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Örgeler veröffentlicht erstes Album

Der Bützberger Werner Aeschbacher (64) spielt Örgeli – bekannte leichte, aber auch ungewohnt melancholische Melodien. Er begleitet etwa Bänz Friedli oder Pedro Lenz bei ihren Lesungen. Nun ist sein erstes Soloalbum erschienen.

Er spielt das Schwyzerörgeli einmal innovativ, ein andermal traditionell: Werner Aeschbacher aus Bützberg.
Er spielt das Schwyzerörgeli einmal innovativ, ein andermal traditionell: Werner Aeschbacher aus Bützberg.
Walter Pfäffli

Zugegeben – wenn man Werner Aeschbacher sieht, ihn und seine Musik nicht kennt, man würde ihn gern in eine Schublade stecken. Er spielt Schwyzerörgeli, Hudigääggeler eben. Ein erster Einwand aber kommt gleich von ihm selbst: «Hudigääggeler ist für uns Örgeler sowieso eine Beleidigung.» Ob man nun Volksmusik mache oder nicht; Hudigääggeler, das klinge so nach: Töne, die man in der Oper oder Kammermusik nicht brauchen könne, seien gerade gut genug für die Volksmusik.

«Angers Züüg»

Für den zweiten Einwand muss man Werner Aeschbacher und sein Örgeli erst einmal anhören. Mag der Bützberger seine Wurzeln in der Volksmusik haben, so sind die Klänge, die er seinem Instrument entlockt, bisweilen doch ganz anders. Wenn er spielt, zeigt sich: Das Schubladendenken greift nicht bei ihm. Was der 64-Jährige neben der Folklore komponiert, nennt er bescheiden, aber irgendwie treffend: «Angers Züüg.»

Sein erstes Soloalbum, das schlicht «aeschbacher x solo» heisst, ist voll von diesem «angere Züüg». Aeschbacher bewegt sich zwischen Polka und Bolero, zwischen Tango und Blues, zwischen Klassik und Folklore, erfindet Harmonien, für die das Örgeli eigentlich gar nicht gebaut wurde. Eigentlich. Aeschbacher spielt alte, lüpfig-leichte Weisen, aber auch moderne, melancholisch-ernste. Sein Örgeli kennt Zwischentöne. Er beweist, dass Örgelimusik nicht nur Heimat, sondern auch Ferne bedeuten kann, nicht nur Gemütlichkeit, sondern auch Sehnsucht.

Lang und breit

Seine Klänge passen denn auch zu Erzählungen eines Pedro Lenz. So unterschiedlich die beiden Oberaargauer sind, sie haben doch zusammengefunden, «als Duo ‹Längs und Breits›», sagt Aeschbacher. Wer der Breite sei, sei da nicht schwer zu erraten, sagt er lachend. «Ich verpacke das in Musik, was es braucht, aus dem Bauch heraus», erklärt der Pensionär. «Ich höre die Geschichte, eine Geschichte, die mich ergreift oder die lustig ist, und so spiele ich dazu. Das ist immer spannend, auch für mich.»

Aufgetreten ist Aeschbacher auch schon bei Lesungen mit Bänz Friedli, Franz Hohler, Paul Niederhauser, Rudolf Stalder, mit dem Geografen und Autor Valentin Binggeli oder dem Langenthaler Pfarrer und Lokalhistoriker Simon Kuert. «Ich will die Leute erreichen, auch mit ernster Musik», meint er.

«Zwischentöne»

Manchmal, gesteht Aeschbacher, «passt ein Geräusch besser zu einem Bild als die schönste Melodie». Gelernt habe er das in der Filmmusiksparte. Als Darsteller und Komponist wirkte Aeschbacher 1996 im Musikspielfilm «Zwischentöne» von Bernhard Nick. Für die Musik des Dokumentarfilms «jour de nuit» erhielt er 2000 zusammen mit dem Perkussionisten Martin Hägler den Anerkennungspreis der kantonal-bernischen Musikkommission.

Mit Martin Hägler liess er sich auf das Experiment Perkussion und Schwyzerörgeli ein. Die beiden tingelten zwei Jahre durch Kleinkunstlokale – und improvisierten. «Am Konzert spielten wir nie, was wir geübt hatten», erinnert sich Aeschbacher. 2002 erschien dann das Album «Aeschbacher x Hägler».

Der Örgelisammler

Vielleicht hat er da die Scheu vor anderen Stilrichtungen und deren Durchmischung verloren. Er hat keine Hemmungen, elektrische Gitarre und Bass mit seinem Örgeli zu begleiten, Beatles und Pink Floyd zu spielen, wie er es momentan, zwar nur privat, ausprobiert. «Das bringt mich auf meinem Instrument weiter.»

Aeschbacher ist verheiratet, Vater von zwei Kindern, gelernter Automechaniker, 34 Jahre lang war er Verkehrsexperte in Bützberg. «Das Örgeli ist für mich ein Werkzeug», sagt der Musiker. Von diesen Werkzeugen besitzt er viele zu Hause. Er sammelt sie, pflegt sie, richtet sie her.

Vier Örgeli haben es in die oberste Liga und auf die Solo-CD geschafft: die Wiener Orgel (Baujahr 1924), ein Schwyzerörgeli von Joseph Nussbaumer (1927) und eines von Ernst Salvisberg (1940) sowie ein Langnauerli (1894). «Jedes Örgeli hat eine andere Klangfarbe, um etwas musikalisch zu interpretieren.» In ein paar der 23 Stücke begleitet er sich selbst mit einem eigens angefertigten Resonanzstuhl und einer Fussperkussion, die er aus einem Hufeisen und einem Gepäckträger eines Velos gebastelt hat.

Tradition und Weitblick

Auch wenn Werner Aeschbacher wie kein anderer auf dem Schwyzerörgeli experimentiert, der Ursprung liegt klar im Volksmusikbereich. «In unserer Familie wurde viel musiziert. Grossvater, Vater, Brüder, sie alle waren in der Blasmusik vertreten», erzählt der Bauernsohn, der aus Eggiwil stammt. Schon als Kind habe er oft das Örgeli seines Grossonkels benutzt und sich alles autodidaktisch beigebracht. Noch heute spielt er traditionelle Örgelimusik – im Trio mit Hans Greub und Res Geiser.

Werner Aeschbacher hat nie die Volksmusik aus den Augen verloren. Doch mit seinem weiten Blick kann der Virtuose auf dem Schwyzerörgeli kaum in eine bestimmte Schublade gesteckt werden.

Nächster Anlass: «Bärndütschi Wienachtsgschichte». Erzähler: Paul Niederhauser; Musik: Werner Aeschbacher. Freitag, 18.Dezember 2009, 17 Uhr. Puppentheater, Gerechtigkeitsgasse 31, Bern.

Die CD: Werner Aeschbacher: aeschbacher x solo. Narrenschiff 2009.

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