«Jeder kann sich als Held fühlen»

Burgdorf

Nach sechsjähriger Entwicklungszeit ist es so weit: Das Brettspiel «Heldentaufe» aus Burgdorf ist bereit für den Markt. Jedoch muss die Finanzierung noch sichergestellt werden.

«Heldentaufe»:? Simon Junker (l.) hatte die Idee für das Brettspiel, Bastian Kälin half bei der Entwicklung mit.

«Heldentaufe»:? Simon Junker (l.) hatte die Idee für das Brettspiel, Bastian Kälin half bei der Entwicklung mit.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Jacqueline Graber

Simon Junker hält etwas Kleines, Weisses in der Hand. «Das ist ein Monsterzahn.» Wer als Erster zwanzig solcher Zähne ins Dorf zurückbringe, habe gewonnen, erklärt der Burgdorfer, während er weitere Teile, Würfel, Karten und Spielfiguren aus der Schachtel nimmt. Das Brettspiel hat Simon Junker nicht etwa in einem Geschäft gekauft, nein, er hat es vor sechs Jahren im Rahmen seiner Masterarbeit zum Sekundarlehrer entworfen. Seine Motivation bestand darin, ein Spiel für Jugendliche zu erschaffen, welches diese vom PC zurück an den gemeinsamen Spieltisch bringen kann. «Zu einer echten sozialen Auseinandersetzung kann es nur kommen, wenn man sich gegenübersitzt», meint Junker. «Heldentaufe» enthalte die wichtigsten Aspekte eines Adventure-Games wie beispielsweise «Zelda» oder «World of Warcraft», wo sich die Spieler als Helden fühlen könnten, fügt er hinzu.

«Das erste Spiel habe ich aus Wellkarton angefertigt und grün und gelb bemalt», erinnert sich der 31-Jährige. Zwischen dem Prototyp und der fertigen Version liegen etliche Bastelstunden, unzählige Testspiele, schlaflose Nächte sowie langfädige Diskussionen. «Allein zwei Wochen haben wir darüber sinniert, wie der Monsterzahn aussehen soll», erzählt Junker. Zum «Wir» gehören nebst Simon Junker zwei seiner langjährigen Freunde. Einer davon ist Kaspar Wyss. Der Designer sorgte als Co-Autor und Artdirector dafür, dass das Spiel auch optisch einen guten Eindruck macht. Der dritte Mann im Team ist der Softwareentwickler Bastian Kälin. Knuffige Spielfiguren

Einen Knackpunkt stellte für das Trio auch das Design des Spieles sowie der Verpackungsschachtel dar. «Das Ganze muss anziehend wirken», erklärt Bastian Kälin. Aus diesem Grund habe man sich für knuffige Spielfiguren im Walt-Disney-Stil entschieden. Entworfen und gezeichnet wurden die Fabelwesen von Mathieu Leyssenne. Der Franzose habe sich als Illustrator einen Namen gemacht und sei eine Grösse in der Brettspielszene, weiss Simon Junker.

Verständliche Regeln

Mittlerweile ist die Spielentwicklung abgeschlossen, dennoch gibt es immer noch zu tun. «Es ist ungemein schwierig, eine kurze, klare Anleitung zu schreiben», sagt Junker und erklärt grob die Regeln. Das Abenteuerspiel sei für Jugendliche ab zwölf Jahren gedacht. Es dauert rund neunzig Minuten, und es können zwei bis vier Leute mitmachen. Das Spiel besteht aus einer Unter- und einer Oberwelt. Das Geschehen auf der Oberwelt ist von friedlichen Handlungen geprägt. In der Unterwelt hingegen warten Monster auf die Spieler, aber auch ein prächtiger Schatz. Durch Portale reisen die Helden zwischen den beiden Ebenen hin und zurück. Je nachdem, wo die eigene Spielfigur steht, wechselt der Spieler jeweils auch die Perspektive. Zum einen kann er die Geschicke des eignen Helden lenken; er kann aber auch die Monster kontrollieren, wenn gegnerische Helden die Unterwelt betreten. Da sich die Spieler als Monster gemeinsam beraten müssen, entstehen ständig neue Bündnisse. «Dieses Spielgefühl ist neu und macht das Spiel einzigartig», sagt Junker stolz und fügt hinzu: «Dies war sicher auch ein Grund dafür, dass ‹Heldentaufe› am deutschen Spielautorenwettbewerb in die Endrunde gelangte.»

Kostenlose Onlineversion

Jährlich kommen in Europa 600 Spiele auf den Markt. Auch Simon Junker will «Heldentaufe» jetzt produzieren lassen. Die Herstellung von 1000 Spielen kostet knapp 59'000 US-Dollar. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt von der Burgergemeinde Burgdorf, dem Kulturprozent der Migros und der Pädagogischen Hochschule Bern. Selber werfen die drei Spielmacher 10'000 US-Dollar ein. Den Restbetrag wollen sie durch Crowdfunding sammeln. Das heisst: Wer Interesse am Spiel hat, kann sich für 50 Dollar ein Exemplar sichern und bekommt bei Erfolg der Kampagne das Spiel zugeschickt. Wenn das Fundingziel nicht erreicht wird, erhält der Käufern das Geld abzugslos zurück. «Um keine Verluste zu schreiben, müssen wir mindestens 800 Spiele verkaufen», erklärt Simon Junker.

Fabriziert werden soll das Abenteuerspiel bei einem Unternehmen in Deutschland. Zwar startet die Kampagne offiziell erst am 15.Mai, jedoch kann man das Spiel bereits vorbestellen. Zudem ist es möglich, auf Heldentaufe.ch das Spiel kostenlos zu testen.

Berner Zeitung

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