Meine Oase

Kraft schöpfen im Finstergraben

Meine OaseZuhinterst in Aeschau im Oberemmental leben Romi und Beat Schär. Weit ab von anderen, nahe beim Wald, haben sich die beiden einen friedvollen Platz geschaffen.

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Ein Schotterweg führt in den Finstergraben, zum Haus von Romi und Beat Schär. Die beiden leben seit zwanzig Jahren in Aeschau, an der Grenze zu Eggiwil. Natelempfang gibt es keinen.

Das Ehepaar weiss nicht, ob nächstes Jahr der Pöstler die Post noch vor der Haustüre abliefern wird. So zu leben, weg vom Dorfkern, umgeben von Wald und ohne direkte Nachbarn, war Beat Schärs Lebenstraum. Seine Frau Romi kam aus Liebe mit.

«Unter der Bedingung, dass ich die Umgebung ums Haus gestalten kann», sagt die 72-Jährige. Was sie mit Leidenschaft und Können auch tat. In vielen Arbeitsstunden und über mehrere Jahre verwandelte die ausgebildete Gärtnerin das mit Placken und Brennnesseln überwucherte Brachland in einen verträumten Ort.

«Wild, aber harmonisch soll es hier sein.» Sie säte Königskerzen, Kaiserkronen, Margeriten. Setzte Stechpalmen, Ginster, Oleander, Himbeeren, Rosen. «Dazwischen wächst, was als Samen vom Wind hergetrieben wird.» Ahorn, Rottannen, Gräser. «Die Natur entscheidet, was gedeiht und was nicht.»

Dass die Bedingungen im Finstergraben für einen Gemüsegarten zu rau sind, das wusste Romi Schär, als sie herzog. Anfangs setzte sie Kartoffeln, «ernten konnte ich mit mässigem Erfolg». Heute zieht sie noch Salat. In einem Hochbeet, das ihr Mann, ein leidenschaftlicher und geübter Handwerker, aus einem Palett gezimmert hat.

Fuchs auf Besuch

Vereinzelt finden sich um das Haus Buchsbüsche. Von der ehemaligen Gärtnerin mit der Schere in Kugelform geschnitten. «Der Buchs verkürzt mir die lange Winterzeit», sagt Romi Schär. «Die Pflanze gehört zu jenen, die im Frühling früh grüne Blätter tragen.» Der Winter sei lang im Finstergraben. Seit sie nicht mehr berufstätig ist und auch nicht mehr Auto fährt, fühle sie sich manchmal einsam.

Romi Schär liess sich als junge, alleinstehende Mutter eines Mädchens und eines Buben zur Betreuerin ausbilden und arbeitete im Schulungs- und Arbeitszentrum (SAZ) in Burgdorf. An diese Zeit erinnert eine getöpferte Skulptur im Garten. «Ein Abschiedsgeschenk der Bewohner und Arbeitskollegen», sagt sie.

Auch Beat Schär, Vater einer Tochter aus einer früheren Beziehung, war im SAZ tätig. Hier lernten die beiden sich kennen. Der heute 67-Jährige machte das einstige Taunerhaus im Finstergraben bewohnbar. Und er half seiner Frau beim Anlegen eines Teiches für Kröten, Frösche, Lurche, sowie weiterer kleiner Wasserstellen, wo sich Hündin Lussy gerne abkühlt.

Wenn seine Frau im Garten wirkt, fertigt Beat Schär Skulpturen aus Stein, baut Murmelbahnen aus Draht, flickt dies und jenes. Er kümmert sich um die Nistkästen. Hat einen grossen Kasten für «Chutze» gefertigt, «der leider leer geblieben ist», so Beat Schär. Dabei heisst das Haus im Finstergraben gemäss alten Schriften «Im Chutze».

«Hie und da ertönt einer aus dem Wald, aber es werden jedes Jahr weniger.» Dafür hat das Ehepaar regelmässig Besuch vom Fuchs. Ein altes und schönes Tier zwar, zusammen mit dem Hühnervogel aber der Grund, warum das von Beat Schär gezimmerte Hühnerhaus seit längerem leer steht.

Blau ist Romi Schärs Lieblingsfarbe. Sie hat Fenster- und Türrahmen gestrichen, Gartenstühle und Kissenbezüge in Blau ausgewählt, Akelei und Lobelia gesetzt. Schärs mögen es fröhlich und verspielt, haben Holz-, Stein-, Metall- und Tonfiguren zwischen Pflanzen und in Blumentöpfe gestellt.

Windspiele hängen vom Dach und begleiten das Rauschen des Waldes. Dem lauschen die beiden, wenn sie sich eine Pause auf dem Sitzplatz beim Haus gönnen. Hier, wo sich auch Kater und Katze gerne sonnen. «Eigentlich hätten wir ja fünf Sitzplätze», sagt Beat Schär, «aber wir haben, obwohl wir pensioniert sind, immer etwas zu tun und gar keine Zeit, sie zu nutzen.»

Auch wenn das zurückgezo­gene Leben im Oberemmental manchmal aufs Gemüt schlägt, wegziehen wollen die beiden noch lange nicht. «Schon wegen unserer Kinder und Grosskinder nicht, die uns gerne besuchen», so Romi Schär. Und für sie ist Gartenarbeit weit mehr als nur Hobby.

Sie wuchs als Verdingkind auf, war oft traurig. «Ich klagte den Käfern meinen Kummer, die ­Blüemli waren meine Bäbi.» Davon erzählt sie in ihrem 2006 erschienenen Buch «Sunnsyte – Schattsyte – E Läbesgschicht». Romi Schär: «In der Natur fühle ich mich seit jeher sicher und geborgen. Und hier im Finstergraben haben Beat und ich unseren Kraftort geschaffen.»


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Erstellt: 12.07.2018, 09:06 Uhr

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