten Klasse zur Schule gefahren würden, betonte Gemeinderat Martin Sempach. Ab der Oberstufe müssen die Jugendlichen den Schulweg selber bewältigen.

Rege Bautätigkeit

Die Ratsmitglieder haben im Vorfeld auch die Variante geprüft, statt im Than am Standort Rüderswil weitere Schulräume zu schaffen. Diese müssten jedoch im Erdgeschoss des Gemeindehauses eingebaut werden. Die Folge davon: Die beiden Mietwohnungen würden zu Büroräumen für die Verwaltung umgenutzt, und somit entfielen die Mieteinnahmen. Ein weiterer Minuspunkt sei der Umschwung. «Wenn die Schülerzahl steigt, benötigen wir mehr Platz im Aussenbereich, und dieser fehlt», erklärte Rothenbühler. Weshalb sich die Ratsmitglieder und die Schulkommission für die Variante Than starkmachen, hat noch einen weiteren Grund: «Zollbrück hat ein grösseres Wachstumspotenzial als Rüderswil.» Aktuell sei geplant, auf der Matte bei der Mühle Aeschlimann, Mehrfamilienhäuser mit zwanzig Wohneinheiten zu erstellen. Ebenfalls die Wiese, gegenüber dem Fussballplatz, solle überbaut werden, wusste der Gemeindepräsident.

Straffer Zeitplan

Vorgesehen ist, dass die Rüderswiler am 8.März an der Urne über den Kredit von 1,65 Millionen Franken entscheiden werden. Im Vorfeld wird der Bevölkerung die Botschaft mit dem Beschrieb des Projektes per Post zugestellt. Ein Votant fragte, wieso man nicht zwischen den beiden Varianten Than und Rüderswil wählen könne? Rothenbühler betonte an dieser Stelle noch mal, dass der Einbau im Gemeindehaus nach Ansicht des Rates die schlechtere Version sei.

Sollte die Bevölkerung den Antrag des Gemeinderates genehmigen, wird unmittelbar nach der Abstimmung mit der Planung begonnen, damit im Schuljahr 2016/2017 der Anbau genutzt werden kann. Und wenn die Stimmberechtigten das Geschäft ablehnen? «Wenn der Bürger Nein sagt, ist es unsere Pflicht, einen neuen Vorschlag zu erarbeiten», sagt Gemeindepräsident Jürg Rothenbühler.

Berner Zeitung

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