Nach nur acht Monaten: Der Chef der Psychiatrie muss gehen

Langnau

Das Spital Emmental löst das Arbeitsverhältnis mit Psychiatriechefarzt Stefan Begré nach nur acht Monaten auf. Grund seien unüberbrückbare Dissonanzen.

Psychiatriechefarzt Stefan Begré und das Spital Emmental haben sich getrennt.<p class='credit'>(Bild: Archiv BZ/Thomas Peter)</p>

Psychiatriechefarzt Stefan Begré und das Spital Emmental haben sich getrennt.

(Bild: Archiv BZ/Thomas Peter)

Philippe Müller

Zum Knall kam es am Donnerstag: Die Leitung des Spitals Emmental um CEO Adrian Schmitter und Verwaltungsratspräsidentin Eva Jaisli hat dem neuen Psychiatriechefarzt Stefan Begré die Kündigung überreicht und ihn per sofort freigestellt. Dieser hatte seinen Posten erst auf Anfang Januar dieses Jahres angetreten.

Die Medienmitteilung ist überraschend deutlich formuliert. Ist in vergleichbaren Fällen fast immer von «gegenseitigem Einvernehmen» die Rede, so schreibt die Regionalspital Emmental AG im Fall von Begré von einer Trennung aufgrund von Uneinigkeiten. Darauf angesprochen, entgegnet Adrian Schmitter nur, Stefan Begré habe nicht Hand geboten für eine einvernehmliche Lösung.

Schmitter sagt, Begré habe es nicht verstanden, der Psychiatrie Emmental den Stempel aufzudrücken. «Wir und seine Mitarbeiter haben ihn nicht gespürt.» Er habe zwar Visionen gehabt, was mit der Psychiatrie im Emmental alles möglich sei, sei aber nie konkret geworden. Auch sei Begré aus Schmitters Sicht im Tagesgeschäft nicht wahrgenommen worden. Schmitter bezeichnet die Ernennung Begrés zum Psychiatriechefarzt aus heutiger Sicht als «falschen Personalentscheid».

Eine Übergangslösung

Laut Schmitter werde die Kündigung nach dem Obligationenrecht abgewickelt. Normalerweise bedeutet das, dass im ersten Arbeitsjahr eine Kündigungsfrist von drei Monaten gilt. Wie die Nachfolge geregelt wird, ist noch nicht entschieden. Klar ist erst, dass Thierry de Meuron bis auf weiteres die interimistische Leitung des psychiatrischen Dienstes des Spitals Emmental übernimmt. Er war bereits vor Begrés Amtsantritt zwischenzeitlich eingesprungen.

Die Trennungsmeldung kommt für externe Beobachter nicht überraschend. Stefan Begré hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nicht alle Entscheide der Spitalleitung mittrug. Er tat sich vor allem schwer damit, dass im Februar – kurz nach seinem Amtsantritt – der geplante Psychiatrieneubau am Spital Burgdorf der Projektkürzung zum Opfer fiel. Diesen Unmut verbarg Begré auch an einer Pressekonferenz Mitte Juni nicht, als am Spital Langnau das Psychiatrieprovisorium vorgestellt wurde.

Berner Zeitung

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