Imker sind wegen Pestiziden in Sorge

Rüderswil

Am Berner Bienentag trafen sich die Trachselwalder Bienenfreunde im Ausbildungsstand zum Fachsimpeln. Thema war auch der Gifttod der Bienen in der Umgebung von Zäziwil.

Er geht nahe an die Bienen ran: Imker Michael Bärtschi vor dem Ausbildungsstand in Rüderswil.

Er geht nahe an die Bienen ran: Imker Michael Bärtschi vor dem Ausbildungsstand in Rüderswil.

(Bild: Daniel Fuchs)

Fachkundig wurde erörtert, ob es «hunget», ob sich jetzt eher Wald- oder Blütenhonig in den Waben sammle, den es gleich zu «schleudern» gelte, und ob man auf «Schwärme» aufpassen müsse. Im neu eingerichteten Ausbildungsstand in Wangelen bei Rüderswil wurde am Samstag eifrig diskutiert. Und dies nicht nur unter Imkern, auch Interessierte ohne Bienen waren eingeladen.

Ja, das Interesse an der Honigbiene sei gross, sagte Hanspeter Beer, einer der anwesenden Bienenberater, zugleich als kantonaler Inspektor im Amt. Der Film «More than honey» habe ein enormes Echo ausgelöst, die ganze Bevölkerung sei sensibilisiert. Auch die kürzlichen Medienberichte über Vergiftungsfälle in der Gegend, bei denen Hunderte von Bienenvölkern an einem Pestizidcocktail starben, hätten grosse Betroffenheit ausgelöst. Dass Gift im Spiel gewesen sei, sei klar, den oder die Verantwortlichen zu erwischen, praktisch unmöglich. Mehr als 24'000 Menschen hätten Bundesrat Johann Schneider-Ammann per Mail und Postkarte aufgefordert, ein Verbot für bienenschädigende Pestizide einzuleiten, so Beer.

Viele Frauen, kaum Bauern

Das Berufsbild des Imkers habe sich mittlerweile grundlegend verändert, sagt Hanspeter Beer. Nicht nur, dass heute 50 Prozent der Imker Frauen seien. «Im traditionellen Bienenhäuschen beim Bauernhaus ‹beielet› heute nicht mehr der Bauer – der hätte zu wenig Zeit dazu –, sondern oft junge Verwandte, Nachbarn oder Bekannte», erzählt er. Das Bienenhaus stehe oft leer. So könne nicht mehr beim Grossvater oder Onkel das nötige Wissen erworben werden.

«Dafür gibt es Imkerkurse», erklärt Bienenberater Michael Bärtschi, der selber Nachwuchskräfte ausbildet. In einem zweijährigen Lehrgang werden, meist übers Wochenende, an 18 Tagen Theorie und Praxis der Bienenpflege vermittelt. Zurzeit besuchten 28 Teilnehmer den Kurs, der Jüngste sei 17 Jahre alt, Landwirte seien wie erwartet kaum vertreten.

Man ist sich am Samstag in Rüderswil einig: Bienenzucht ist mehr als ein Hobby, es ist fast eine Wissenschaft. Einerseits hat man die Biene domestiziert, um an ihre wertvollen Erzeugnisse heranzukommen: nebst Honig auch Wachs, Propolis, Pollen, Gelée Royal. Andererseits ist das Tier von Natur aus programmiert und in seinem Staat so perfekt organisiert, dass ein Eingreifen nicht möglich ist. Der Imker muss sich den Gegebenheiten anpassen.

Im Bienenhaus

Der Bienenlehrstand steht mitten in einer Blumenwiese, die Bienen fliegen emsig ein und aus. Einige surren den Besuchern um die Köpfe herum, das sind Wächterinnen. Um nicht gestochen zu werden, sollte man sich ruhig verhalten. «Passiert es trotzdem, sollte man sich besser entfernen, denn man ist als Feind markiert», sagt Beer. Er öffnet einen der Wabenschränke: Dicht an dicht wimmeln die Tierchen herum. «Die sind gerade arbeitslos», sagt ihr Betreuer, weil keine grössere Honigquelle in der Nähe sei. Erst wenn eine Kundschafterin mit ihrem Schwänzeltanz einen neuen Fundort bekannt gibt, schwärmen sie aus. Zurzeit würden wieder viele junge Königinnen mit einem Teil des Bienenvolks ausreissen, um einen neuen Staat zu gründen. Wer so eine «Traube» an einem Ast hängen sehe, möge einen Imker, die Polizei oder die Feuerwehr anrufen, damit die Tiere eingefangen werden könnten, bittet Beer. Allein sei ihre Überlebenschance gering, und für den Imker bedeute es einen Verlust.

Berner Zeitung

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