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Käme viel billiger: Burgdorf und Biel sollen sich die Fachhochschule teilen

Man schaffe je einen Teilcampus in Biel und Burgdorf, nutze dabei Bestehendes und lasse nur einen kleinen Teil der Fachhochschule in Bern – so lautet der Vorschlag aus der Stadt Burgdorf. Diese Idee hat gegenüber den Plänen der Kantonsregierung, die die technischen Disziplinen in Biel konzentrieren will, ein Sparpotenzial von mehreren Hundert Millionen Franken.

Erläuterten gestern ihr Konzept: Die Berater Andreas Marti und Dieter Tschan, Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch, HIV-Präsident Roland Loosli und Grossrat Samuel Leuenberger (von links).
Erläuterten gestern ihr Konzept: Die Berater Andreas Marti und Dieter Tschan, Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch, HIV-Präsident Roland Loosli und Grossrat Samuel Leuenberger (von links).
Thomas Peter

Gut 300 Millionen Franken würde es kosten, in Biel einen Technikcampus zu bauen. Mit weiteren 250 Millionen wäre zu rechnen, wenn in einer zweiten Etappe die restlichen Fachhochschulstandorte in Bern zusammengefasst würden. Dieses Vorgehen schlug der Regierungsrat für die Konzentration der Berner Fachhochschule (BFH) bereits im Januar vor, und unlängst hat er seinen Beschluss in einem Detailbericht bekräftigt.

Allerdings liess auch die Stadt Burgdorf eine Expertise erarbeiten. Am Montag ist das vom Solothurner Büro MKR Partner erstellte Papier den Medien vorgestellt worden. Diese Analyse kommt zum Schluss: Die Variante des Regierungsrats schiesse am Ziel, die bisher 26 Standorte merklich zu reduzieren, vorbei. Lieber setze die Regierung auf einen teuren Campus in Biel und lasse die Schule in Bern auf unbestimmte Zeit über einen grossen Perimeter verstreut. Konkret sei die Rede davon, vorderhand nur sechs Standorte aufzugeben; einer komme hinzu, somit verblieben immer noch deren 21. Statt ein teures, aber wenig effizientes Prestigeobjekt in Biel anzustreben, müssten die Anstrengungen doch darauf abzielen, aus den wenigen vorhandenen Mitteln das beste für die BFH herauszuholen, schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme an den Regierungsrat.

Nur noch die Kunst in Bern

Die Lösung, die Burgdorf vorschlägt, sieht so aus: Man richte als Alternative zum Campus Biel je einen Teilcampus in Biel und Burgdorf ein, mit der Vorgabe, nur so viel Neues zu bauen wie nötig und so viel Bestehendes weiterzunutzen wie möglich. Auf den beiden Fachhochschulgeländen angesiedelt würden die BFH-Departemente TI (Technik und Informatik), AHB (Architektur, Holz und Bau), WGS (Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit) sowie die Schulleitung und Administration. Die Hochschule der Künste verbliebe an ihren Standorten in Biel und Bern.

Für dieses Vorgehen rechnet das Büro MKR mit Kosten von maximal 240 Millionen Franken. Daraus ergibt sich, gegenüber den insgesamt 550 Millionen der Regierung, ein Sparpotenzial von mehr als 300 Millionen Franken. «Welche Departemente beziehungsweise Abteilungen genau in welchen Teilcampus verlagert würden, müsste noch im Detail abgeklärt werden», sagte Andreas Marti von der Beraterfirma gestern.

Als Argument für den Campus Biel führt der Regierungsrat unter anderem ins Feld, dass ein zentrales Schulgelände den wissenschaftlichen Synergien, der interdisziplinären Arbeit und der Innovation dienlich sei. Von diesen Faktoren hänge letztlich die Konkurrenzfähigkeit der nur mittelgrossen BFH im nationalen Angebot ab. Dem halten die Verfasser der Burgdorfer Expertise entgegen, dass es – mit Ausnahme der Fachhochschule Zentralschweiz – keine andere Schweizer Fachhochschule gebe, die den Bereich Technik und Architektur nicht mindestens auf zwei, in der Regel aber auf drei Standorte verteile, und das auch in Zukunft. Hinzu komme, sagte Marti, dass Interdisziplinarität nicht in der gemeinsamen Mensa, sondern in Form von Projekten mit der Wirtschaft und in Zusammenarbeit mit anderen Bildungs- und Forschungsstätten gelebt werde, auch über die Landesgrenzen hinaus. Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Departement nun an einem oder zwei Standorten angesiedelt sei.

Das Geld anders einsetzen

Die Attraktivität einer Schule definiere sich in erster Linie über die Dozierenden und ihre Projekte, hielt Marti fest. Mit je einem Teilcampus in Burgdorf und Biel würden Geldmittel freigespielt, die sich künftig in die Erneuerung der technischen, wissenschaftlichen und didaktischen Infrastruktur investieren liessen. Das diene der Wettbewerbsfähigkeit der Schule mehr als ein teurer Campus.

«Ich bin froh, dass wir die Diskussion von der emotionalen nun definitiv auf die sachliche Ebene verlagern können; mit unserer Expertise haben wir die Grundlage dazu geschaffen», sagte die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch gestern. Im Januar kommt das Thema vor den Grossen Rat; Zäch als Grossrätin steht in den nächsten Wochen also ein gutes Stück Lobbying bevor. Sämtliche Parlamentarierinnen und Parlamentarier des Kantons Bern sowie der Regierungsrat bekamen die Analyse aus Burgdorf gestern zugestellt.

«Wie eine Panzerbrigade»

Auch Grossrat Samuel Leuenberger, zugleich Präsident der Region Emmental, setzt sich für den Erhalt des Tech-Standorts Burgdorf ein. Der Kanton Bern sei ein heterogenes Gebilde aus unterschiedlichen Regionen – und genau von diesen Regionen lebe er, führte der BDP-Politiker aus. Es komme ihm in letzter Zeit allerdings vor, «als würde die Regierung wie eine Panzerbrigade über die Anliegen ihrer Regionen hinwegrasseln». Das dürfe nicht sein – gerade das Burgdorfer Tech habe für das Emmental und auch für den Oberaargau eine identifikationsstiftende Funktion und bringe Know-how sowie Arbeitsplätze in die Region. «Das Signal aus Bern ist fatal – im Klartext bedeutet es nämlich: Wir glauben nicht mehr an euch und eure ländlichen Standorte.»

«Das ist ein No-Go»

In der Tat verteilt die Regierung an die Region Biel Bestnoten für das industrielle Umfeld, das sie der Fachhochschule bieten kann; so gut kommt das Emmental nicht weg. Roland Loosli, Präsident des Handels- und Industrievereins Emmental, gab gestern jedoch zu bedenken: Die Gemeinden seiner Region seien, wie das jüngste Ranking zeige, allesamt wirtschaftsfreundlicher geworden – teils in noch höherem Mass als manche Gemeinde rund um Bern. Davon abgesehen könne sich der finanzschwache Kanton Bern eine Lösung, wie sie der Regierungsrat anstrebe, gar nicht leisten. «Für Wirtschaftsleute, die es gewohnt sind, Nutzen und Risiken abzuwägen, wäre der Campus Biel ganz klar ein No-Go», sagte er.

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