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Kino Rex muss dichtmachen

Keine Kinofilme mehr im Dorf: Die Impulsgruppe, welche die Rettung des Kinos Rex herbeiführen wollte, konnte die erforderlichen Gelder nicht auftreiben.

Bitteres Ende für das Kino Rex: In Herzogenbuchsee werden in Zukunft keine Filme mehr gezeigt. Ein Spendenaufruf zur Rettung des Dorfkinos fand zu wenig Unterstützung in der Bevölkerung.
Bitteres Ende für das Kino Rex: In Herzogenbuchsee werden in Zukunft keine Filme mehr gezeigt. Ein Spendenaufruf zur Rettung des Dorfkinos fand zu wenig Unterstützung in der Bevölkerung.
Colourbox/Montage BZ

Im Kino Rex in Herzogenbuchsee ist definitiv der letzte Filmstreifen über die Leinwand geflimmert. Auch der letzte verzweifelte Rettungsversuch einer zwölfköpfigen Impulsgruppe, die eine Spendenaktion ins Leben gerufen hatte, ist gescheitert. Die Verantwortlichen der Gruppe sprechen von einem «Kulturverlust für das Dorf». Mit der Schliessung des Filmtheaters findet in Herzogenbuchsee eine 85-jährige Kinogeschichte ihr Ende.

Mit einem Streit fing alles an

Bereits im Frühling hatte das Kino seine Türen geschlossen, weil Betreiber Walter Loosli aus finanziellen Gründen das Handtuch geworfen hatte. Loosli machte damals unter anderem seinen Vermieter Hans Gerspacher für sein Scheitern verantwortlich, dem die Kinoräumlichkeiten gehören. Die Miete sei viel zu hoch gewesen, klagte damals der unglückliche Pächter. Zwischen dem Besitzer und seinem Mieter kam es zum Streit.

Mit dem abrupten Abgang Looslis Anfang Juni stand das Kino Rex vor dem endgültigen Aus. Es waren dann zwölf filmbegeisterte Personen aus Herzogenbuchsee – unter anderem Besitzer Hans Gerspacher –, die sich zu einer Impulsgruppe zusammenschlossen und sich die Rettung des Filmtheaters auf die Fahne schrieben. Sie planten, das Kino auf Vordermann zu trimmen und eine neue 3-D-Projektionsanlage sowie eine vergrösserte Bühne einzubauen. Sämtliche Investitionen hätten sich auf rund 200000 Franken belaufen.

Darauf rief die Rettungstruppe eine gross angelegte Spendenaktion ins Leben. Sowohl Private als auch Gewerbebetriebe hätten für das Kino Geld lockermachen sollen. Die Impulsgruppe rechnete auch mit zinslosen Darlehen und Erlösen aus der Versteigerung von Kunstobjekten. Und sogar bei der Gemeinde und dem Lotteriefonds wurde angeklopft und um Unterstützung gebeten. Doch alle Bemühungen scheiterten. Bis zum 15.August, der als Deadline der Spendenaktion festgelegt wurde, kamen nicht genügend Spenden zusammen. Knapp 100000 Franken seien gesammelt worden, wie die Verantwortlichen in einer Mitteilung schreiben. Zu wenig, um die Zukunft des Dorfkinos zu sichern.

«Wir sind enttäuscht»

Nachdem auch der letzte Funken Hoffnung erloschen ist, macht sich bei den Verantwortlichen Ernüchterung breit. «Es enttäuscht uns, dass sich nicht mehr spendenfreudige Personen finden liessen», lässt Hans Kaspar Schiesser von der Impulsgruppe durchblicken. Zwar habe man viele kleinere Spenden erhalten, und auch eine gewisse Kinobegeisterung sei spürbar gewesen, für einen zukünftigen Betrieb des Lichtspielhauses sei die Euphorie in der Bevölkerung jedoch zu wenig gross gewesen. «Die fehlende Begeisterung liess uns zu der Überzeugung kommen, dass Kinofilme in Herzogenbuchsee wohl keine Zukunft haben.» Man habe zudem merken müssen, dass insbesondere die Unterstützung der Jungen fehle, die den Grossteil des Kinopublikums stellen. «Die schauen sich die Filme lieber auswärts in den riesigen Kinokomplexen an», weiss Schiesser. Ins Dorfkino zu gehen, sei offenbar «nicht cool».

Seit 85 Jahren wurden im Kino Rex Filme gezeigt. Diese Ära ist nun zu Ende; ein wichtiges Kulturgut geht verloren. Für Herzogenbuchsee sei die Kinoschliessung ein grosser Verlust, ist Filmfreund Schiesser überzeugt. «Es ist schade, dass kleine Kinos in der Schweiz keinen Platz mehr haben.» Die Kinolandschaft werde immer mehr ausgedünnt.

Was mit den Räumlichkeiten an der Lagerstrasse passiert, ist unklar. Ein Kino wird sich aber bestimmt nicht mehr ansiedeln.

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