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Kadettenmusik – ein Stück Burgdorf

Vergangenheit ist die militärisch anmutende Uniform, geblieben ist die Begeisterung für die Musik: Dieses Wochenende feierte die Kadettenmusik ihr 150-jähriges Bestehen

Kadettenmusik heute: Unter der Leitung von Michael von Rohr spielten Knaben und Mädchen gemeinsam. In der heutigen Zeit ist dies selbstverständlich, doch noch in den 80er-Jahren mussten die Mädchen aussen vor bleiben.
Kadettenmusik heute: Unter der Leitung von Michael von Rohr spielten Knaben und Mädchen gemeinsam. In der heutigen Zeit ist dies selbstverständlich, doch noch in den 80er-Jahren mussten die Mädchen aussen vor bleiben.
Walter Pfäffli

Ohne das Stück «Jugend voran» wäre ein Konzert der Burgdorfer Kadettenmusik kaum vorstellbar. Diese Melodie ist seit Jahren Programm, und selbstverständlich spielten die Musikerinnen und Musiker ihren Hit auch am Sonntag in der Markthalle. Hier fand die Feier zum 150-jährigen Bestehen dieser Musikformation statt. Und für manche Burgdorferinnen und Burgdorfer war es ein Moment der Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

An damals, als in den 60er-Jahren die Mädchen noch nicht mitmachen durften. Oder an damals, als die Knaben noch diese juckenden grün-grauen kurzen Hosen tragen mussten. Mit den schwarzen Kniesocken dazu. Und doch: Bei den Kadetten, insbesondere bei der Kadettenmusik mitzumachen, war eine ehrenvolle Sache.

Jedenfalls bis in die 70er-Jahre. Dann bröckelte der Glanz von solchen Korps, die Gesellschaft befand sich in einem rasanten Wandel. Ab 1974 war für die Knaben der Kadettensport inklusive Schiessübungen oder als Alternative die Kadettenmusik nicht mehr obligatorisch. Burgdorf setzte von nun auch auf den freiwilligen Schulsport und das breiter werdende Angebot der Musikschule.

Neue Zeiten, neue Uniformen

In dieser Zeit kämpfte der Kadettensport ums Überleben. Bei der Kadettenmusik sah es anders aus. Es war die Ära von René Spada, einem bekannten Musiklehrer. Unter seiner Leitung brillierten die Burgdorfer bei Wettbewerben regelmässig.

1983 kam dann auch die Zeit für eine neuzeitlichere Organisation und neue Uniformen. Ab diesem Jahr durften Mädchen erstmals mitmachen, und die Kadettenmusik kleidete sich nun in lange schwarze Hosen mit dazu passendem Kittel. Vorausgegangen war eine Befragung der Bevölkerung. Und diese wollte, dass die Uniform weiterhin einen militärischen Charakter widerspiegeln soll.

Grosser Zusammenhalt

Heute sind Mädchen bei der Kadettenmusik eine Selbstverständlichkeit. Das bestätigen die 22-jährige Andrea Zingg und die 25-jährige Sabrina Zurbuchen. Sie sind mit der Kadettenmusik aufgewachsen und sind noch heute begeisterte Anhängerinnen. Begonnen haben sie ihre «Musikkarriere» unter der Leitung von Ruedi Ammann, der auf Spada folgte. Diese Epoche der Kadettenmusik sei von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt gewesen, so Zurbuchen. «Wir wollten einfach nichts verpassen, immer mit dabei sein, in Lagern, bei Auftritten», ergänzt Zingg. Ammann war begeistert von Songs aus Musicals und liess die Kadettenmusik auch moderne Stücke spielen.

Auf Ammann folgte Markus Linder. Er sei einer gewesen, der viele Projekte initiiert habe, so Zingg. Unter anderem gründete er die Anfängergruppe Step-up, die heute Wind-Kids heisst.

Ob Wind-Kids, Tambouren, Majoretten, Cliffhangers oder die eigentliche Kadettenmusik: Sie alle feierten das Jubiläum dieses Wochenende mit Auftritten. Am Sonntag begeisterte die Kadettenmusik unter der Leitung von Michael von Rohr das Publikum in der Markthalle mit einem bunten musikalischen Strauss. Dieser reichte von klassischen Stücken über Musicalsongs bis hin zu Filmmusik. Gekleidet waren sie in den Uniformen, welche 2010 eingekauft worden waren. «Diesmal haben wir die Bevölkerung nicht befragt», sagt Zwahlen mit einem Lächeln. Zur schwarzen Hose gehört ein dunkelroter Lumber und ein schwarzes Beret.

Die grossen Vorbilder

Aus Dunkelrot wurde im Verlauf der Feier Knallrot. Im Anschluss an die Kadettenmusik trat die bekannte Swiss Army Big Band auf. Die Männer in schwarzen Hosen, rotem Gilet und dazu passender Jacke tragen zwar das Militär in ihrem Namen, doch ihre Stärke ist der Jazz. Die Berufsmusiker unter der Leitung von Johannes Walter hatten eine intensive Trainingswoche für Studioaufnahmen hinter sich und boten dem Publikum die neusten Stücke als Hörschmaus. In eher ungewohnter Formation traten sie mit Marcel Oetiker auf. Dieser begleitete die Big Band mit einem Schwyzerörgeli. Als Gastspieler mit dabei war auch der bekannte Jazzmusiker Roland von Flüe.

Ursula Grütter>

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