«Ihr seid anders, und das ist sehr angenehm»

Hindelbank

Iris Rivas, Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes, zeigt sich beeindruckt, wie unverkrampft die Bevölkerung in Hindelbank mit der neuen Asylunterkunft umgeht.

In der Zivilschutzanlage in Hindelbank sind seit Mitte September Asylsuchende untergebracht.

In der Zivilschutzanlage in Hindelbank sind seit Mitte September Asylsuchende untergebracht.

(Bild: Marcel Bieri)

Seit dem 22. September haben Asylbewerber in der Zivilschutzanlage von Hindelbank eine vorübergehende Bleibe gefunden. Direkt neben der Schule verbringen sie ihre Zeit in den unterirdischen Räumen oder oben beim vorübergehend geschlossenen Veloabstellplatz. Aktuell sind es 60 Menschen aus verschiedensten Ländern. Dieses Nebeneinander von Schule und Asylzentrum birgt Zündstoff.

Doch in Hindelbank blieben heftige Diskussionen und gegenseitige Anschuldigungen bisher aus. Das zeigte sich an der Gemeindeversammlung. Traktandum 2.1 «Infos Asylwesen» hätte vermutlich in Schafhausen die halbe Bevölkerung mobilisiert. In Hindelbank besuchten dagegen gerade mal 56 Personen die Gemeindeversammlung.

Die spärlich gestellten Fragen beantwortete die Chefin persönlich: Die Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes, Iris Rivas, war samt ihrer Stellvertreterin nach Hindelbank gereist. Sie bedankte sich bei den Anwesenden und der gesamten Bevölkerung: «Ihr und Moosseedorf seid einfach anders, das ist sehr angenehm.» Wieso der Umgang mit den Asylunterkünften in beiden Gemeinden unverkrampft ist, konnte sich Rivas nicht erklären. «Vielleicht liegt es ja an eurem Trinkwasser», mutmasste sie.

Das Rätsel ist gelöst

Auch sonst wurde an der Gemeindeversammlung das Asylwesen mit einer Prise Humor angegangen. Etwa als ein Anwesender fragte, wieso die Zentrumsbewohner eigentlich ständig telefonieren würden, und wo sie das Geld dazu hernähmen. Rivas dazu: «Das haben wir uns auch gefragt und die Antwort im Berner Länggassquartier gefunden.» Es gebe Anbieter, die Telefonkarten zu Schleuderpreisen verkaufen würden. So werde es möglich, für 15 Rappen die Minute nach Afrika oder Asien zu telefonieren. «Diese Adresse muss ich mir aufschreiben», meinte darauf der erstaunte Fragesteller.

Gemeinderatspräsident Daniel Wenger erklärte, an einem runden Tisch mit Behörden, Schulvertretern und der Kirche werde nicht nur die Sicherheitslage angeschaut. Es würden auch Ideen eingebracht, wie die Asylbewerber beschäftigt werden könnten. Aktuell würden gemeinnützige Umwelteinsätze geprüft. Wengers Schlusswort liess erahnen, wieso in Hindelbank die Wogen nicht hochgehen. «Wir stehen der Situation offen gegenüber und haben stets transparent informiert. So lassen sich Lösungen finden.»

Berner Zeitung

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