Nach harzigem Start läuft Velokurierdienst besser

Kirchberg

Was im März 2013 startete, ist auf Erfolgskurs: Der Hauslieferdienst von Kirchberg erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Doch ganz so gut wie erhofft, ist die Filiale der Stiftung Intact noch nicht unterwegs.

Im Einsatz für die Stiftung Intact: Der Zivildienstleistende Colin Hessliefert einem Kunden die nach Hause gefahrenen Einkäufe aus.

Im Einsatz für die Stiftung Intact: Der Zivildienstleistende Colin Hessliefert einem Kunden die nach Hause gefahrenen Einkäufe aus.

(Bild: Thomas Peter)

Sich die eingekaufte Ware gleich nach Hause bringen lassen: Das ist in Kirchberg dank dem Einsatz von Velokurieren möglich. Es sind Langzeitarbeitslose, die im Auftrag der Stiftung Intact für ihre Kunden in die Pedale treten. Sie liefern Milch, Spaghetti, Toilettenpapier und vieles mehr vor die Haustüren. Im Gegenzug nehmen sie Altglas oder Petflaschen mit.

Gestartet wurde der Betrieb im März 2013. Angespornt durch die Erfolge in Burgdorf und Langnau entschloss sich die Stiftung Intact, auch in der Region Kirchberg einen Hauslieferdienst einzurichten. Nach knapp 2 Jahren Betriebszeit fällt die Zwischenbilanz allerdings bescheidener aus als in den beiden anderen Betrieben. «Wir haben heute über 100 Kunden in unserer Kartei erfasst», sagt Jens Montandon, Betriebsleiter der Filiale Kirchberg.

Das sei erfreulich. Doch der Start sei harziger angelaufen als erwartet: «Unsere Prognosen bezüglich der Kunden waren zu hoch.» Kirchberg und die Gemeinden Ersigen, Rüdtligen-Alchenflüh, Aefligen und Lyssach seien nicht vergleichbar mit Langnau oder Burgdorf. «Hier sind die Strukturen mit den kleinen Dörfern ländlicher und das Gelände flacher», sagt der Chef der Velokuriere. Müsse man die Einkäufe einen Hang hinaufschleppen, setze man schneller auf das Angebot des Hauslieferdienstes.

Erster Schritt zu einer Stelle

Was eher zaghaft begann, gewinnt jetzt an Fahrt. Letztes Jahr konnten die Velokuriere bereits 1830 Aufträge ausführen, und die Anzahl der angeschlossenen Geschäfte verdoppelte sich. Heute machen 12 Läden mit. Für einen Vertrag zahlen sie jährlich rund 100 Franken, den Kunden kostet die Hauslieferung 3 Franken.

Was für die Kunden eine Erleichterung im Alltag ist, kann für Langzeitarbeitslose der erste Schritt hin zu einer Stelle im freien Arbeitsmarkt sein. Und dieses Heranführen an eine Festanstellung ist das erklärte Ziel der Stiftung Intact. Wer acht bis neun Stunden auf dem Velo durchhält, jeden Tag pünktlich zur Arbeit erscheint und den Kunden ein freundliches Lächeln schenkt, der ist fit für den Berufsalltag, so die Devise. Das hat auch der Kanton erkannt. Er finanziert einen Teil der Arbeitsplätze bei der Stiftung Intact mit. Um den Betrieb breit abzustützen und den Arbeitseinsatz vielseitiger zu gestalten, betreibt man in Kirchberg auch eine Werkstatt. Auftraggeber sind private Unternehmen oder Institutionen im sozialen Bereich. Die Fabrikation von Vogelhäusern gehörte in den letzten beiden Jahren ebenso dazu wie die Renovation von Kinosesseln für ein Restaurant oder die Vorfertigung von speziellen Veloschläuchen.

Jetzt mit Reinigungsdienst

Daneben haben die Verantwortlichen des Betriebes in Kirchberg einen Unterhalts- und Reinigungsdienst aufgebaut. So zählt der FC Kirchberg seither auf diesen Reinigungsdienst, und auch erste Gemeinden erteilten Aufträge. «Die Rückmeldungen zu den Arbeiten unserer Leute sind durchs Band positiv», sagt Montandon, und das sporne natürlich an. Als nächsten Schritt fasst die Stiftung nun eine mögliche geografische Ausdehnung dieses Dienstleistungsbereiches ins Auge.

Berner Zeitung

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