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Machen Antennen Bienen wirr?

Der Grosshöchstetter Imker Peter Loepfe glaubt einen Grund für das Bienensterben gefunden zu haben: Mobilfunkantennen sollen den Insekten die Orientierung rauben. Im Zentrum für Bienenforschung ist man skeptisch.

Elektrosmog soll bei Menschen Schlafstörungen, Kopfschmerzen und sogar Krebs auslösen, sagen Mobilfunk-Gegner. Was beim Menschen Folgen hat, beeinflusst auch die Natur, sagte sich der Grosshöchstetter Imker Peter Loepfe. Gemeinsam mit drei Imkerkollegen machte er sich daran, dem rätselhaften Bienensterben, das letzten Winter rund 30 Prozent der Bienenvölker dahingerafft hatte, auf die Spur zu kommen. Dazu starteten die vier Imker vor Jahresfrist einen Feldversuch.

Wie die Pendlerzeitung «20 Minuten» gestern berichtete, stellten die Imker dafür in Grosshöchstetten nahe einer Mobilfunkantenne Kästen mit zwölf Bienenvölkern aus verschiedenen Zuchten auf. Die Bienen sollen kerngesund gewesen sein.

Bienen künstlich ernährt

Dies änderte sich jedoch im Verlauf des Versuchs: Statt sich normal zu entwickeln und im Frühsommer einen Bestand von insgesamt über 350000 Bienen aufzuweisen, wurden die zwölf Versuchsstöcke dezimiert. Über die Hälfte der zum Zweck der Nahrungssuche ausschwärmenden Sammelbienen seien nicht zurückgekehrt, sagt Loepfe. «Die Bienen verflogen sich und starben.» Damit fehlte den in den Stöcken zurückgebliebenen Bienen die Nahrung – die Imker mussten die Völker künstlich ernähren. «Honig», so Loepfe, «produzierten unsere Versuchsbienen keinen.»

Ein Jahr nach Versuchsbeginn ist für Loepfe deshalb klar:?«Elektrosmog raubt den Bienen den Orientierungssinn und ist deshalb mit verantwortlich für das Bienensterben.» Dies würden ausländische Studien, etwa jene der Universität Koblenz-Landau, belegen.

Tatsächlich erforschen Physiker dort seit längerem den Einfluss hochfrequenter Strahlung auf Bienen. Die Ergebnisse allerdings sind nicht eindeutig: Zwar fänden bestrahlte Bienen den Heimweg in den Stock schlechter als unbestrahlte, jedoch fehle den Untersuchungen die Signifikanz, wie die Forscher selber einräumten.

«Es fehlen die Beweise»

Für Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack ist der Beweis, dass Mobilfunk Bienen tötet, nicht erbracht:?«Keine erstzunehmende Studie stellte einen Zusammenhang des Bienensterbens mit Mobilfunk oder anderen elektromagnetischen Feldern fest.» Zudem werde das Phänomen an beliebigen Orten in der ganzen Welt beobachtet. «Diese unterscheiden sich mit Sicherheit durch völlig unterschiedliche Immissionen.»

Zweifel an der Elektrosmog-Theorie Loepfes hegt auch Peter Gallmann: «Aus diesem Versuch kann man nicht schliessen, dass Elektrosmog fürs Bienensterben verantwortlich ist», sagt der Leiter des nationalen Zentrums für Bienenforschung in Bern-Liebefeld. Im Versuch hätte auch das Verhalten unbestrahlter Bienenvölker beobachtet werden müssen. Zudem sterben Bienen oft auswärts. Laut Gallmann ein Hygienemechanismus: Sterbende Bienen verlassen den Stock, um ihren Artgenossen nicht zur Last zu fallen oder diese gar anzustecken. Gallmann räumt ein, dass Krankheiten ein Problem und die Bienen heute weniger robust seien (siehe Kasten). Allerdings sei daran nicht in erster Linie der Elektrosmog schuld. «Viele unserer Forschungsbienen leben unter einer Mobilfunkantenne – und gedeihen prächtig.»

Auch Imker Peter Loepfe telefoniert mobil. Nur in Notfällen, wie der 67-Jährige betont – wenn er zu seinen Bienen fährt, hat er das Handy dabei.

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