Im Bann des geschnittenen Papiers

Alchenflüh

250 Originalwerke von 17 Scherenschnitt-Künstlern sind bis am 8. Juni in der Galerie im Chalet in Alchenflüh zu bestaunen. Unter den Kunstschaffenden sind zwei Kirchbergerinnen und zwei Kirchberger.

Scherenschnittkunst in der Galerie im Chalet: Die Kirchberger Scherenschnittkünstler Christine Baur-Meder, Bruno Pfeiffer und Maria Schneider-Ziegler(von links).

Scherenschnittkunst in der Galerie im Chalet: Die Kirchberger Scherenschnittkünstler Christine Baur-Meder, Bruno Pfeiffer und Maria Schneider-Ziegler(von links).

(Bild: Hans Wüthrich)

Zum fünften Geburtstag der Galerie im Chalet haben sich das Galeristenpaar Karola Tritschler und Jean-Claude von Gunten etwas Besonderes einfallen lassen. Siebzehn der bekanntesten Scherenschnittkünstlerinnen und -künstler geben sich mit 250 Originalwerken auf insgesamt 600 Quadratmetern ein Stelldichein.

Mit Christine Baur-Meder, Bruno Pfeiffer sowie Maria Schneider-Ziegler befinden sich auch drei passionierte Kirchberger Scherenschnittkunstschaffende darunter. Und mit dem 83-jährigen Walter von Gunten sogar ein Einheimischer, der vor 50 Jahren nach Phoenix (USA) ausgewandert ist. Darüber hinaus hat er dank seiner Papierschneideleidenschaft in seiner Wahlheimat die Scherenschnittkunst wieder aufleben lassen. Seine berührenden Werke schneidet er aus einem einzigen Stück Papier. Zwei davon, darunter eine Löwenzahngruppe, sind aus hauchdünnem Blattgold gefertigt. «Man durfte beim Aufbringen auf die Unterlage kaum atmen», veranschaulicht der vitale Mitachtziger aus Arizona die Vorgehensweise.

300 Stunden an der Arbeit

Der Natur verpflichtet hat sich auch der pensionierte Kirchberger Schriftsetzer Bruno Pfeiffer. Seine Werke wurden, wie auch jene der beiden anderen Kirchberger, bereits in Honkong ausgestellt. Als passionierter Berggänger fokussiert er auf Details in der Natur. Ebenfalls aus einem einzigen Stück Papier geschnitten sind Ausschnitte aus Gewässern oder einem Maisfeld. Von einer schweren Krankheit genesen, freut er sich ganz besonders, wieder der Scherenschnittkunst frönen zu können. Maria Schneiders Motive basieren auf Kindheitserinnerungen und dem Beobachten des Alltags. Am «ewigen Kreislauf Leben» hat sie 300 Stunden gearbeitet. Wichtig sind der Kirchbergerin die Zufriedenheit, welche ihr die aufwendige und filigrane Arbeit seit Jahren gibt.

Schmunzelpotenzial haben die Scherenschnitte von Christine Baur. Die humorvolle Kirchbergerin mit Basler Wurzeln setzt unter anderem auf liebenswertes Federvieh. Ihre schrägen, mit farbigem Stoff hinterlegten Wander-, Zug - und Paradiesvögel machen einfach gute Laune. Dank ihrer Grossmutter kam die Kirchberger Lehrerin bereits als Kind zum Scherenschnitt und hatte 1979 ihre erste Ausstellung.

So erfreuten sich denn die zahlreichen Vernissagegäste einer verblüffenden Vielfalt innerhalb der ausgestellten Werke. Oft wird die Scherenschnittkunst ausschliesslich mit traditionell bäuerlichen Motiven in Zusammenhang gebracht. Dies, obschon sich die jahrhundertealte Volkskunst längst der Moderne geöffnet hat. So haben denn auch zahlreiche der ausgestellten Exponate moderne Sujets. Einige karikieren dabei lustvoll unsere Gesellschaft, andere machen die unerschöpfliche Palette der Natur zum geschnittenen Thema oder entschieden sich für zeitlose Inhalte aus dem täglichen Leben.

Filigrane Arbeiten

Werner Gunterswiler hält mit seiner riesigen, mehrstöckigen Torte einer gierigen, unersättlichen Gesellschaft gleichsam einen Spiegel vor. Bewaffnet mit Messer und Gabel lauern am Rande des Scherenschnittes Menschen zum ultimativen Angriff auf das beste Stück. So vielfältig in ihrer Art die Werke auch sind, eines ist allen gemein: das exakte, filigrane Arbeiten mit schwarzem oder farbigem gefaltetem oder ungefaltetem Papier.

Berner Zeitung

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