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Mörderisches am Fusse des Napf

Zum Auftakt der Burgdorfer Krimitage las Paul Wittwer aus seinem Kriminalroman «Giftnapf». Der schreibende Arzt aus Oberburg liefert mit seinem neusten Werk den Nachfolger des Bestsellers «Eiger, Mord und Jungfrau».

Die Dämmerung hat sich über Trub gesenkt und den Platz vor dem «Löwen» in ein diffuses Licht getaucht. Das Dorf scheint bereits zu schlummern. Nur die Fenster des Gasthofes sind noch hell erleuchtet. Ein warmes, einladendes Licht dringt nach draussen. So muss sich Trub auch Ben Sutter an seinem ersten Abend im Dorf präsentiert haben. Der Arzt aus Bern ist der Hauptdarsteller in «Gifnapf», dem neusten Krimi aus der Feder von Paul Wittwer. Ein geschenktes Buch Der 49jährige Autor sitzt im «Löwen» und scheint sich in Trub pudelwohl zu fühlen. Dabei stammt der Autor aus Oberburg und arbeitet dort in einer Praxisgemeischaft als Allgemeinmediziner.

«Trub ist jedoch mein Heimatort», sagt er und Lachfältchen umspielen seine Augen. «Wusste ichs doch gleich», lässt sich die Wirtsfrau Hulda Zaugg venehmen. Der Name Wittwer sei im Trub weit verbreitet. Hulda Zaugg hat noch nichts von Wittwers eben erschienenen Roman gehört. Obwohl die Handlung hauptsächlich im Trub spielt. Deshalb schenkt ihr der Autor kurzerhand ein Buch. «Das passt, wir haben nämlich nächste Woche Ferien, da habe ich viel Zeit zum Lesen», dankt sie lachend.

Eröffnung der Krimitage

«Giftnapf» ist Wittwers zweiter Krimi. Sein erstes Buch «Eiger, Mord und Jungfrau» erschien 2004 und katapultierte ihn umgehend auf die Liste der Bestsellerautoren. Nach dem positiven Echo auf seinen Erstling spürte der Autor den Druck von aussen – und auch von sich selbst, den Erfolg zu wiederhohlen. «Ich fragte mich, ob die Leser wohl auf eine Fortsetzung von ‹Eiger, Mord und Jungfrau› hofften», erzählt er. Irgendwann habe er sich dann aber gesagt «überlege dir was du willst und nicht was die anderen von dir erwarten». Und Wittwer tat gut daran. Nach dreijähriger Schreibphase, konnte er an der gestrigen Buchvernissage im Alpina-Keller in Burgdorf einen spannenden und stimmungsvollen Krimi präsentieren. Gleichzeitig eröffnete er mit seiner Lesung die Burgdorfer Krimitage. Medizin als Thema Zurück im Trub. In der warmen Gaststube im «Löwen» sitzen noch ein paar Leute am Stammtisch und reden. Werden sie schon bald über Paul Wittwers Buch diskutieren? Der eine oder andere würde die Gegend, gewisse Umstände und vielleicht sogar sich selbst darin erkennen. Nicht etwa, weil Wittwer für seine Romanfiguren lebende Menschen als Vorbilder genommen hätte. Trotzdem müsse man dazu stehen, dass Dinge aus dem eigenen Leben einfliessen, sagt der Autor. Bereits in seinem ersten Werk schrieb der Arzt über sein Fachgebiet, die Medizin. Hinter den medizinischen Informationen könne er voll und ganz stehen. «Es ist natürlich auch Bequemlichkeit. Ich schreibe über das, was ich kenne», schmunzelt er. Den «Napfgroove» fühlen Andere Dinge seien vielleicht nicht ganz korrekt, aber: «Als Autor muss man mit einer gewissen Unschärfe leben können, was zeitliche Abläufe und Örtlichkeiten anbelangt.» Recherche hat er vorallem über die Gegend und deren Bewohner betrieben. «Ich wollte die Stimmung einfangen», blickt Wittwer zurück. Gerade in der Mitte des Schreibprozesses sei er viel im Trub gewesen, ging joggen oder spazieren. «Bei Eiger, Mord und Jungfrau haben mir viele meiner Bekannten aus der Medizin gesagt: ‹In deinem Buch, da ist richtig der Inselgroove drin›», sie wiedererkannten die beschriebenen Situationen. Er hoffe, dass die Leser in seinem neuen Krimi auch den «Napfgroove» entdecken würden.

Ein friedliches Dorf

Auf jeden Fall ist «Giftnapf» ein Buch voller Stimmungen geworden. Ob die aufziehenden Gewitter, die Ben Sutter immer wieder an der Eroberung des Napf hindern oder die manchmal etwas verschrobenen Gestalten, welche abgelegen in einem «Chrache» wohnen. Genauso zufällig wie sich der Protagonist Ben Sutter in einem Netz aus Lügen, Macht, Geld und Mord verstrickt, findet sich der Leser plötzlich im Banne des Napfes wieder. Wittwer führt uns in ein friedliches Trub, welches sich schleichend zum Schauplatz von Verbrechen wandelt. Vor dem «Löwen» ist es jetzt völlig dunkel. Irgendwo bellt ein Hund in die Nacht. Ein beschauliches Dorf. Oder doch nicht?

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