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«Ohne Risiko kommt die Region nicht vom Fleck»

Das Stadionprojekt sei der erste Stein, weitere würden bald folgen: Tigers-Präsident und -Investor Peter Jakob ist überzeugt, etwas zum Guten verändern zu können.

Markus Zahno
«Wir müssen jetzt beweisen, dass die, die an uns glauben, recht haben»: Tigers-Verwaltungsratspräsident Peter Jakob.
«Wir müssen jetzt beweisen, dass die, die an uns glauben, recht haben»: Tigers-Verwaltungsratspräsident Peter Jakob.

Herr Jakob, haben Sie eine so klare Zustimmung erwartet? Peter Jakob: Ich hoffte auf mindestens 60 Prozent Ja-Stimmen. Dass es nun mehr als drei Viertel geworden sind – und das bei einer so hohen Stimmbeteiligung –, ist toll. Es ist auch ein starkes Signal gegen aussen: Die Region ist bereit, sich selber zu helfen. Man grännet nicht nur ins Gilettäschli und jammert, wie schlecht es einem doch gehe.

Wie haben Sie den Abstimmungskampf erlebt? Als sehr ruhig. Ich wusste im Vorfeld nicht so recht, ob die Leute das Projekt derart gut finden oder ob sie nichts sagen und dann still Nein stimmen.

Aber es gab ja durchaus Kritik. Mit Leuten wie Christoph Utiger, die ihre Kritik offen äusserten, habe ich absolut kein Problem. Mehr Mühe bereiten mir die anonymen Inserate und Zuschriften. Oft war in den letzten Wochen zu lesen, wie gross die Belastung für die Langnauer Steuerzahler sei. Aber ich finde, man muss auch die andere Seite beachten – die volkswirtschaftliche und emotionale Bedeutung des Eishockeys für diese Region.

Die Gemeinde investiert 15 Millionen in die Sportstätten. Wie viel zahlt die Jakob AG für den neuen Stadionanbau mit Eventsaal und Fitnesszentrum? Wir sind noch im Stadium eines Vorprojekts. Je nachdem, was alles ausgeführt wird, fallen die Kosten höher oder tiefer aus, 15 Millionen Franken werden es aber mindestens. Diese Investitionskosten werden wir mit den Mieteinnahmen nie decken können, das ist klar. Wir haben uns deshalb gut überlegt, ob wir dieses Engagement wagen sollen.

Und warum tun Sie es? Weil die Region, wenn niemand etwas wagt, nicht vom Fleck kommt. Die SCL Tigers haben im Moment schlicht zu wenig Einnahmen, um ihre Rechnung ausgeglichen abschliessen zu können. Wir wollen dieses Problem an der Wurzel packen und dem Klub mit dem Neubau die Möglichkeit geben, nicht nur am Hockeybetrieb Geld zu verdienen, sondern auch an anderen Events. Sehen Sie: Das obere Emmental war einst eine wohlhabende Region, war für seinen Käsehandel, seine Sägereien, seine Textil- und Lederfirmen weitherum bekannt. Und heute? Heute zählen wir finanziell zu den Schlusslichtern der ganzen Schweiz.

Kann ein einziger Stadionanbau das wirklich ändern? In Bilbao, Spanien, entstand vor gut zehn Jahren das neue Guggenheim-Museum. Vorher sah es dort traurig aus, das ganze Viertel war heruntergekommen. Aber als die Leute realisierten, dass sich etwas tut, begannen sie Häuser zu renovieren, die Hafenanlage wurde modernisiert, und heute halten sich im Viertel pro Jahr eine Million Gäste auf. Ich will unser Projekt nicht mit dem Guggenheim-Museum vergleichen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es etwas bewirken kann – zumal wir nebst den bereits vorgestellten Plänen auch sonst noch etwas im Köcher haben.

Darüber müssen Sie uns unbedingt mehr verraten. Das kann ich im Moment nicht. Aber das Ziel ist, dass dereinst auch Auswärtige sagen werden: «Die Langnauer, die haben etwas zustande gebracht.» Und dass die Leute hier realisieren: «Wir sind auch jemand. Wir haben auch etwas.»

Wie haben eigentlich Ihre Mitarbeiter reagiert, als Sie ihnen erklärten, wie viel die Jakob AG ins Stadionprojekt investiert? Sehr unterschiedlich. Einerseits finden sie das eine sehr gute Sache, andererseits hoffen sie natürlich, dass das Engagement nicht zum Nachteil der Firma geschieht. Aber letztlich vertrauen sie uns, dass wir die richtige Entscheidung treffen und dass es auch richtig ist, zugunsten des Stadionprojekts ein 7-Millionen-Bauprojekt zurückzustellen.

Sie gehen ein hohes Risiko ein. Die nötigen Investitionen haben wir von der Jakob AG in letzter Zeit immer getätigt, und das werden wir auch weiterhin tun. Das Stadionprojekt finanzieren wir zum einen Teil aus eigenen Mitteln, zum andern werden wir uns dafür verschulden, das stimmt. Aber als wir unser Produktionswerk in Vietnam eröffneten, war das ebenfalls ein hohes Risiko. Im Nachhinein war es einer der besten Entscheide, die wir je gefällt haben. Wenn so etwas gut kommt – dann hat man etwas verändert, etwas bewirkt.

Und wenn man scheitert? Dann können die Kritiker sagen, sie hätten es ja gewusst. Sie können sich jetzt so oder so zurücklehnen. Und an uns ist es, zu beweisen, dass die, die an uns glauben, recht haben. Die Arbeit geht jetzt also erst richtig los.

Sie haben bei den SCL Tigers für die vergangene Saison eine Defizitgarantie übernommen. Wie viel müssen Sie drauflegen? Anfänglich gingen wir von einem Defizit von rund einer Million aus. Dank des sportlichen Erfolgs müssen wir – der Verwaltungsrat und zwei, drei weitere Geldgeber – weniger stark bluten, damit die Rechnung ausgeglichen wird. Die nächste Saison wird wohl härter, denn der Erfolg hat die Mannschaft teurer gemacht. Dafür läuft der Aboverkauf sehr gut, und potenzielle Sponsoren nehmen uns nun ernster. Man kann also sagen: Die Euphorie wird die Sommerpause überdauern.

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