Mit Rehblut wird der Ernstfall geprobt

Alchenstorf

Ausgerüstet mit Haar und Blut von Rehen, durchstreifen Ueli Probst und René Herzog den Wald in Alchenstorf. Sie legen Fährten für die Schweisshundeprüfung, an der 26 Hunde mit ihren Führern teilnehmen werden.

Ein eingespieltes Team: Fährtenleger Ueli Probst läuft voraus. Leistungsrichter René Herzog marschiert hinterher und markiert die Fährte mit Rehblut.

Ein eingespieltes Team: Fährtenleger Ueli Probst läuft voraus. Leistungsrichter René Herzog marschiert hinterher und markiert die Fährte mit Rehblut.

(Bild: Daniel Fuchs)

«Noch zwei Meter, danach kommt der erste Winkel», sagt Ueli Probst. Er kennt das Gebiet, ein Wald oberhalb von Alchenstorf, wie seine Westentasche. Hier geht er seit vielen Jahren im Herbst auf die Jagd. Auch am Samstag führt ihn sein Hobby her, jedoch nicht zum Jagen, sondern um Schweissfährten, also Blutspuren, zu legen. Denn am nächsten Tag führen der Jagd- und Wildschutzverein Region Burgdorf und die Sektion Fraubrunnen die Mittelländische Schweisshundeprüfung des Berner Jägerverbandes durch.

26 Hunde sind angemeldet, für jeden wird eine eigene Fährte gelegt. Der Abstand zwischen den einzelnen Spuren muss mindestens hundert Meter betragen. Aus diesem Grund sind die Fährten in Wäldern rund um Alchenstorf, Fraubrunnen und Utzenstorf verteilt. «Hunde, die die Prüfungen bestehen, können eingesetzt werden, wenn ein Reh, ein Fuchs oder eine Wildsau angefahren oder während der Jagdzeit verletzt wird und wegläuft», so Probst.

Zwei Richter im Einsatz

Probst war bereits vor vier Wochen im gleichen Waldstück unterwegs und mass die Fährten aus. Er ist verantwortlich für drei 500 Meter lange und eine 1000 Meter lange Strecke. «Zuerst muss sich ein Hund bei der kurzen bewähren, bevor er die Prüfung auf der längeren Fährte ablegen kann.»

Der Fährtenleger ist nicht allein im Wald unterwegs. Probst wird begleitet von René Herzog. Während Probst die Strecke vorgibt, läuft Herzog hinterher und spritzt Rehblut oder, wie es im Fachjargon heisst, Rehschweiss auf den Boden. Für die 500 Meter lange Spur benötigt Herzog 2,5 Deziliter. Diese Menge hat er zuvor in eine kleine Plastikflasche abgefüllt. «Die kürzere Fährte muss mindestens 12 Stunden, die längere sogar 18 Stunden vor der Prüfung präpariert werden», erklärt Herzog.

Er wird am Prüfungstag als Leistungsrichter amten und dabei die Prüflinge auf den von ihm gespritzten Fährten zusammen mit einem zweiten Richter begleiten. «Die Durchfallquote bei den Schweisshundeprüfungen liegt bei 50 Prozent», weiss Herzog.

Zügig laufen die beiden Männer durch den Wald. Probst orientiert sich an einer umgefallenen Eiche, an einer krumm gewachsenen Tanne und anderen auffallenden Gegebenheiten. Obwohl er den Wald aus dem Effeff kennt, hat er in unregelmässigen Abständen an Bäumen gut sichtbare Kunststoffplättchen angebracht. Diese nimmt er beim Vorbeilaufen jeweils ab. «Sonst kann sich der Hundeführer daran orientieren und den Hund leiten», kommentiert Probst. Was der Hundeführer jedoch nicht sehen kann: An der Hinterseite der Bäume hat Probst ebenfalls Plättchen befestigt. Und diese lässt er zur Sicherheit hängen.

Ihre Aufgabe führt die Männer durch stacheliges Gewächs und dichtes Unterholz. Vor einer Tanne tritt René Herzog mit dem Fuss eine kleine Ausbuchtung in den trockenen Waldboden. «Ich mache ein Wundbett.» Er legt Rehhaare hinein und bespritzt sie mit ein paar Tropfen Blut. Herzog simuliert damit eine Stelle, wo sich ein verletztes Tier ausgeruht hat, bevor es weitergelaufen ist.

Als Nächstes überqueren die Männer einen Weg, hier spart Herzog nicht mit Rehschweiss. «Auf Waldwegen hat es oft Spaziergänger oder Biker, und das erschwert dem Hund, die Fährte richtig zu verfolgen.» Am Wegrand liegen kleine Plastikstücke am Boden. Es sind Markierungen, die Ueli Probst vor einem Monat an einem Baum angebracht hat. «Es passiert oft, dass Leute die Kennzeichnungen abreissen», sagt Probst, der seit über dreissig Jahren Fährten für Schweisshundeprüfungen legt.

Am Ziel liegt ein totes Reh

Jetzt trennt die beiden Männer nur noch eine kleine Waldlichtung vom Ziel. Dort, auf sattem Grün, ist das Blut besser sichtbar als auf dem braunen Waldboden. Und: «Der Geruch bleibt auf dem Gras besser haften», erklärt Herzog, während er die Lichtung durchquert. Nur einen Steinwurf entfernt warten bereits zwei Helfer.

Sie werden die beiden Männer mit dem Auto zur nächsten Fährte fahren. Doch zuvor muss René Herzog erneut ein Wundbett präparieren, diesmal jedoch am Ende der Fährte. Und wie im Ernstfall wird hier am Prüfungstag ein totes Reh liegen. Dieses legen Helfer am frühen Sonntagmorgen hin.

Berner Zeitung

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