Keine Luchse mehr in der Wildstation

Utzenstorf

In der Wildstation Landshut bei Utzenstorf werden keine verwaisten Jungluchse mehr aufgezogen. Die Anlage ist zu klein und müsste für viel Geld umgebaut werden.

Erst freigelassen, dann wieder eingefangen: Luchsin Luna.

Erst freigelassen, dann wieder eingefangen: Luchsin Luna.

(Bild: Kora)

Nadja Noldin

Im Herbst kommt es immer wieder vor, dass junge Luchse aufgefunden werden. Wenn die Mutter nicht mehr am Leben ist, sind Menschen die einzige Überlebenschance für die Jungtiere. Sie müssen die Raubkatzen aufpäppeln, durch den Winter bringen und später wieder in die Freiheit entlassen. Bislang war die Wildstation Landshut in Utzenstorf ein Ort, wo verwaiste Luchse eine Zuflucht fanden. Jedenfalls war das bis letzten Sommer so, bevor Luchsin Luna in den Medien für Wirbel sorgte. Sie hatte zu grossen Appetit auf Schafe, die Wildstation geriet in die Kritik.

Anlage entspricht nicht heutigen Anforderungen

Im Moment sind in Utzenstorf keine Luchse untergebracht. Das wird auch so bleiben. Die Anlage entspricht den heutigen Anforderungen nicht mehr. Sie ist schlicht zu klein. Nach den ersten Gesprächen, die zwischen Vertretern des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und der Wildstation stattfanden, steht fest, dass keine Luchse mehr zur Aufzucht in die Wildstation Landshut kommen – der einzigen notabene in der ganzen Schweiz, die die wilden Tiere professionell betreuen kann.

Was aber, wenn diesen Herbst noch Jungluchse aufgegriffen werden? Muss die Wildstation Landshut die Türe zuknallen? «Nein», antwortet der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig.

Einer vorübergehenden Aufnahme von Luchsen stehe aus seiner Sicht nichts entgegen. Allerdings nur für wenige Tage und nur dann, wenn die Schafweide, die vor den Gehegen steht, verlegt wird. Möglich wäre also eine kurze Haltung, eine Art Quarantäne für ausgewachsene Tiere vor einer Umsiedlung oder zur Krankheitsabklärung. «Für einen längeren Aufenthalt eignen sich die kleinen Gehege aber nicht mehr», hält der Jagdinspektor fest. Jungluchse, die für mehrere Monate interniert werden müssen, müssten an einen anderen Ort umquartiert werden.

Ob der Bund zahlt, ist offen

Erika Siegenthaler, Geschäftsführerin der Wildstation, wäre bereit, weiterhin Luchse aufzunehmen. Aber nicht mehr so viele wie im letzten Jahr, betont sie. Damals befanden sich fünf Luchse in Landshut, drei junge und zwei ausgewachsene Tiere. «Das geht nicht. Wir haben eigentlich nur Platz für zwei Tiere.»

«Wenn in Landshut weiterhin verwaiste Jungluchse aufgezogen werden sollen, braucht es bauliche Veränderungen», sagt Jagdinspektor Schnidrig. Zahlen will er keine nennen. Die Kosten dürften aber auf einen sechsstelligen Betrag ansteigen. Damit rechnet jedenfalls Erika Siegenthaler. Einen Ausbau würde die Geschäftsführerin freilich begrüssen. Doch der Wildstation fehlen die Mittel: «Wir haben das Geld nicht. Dieses aufzubringen, wäre Sache des Bafu», findet sie.

Überlegungen betreffs Ausbau gewisser Gehege laufen laut Schnidrig, ob sich das Bafu bei einem solchen Unterfangen beteiligen könne, sei offen. «Aber wenn eine solche Station eine wichtige Rolle beim behördlichen Wildtiermanagement spielt, würde das Bafu sicher helfen, die Finanzierung über Dritte, zum Beispiel andere Stiftungen, zu organisieren.» Ein kleiner Trost für Siegenthaler. Sie bedauert, dass die negativen Schlagzeilen um Luchsin Luna Einbussen bei den Spenden gebracht haben. Denn auf Spenden sei die Stiftung Wildstation Landshut dringend angewiesen, zumal die Station auch andere Wildtiere versorge.

Luchse künftig in Tierparks

Bleibt die Frage, wohin mit den Luchsen, wenn nicht in die Wildstation? Laut Jagdinspektor Schnidrig arbeitet das Bafu zurzeit an einem Netz von Tierparks, die abgetrennte Teile von Gehegen zur Verfügung stellen. Darin könnten Luchse, die für Umsiedlungsprojekte im Ausland bestimmt sind, kurzzeitig beherbergt oder verwaiste Jungluchse aufgezogen werden. Die Tierparks befänden sich nicht im Kanton Bern, teilt Schnidrig mit. Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Berner Zeitung

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