«Ich scheide mit Wehmut aus»

Oberaargau

Die Listenverbindung EVP-EDU-GLP habe seiner Partei im Oberaargau den Sitz gekostet, analysiert Dieter Widmer (BDP). Für den bald 61-Jährigen ist seine Abwahl nach 20 Jahren eine Zäsur.

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Chantal Desbiolles

Dieter Widmer klingt betroffen. Er wäre «cheibe gärn» ein weiteres Jahr im Grossen Rat geblieben, erklärte der Wanzwiler nach Bekanntgabe der Wahlresultate. Denn verhehlt, dass er seinen Sitz ohnehin in der laufenden Legislatur innerhalb der Partei weitergegeben hätte, hat der BDPler erster Stunde nicht. Für den umtriebigen und langjährigen Politiker fällt die Wahlbilanz doppelt bitter aus. Seine Partei hat im ganzen Kanton Stimmen eingebüsst. «Nicht nur im Oberaargau werden wir die Wahlverlierer sein», vermutete Widmer am Nachmittag, was sich im Verlauf des Abends bewahrheiten sollte. «Die BDP wurde generell für ihre straffe Finanzpolitik abgestraft», stellt er fest. Und das, wo man doch an vorderster Front für Korrekturmassnahmen eingetreten sei.

Im Oberaargau hat die BDP Stimmen verloren und damit einen Sitz an die EDU. Statt BDP-Parteipräsident Widmer nimmt künftig der Huttwiler Landwirt Johann Ulrich Grädel im Kantonsparlament Platz, was der nicht Wiedergewählte primär mit den Rahmenbedingungen erklärt: Die Listenverbindung EVP-EDU-GLP habe seine Partei hart getroffen. «Die drei Parteien hatten gemeinsam genug Kraft, uns einen Sitz abzunehmen.»

Ein Vielkritisierter

Seit 20 Jahren ist der bald 61-Jährige im Grossen Rat. Die parteiinterne Amtszeitbeschränkung von vier Legislaturen hat er mit dem Wechsel von der SVP zur BDP bei der Parteiabspaltung vor sechs Jahren gerade noch abgewendet. Das werfen ihm Kritiker vor. Auch in den vergangenen Monaten wurden Stimmen laut, er halte zu lange an seinem Grossratssitz fest. Zudem kam die Plakatkampagne mit dem Buchser BDP-Grossratskandidaten Kurt Grossenbacher («Hol schon mal den Wagen, Kurt. Wir fahren nach Bern.») längst nicht überall gut an.

Widmer selbst mag nicht glauben, dass persönliche Gründe wie etwa die Länge seiner Amtszeit für ihn zum Boomerang geworden sind. So betrachtet habe ihm die «Versicherungsgeschichte» mehr geschadet. Widmer stand 2012 als damaliger Vizedirektor in der Kritik, nachdem die Spital Region Oberaargau (SRO) AG einen Auftrag an eine Versicherungsbrokerfirma des Bruders des Spital-Präsidenten vergeben hatte. Heute ist Widmer Verwaltungsratsdelegierter der Dahlia Oberaargau AG.

«Ich werde das durchstehen»

Für Widmer ist seine Abwahl eine Zäsur. «Heute ist Sonntag, morgen ist Montag», antwortet er lapidar auf die Frage, wie es nun weitergehen wird. «Ich werde das durchstehen.» Vorab schliesse er die Geschäfte als Fraktionschef ordentlich ab. An einer ausserordentlichen Sitzung nächste Woche werden die Chargen neu besetzt. «Ich scheide mit Wehmut aus.» Wie er mit seinen anderen Funktionen als Mitglied des Parteivorstands und Präsident der Oberaargauer BDP verfahren werde, sei noch offen.

Berner Zeitung

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