In Langnau ist die Energiewende kein Problem

Langnau könnte die kantonalen Zielvorgaben erfüllen und sich zu einem grossen Teil mit erneuerbarer Energie versorgen. Einerseits dank Energieholz, andererseits dank dem Grundwasser, aus dem die Gemeinde Wärme gewinnen könnte. Das zeigt der Energierichtplan.

Susanne Graf

Die Gemeinde Langnau verdankt es ihrer Grösse, dass sie einen Richtplan Energie erstellen muss. Einen solchen schreibt das kantonale Energiegesetz den 30 grössten «energierelevanten» Berner Kommunen vor. Langnau habe bisher noch keine konkrete Energiepolitik verfolgt, steht in der Einleitung zum Bericht, der nun zusammen mit dem Richtplan öffentlich aufliegt.

Ziel Energiestadt

Die Gemeinde hat aber selber auch ein Interesse an der Erarbeitung einer Energiestrategie, denn sie möchte bis zum Jahr 2020 über das Energiestadt-Label verfügen. Das Erlangen dieses Leistungsausweises hat die Exekutive laut Gemeindeschreiber Samuel Buri bereits im Leitbild 2006 als Ziel ins Auge gefasst. Aus verschiedenen Gründen hätten sich Gemeinderat, Umweltkommission und Bauverwaltung dann dafür ausgesprochen, den Energierichtplan auszuarbeiten und erst danach das Label anzustreben.

Das heisst aber nicht, dass man in Langnau im Energiebereich bislang die Hände in den Schoss gelegt hätte. Buri zählt auf, was in den vergangenen Jahren auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energiepolitik unternommen wurde: Langnau habe etwa eine Energiebuchhaltung für Gemeindeliegenschaften erstellt, verschiedene Liegenschaften saniert, den Wärmeverbund realisiert, auf dem Sekundarschulhaus Sonnenkollektoren installiert und in der ARA ein Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen

Mehr Wärme aus dem Boden

Zusammen mit dem Berner Büro Eicher+Pauli AG hat die Umweltkommission nun den Entwurf für einen Richtplan erarbeitet, der aufzeigt, wo die Gemeinde weiter aktiv werden könnte. Das Mitwirkungsverfahren ist eröffnet, nächste Woche wird der Entwurf an einer Orientierungsversammlung erstmals öffentlich diskutiert.

Der Richtplan muss aufzeigen, wie die Hauptziele der kantonalen Energiestrategie in Langnau erreicht werden können. Der Kanton will, dass die Wärme bis 2035 zu mindestens 70 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt wird. Gleichzeitig soll der Wärmebedarf um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Zudem möchte der Kanton die Stromerzeugung zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern sicherstellen.

Als Referenzjahr diente der Projektgruppe das Jahr 2011. Der Bericht zeigt auf, dass in Langnau zur Wärmeerzeugung vor allem Heizöl verbraucht wird. Fast 58 Prozent der Wärmeenergie wurde 2011 mit total 750 Heizkesseln erzeugt. «Davon kann der grösste Teil durch Effizienzsteigerung und den Ersatz mit erneuerbaren Energieträgern ersetzt werden», steht im Bericht. Auch den gesamten Energieverbrauch betreffend liegt das Heizöl an der Spitze der Energielieferanten.

Nicht mehr ausbaubar sei der Energieholzbereich, der bei der Wärmeerzeugung gut 26 Prozent abdeckt. Denn die 2653 Holzheizungen verbrauchen mitsamt den Wärmeverbunden bereits mehr Energieholz, als in der Gemeinde Langnau generiert werden kann. Ein relativ grosses Potenzial hat die Projektgruppe aber in der Nutzung von Wärme aus dem Grundwasser entdeckt. Gerade in den Gebieten entlang der Ilfis (Schärischachen, Moos, Hinterdorf, Dorfzentrum, Burgdorfstrasse, Oberstrasse und Zürchermatte) wäre es demnach möglich, Ölheizungen zu ersetzen.

Auch die Sonnenenergie könnte «dank der beinahe optimalen Lage vieler Gebäude in Langnau» noch stärker ausgebaut werden. Der Bericht empfiehlt aus wirtschaftlichen Gründen allerdings, mit Solarenergie nicht Wärme, sondern Strom zu produzieren. Wasserkraft wird in der Gemeinde Langnau bereits von fünf Flusswasserkraftwerken genutzt. Aber auch diese Energiequelle wäre nach dem Entwurf, der nun öffentlich diskutiert werden soll, weiter ausbaubar.

«Beinahe optimal»

Die Projektgruppe listet eine Reihe von Massnahmen auf. Würden diese umgesetzt, könnte die Gemeinde die Zielvorgaben des Kantons nicht nur erfüllen, sondern sogar übertreffen, steht im Bericht. Langnau besitze «beinahe optimale Voraussetzungen». Das nützt aber nur, wenn nicht allein die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangeht und Projekte umsetzt, sondern wenn auch Private auf erneuerbare Energien umsteigen und Gebäude sanieren. Um diese mit finanziellen Anreizen dazu motivieren zu können, schlägt die Projektgruppe dem Gemeinderat vor, einen Energiefonds zu schaffen.

Der Energierichtplan liegt bis zum 14.3. in der Bauverwaltung auf. Am Mittwoch, 19.2., 19.30 Uhr, findet im Kirchgemeindehaus eine öffentliche Orientierungsveranstaltung statt.

Berner Zeitung

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