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Mormonen feiern Jubiläum in Burgdorf

Bekannt ist ihr Tempel in Zollikofen, doch ein ebenso charakteristisches Gebäude besitzen sie auch in Burgdorf. Hier wird ihre Gemeinde 100-jährig – Roger Bader, Lydia Lauener und Markus Gappmaier erklären, was die Mormonen sind.

Zeigen den Saal, in dem ihre Gemeinde zusammenkommt: Roger Bader, Lydia Lauener und Markus Gappmaier (v.l.).
Zeigen den Saal, in dem ihre Gemeinde zusammenkommt: Roger Bader, Lydia Lauener und Markus Gappmaier (v.l.).
Thomas Peter

Dass sie landläufig als Mormonen bekannt sind, stört die drei nicht sonderlich. Obwohl sich ihre Gemeinschaft offiziell «Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage» nennt und so einen zentralen Kern ihres Wesens zum Ausdruck bringt: Die palästinische Urkirche, jene «der Heiligen der ersten Tage», soll vor Jesu Wiederkunft neu errichtet werden, als Kirche «der Heiligen der Letzten Tage».

Aber eben, auch der landläufige Name erinnert an etwas, was für die drei sehr wichtig ist. Zu den Grundlagen ihres Glaubens gehört neben der Bibel nämlich das Buch Mormon, jene Schrift, in der der Kirchenstifter Joseph Smith um 1830 die Geschichte mehrerer israelischer Stämme aufgezeichnet hat. Diese sollen Palästina in grauer Vorzeit in Richtung Amerika verlassen und dort später eine Erscheinung des auferstandenen Christus erlebt haben. Das Buch beruft sich auf die auf Platten verewigten Botschaften wie jene des Propheten Mormon, die Joseph Smith nach einer Vision gesehen haben will.

Wie einst bei Moses

Markus Gappmaier, Roger Bader und Lydia Lauener gehören zum Leitungsteam der Mormonen-Gemeinde in Burgdorf. Als Bischof, als dessen Berater und als Verantwortliche für die Sache der Frauen – und gemeinsam starten die drei heute in eine besondere Zeit: Seit 100 Jahren ist ihre Gemeinschaft in der Emmestadt daheim, und mit diversen Anlässen soll dies nun ein ganzes Jahr gefeiert werden.

Wobei die drei mit Blick auf den Begriff Mormonen gleich noch ein Missverständnis aus der Welt schaffen wollen: Auch in ihrem Glauben und in ihren Gebeten gehe es einzig und allein um Gott, Jesus und den Heiligen Geist. Mormon sei ein Prophet und sein Buch eine wichtige Botschaft – plötzlich zieht Bischof Markus Gappmaier eine Parallele zu Moses und den 10 Geboten aus dem Alten Testament. Auch dort gehe es um Tafeln, deren Existenz nicht nachzuweisen sei, und auch dort sei nur wichtig, was das Erzählte eigentlich sagen wolle. «Die Christen schätzen die 10 Gebote als Heilige Schrift, die sie in ihrem Glauben stärkt.» Es sei wie beim Buch Mormon: Jeder könne im Gebet spüren, «dass es wahr ist».

Siebziger und Apostel

Bischof. Der Titel ist ein Fingerzeig mehr auf die urchristliche Zeit, die den Mormonen wichtig ist. Entgegen dem heutigen Verständnis vertraten Bischöfe damals nicht eine Kirchenhierarchie, sondern waren als einfache Leiter einer Gemeinde tätig und damit Pfarrer. Genauso halte es seine Gemeinschaft noch heute, erklärt Markus Gappmaier und weist auf weitere Ämter hin, die sich an diese Zeit anlehnen. Auf das Kollegium der Siebziger etwa, das am Sitz der Weltkirche in Amerika tagt und in der Aussendung der 72 Jünger im Neuen Testament gründet. Oder auf die ihm übergeordneten 12 Apostel, über denen nur noch die dreiköpfige sogenannte Präsidentschaft steht.

Dessen Kopf, der auf Lebzeiten gewählte Präsident, gilt als Nachfolger von Joseph Smith und gilt damit als Prophet. Bestimmt wird er von den 12 Aposteln – oder wie es Markus Gappmaier formuliert: «Die Apostel ergründen im Gebet, wer Prophet wird.» In ähnlicher Art würden die Ämter auf allen Stufen besetzt.

Adrett auf Mission

Zentral für das Glaubensleben ist, auch dies in Erinnerung an urchristliche Zeiten, der Tempel. Längst nicht jede Gemeinde verfügt über ein solches Gebäude, die Burgdorfer etwa reisen nach Zollikofen, wo der einzige und dafür umso bekanntere Mormonen-Tempel der Schweiz steht. Dort wird Hochzeit gefeiert, wobei sich die Eheleute über den Tod hinaus für alle Ewigkeit aneinandersiegeln.

Und dort wird in prachtvollen Becken getauft, wobei sich auch dieser Akt nicht auf das gegenwärtige Leben beschränkt. Er kann auch stellvertretend für die Vorfahren vollzogen werden und diesen so den Weg zum Glauben ebnen.

Augenfällig sind schliesslich die jungen Mormonen-Missionare, die sich, adrett gekleidet und mit schwarzem Namensschild versehen, in den Dienst ihrer Gemeinschaft stellen. Anzug, Hemd und Krawatte gehören generell dazu, «wir drücken so die Wertschätzung dem Glauben gegenüber aus», erklärt Markus Gappmaier.

Arbeit und kein Lohn

Mittelpunkt der Gemeinde vor Ort ist das Kirchgemeindehaus beim Bahnhof Burgdorf Steinhof, dessen Turm stark ans grosse Vorbild in Zollikofen erinnert. Rund 180 Mitglieder, die im Dreieck zwischen Utzenstorf, Langenthal und Langnau zu Hause sind, gehen hier regelmässig ein und aus. Seis für den sonntäglichen Gottesdienst, der mit dem Abendmahl beginnt, sich in Ansprachen fortsetzt und schliesslich in Lehr- und Diskussionsrunden mündet. Seis aber auch für Aktivitäten unter der Woche, bei denen ebenfalls die Lehre im Zentrum steht.

Auf diese Art werden die Kinder über verschiedene Stufen an den Glauben herangeführt, später setzt sich diese Auseinandersetzung in individueller Art fort, aber: «Als Beruf wird die Theologie bei uns nicht unterrichtet», hält Markus Gappmaier fest. Seine Gemeinschaft bekenne sich zum Laienpriestertum, entsprechend könne jeder ins Bischofsamt berufen werden.

Und entsprechend sei auch klar, dass es für die Arbeit in der Kirche keinen Lohn gebe. Jeder, der sich engagiere, gehe nebenher einem Beruf nach.

Männer, die dienen

Und die Frauen? Immerhin hat der Bezug auf das Urchristentum auch zur Folge, dass für die geistlichen Ämter nur Männer in Frage kommen. Lydia Lauener hat damit aber keine Mühe. Weil Männer und Frauen so verschieden seien: Erst ein Amt in der Kirche erlaube es den im Beruf eingespannten Männern, so zu dienen, wie dies die Frauen in der Familie täten. «Ein Amt bedeutet nicht Prestige, sondern Dienst.»

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