Heftiger Hagelsturm über dem Emmental
Über der Region Emmental/Oberaargau hat sich am Donnerstagabend ein besonders heftiges Gewitter entladen. Die Gebäudeversicherung rechnet mit bis zu zwei Millionen Franken Schaden.
Im Gebiet Emmental/Oberaargau hatte Petrus zum WM-Beginn eine böse Überraschung parat: Am Donnerstagabend ging in dieser Region ein besonders heftiges Gewitter nieder. Bei der Kantonspolizei Bern gingen am Abend rund 40 Meldungen ein wegen Wasser, das in Liegenschaften eingedrungen sei. In den meisten Fällen musste die Feuerwehr ausrücken, wie Kapo-Sprecher Christoph Gnägi auf Anfrage mitteilt. Es seien bislang keine Meldungen über Verletzte bekannt.
Bei Ranflüh ist es zudem zu einem Erdrutsch gekommen, wie das Regierungsstatthalteramt Emmental am Freitag mitteilt.
Mit Schaufeln und Baggern
In gewissen Gebieten bliebs jedoch nicht nur beim Regen. Über Rüederswil im Emmental etwa ging ein Hagelschauer der heftigen Art nieder. Das Dorf präsentierte sich nach dem Unwetter fast wie im tiefsten Winter, wie Leserbilder eindrücklich beweisen. «Das halbe Dorf half im T-Shirt mit, die Strasse von den weissen Bergen zu befreien, in denen die Autos stecken blieben», sagte Leserreporter Christian Kernen gegenüber «20 Minuten». Gemeinsam habe man sich mit Schaufeln, Baggern und Traktoren ans Werk gemacht.
Schäden bis zu 2 Millionen Franken
Bei der Berner Gebäudeversicherung Bern (GVB) sind bislang rund 80 Schadensmeldungen eingegangen, vornehmlich aus dem Raum Hindelbank-Rüderswil-Sumiswald. Gemeldet wurden vor allem Hagelschäden. GVB-Sprecherin Stephanie Kriesel sagt, dass sich der Schaden auf geschätzte zwei Millionen Franken belaufen wird. Etliche Wintergärten und Storen seien beschädigt worden. Beim Unwetter vom Donnerstag handle es sich um ein normales Sommerereignis, so Kriesel weiter.
Die GVB hat nach ersten Begehungen auch die Schadensmeldungen nach oben korrigiert: Die Versicherung rechnet mit 500 Meldungen.
Stromausfall in Thun
Auch das Berner Oberland blieb nicht verschont: Ein Blitz hatte bei Amsoldingen in eine Leitung eingeschlagen. Im Süden der Stadt Thun fiel daraufhin der Strom kurz aus. In den übrigen Stadtgebieten dauerte der Unterbruch länger, nämlich rund eine halbe Stunde.
Auch in anderen Teilen der Schweiz gabs starke Niederschläge. So etwa in der Region Olten. Auch dort musste die Polizei rund 25 Mal wegen Wassereinbrüche in Liegenschaften ausrücken, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilt. Im Bahnhof Olten standen die beiden Unterführungen teilweise unter Wasser und waren nicht mehr passierbar.
Millionenschaden für Landwirtschaft
Vor allem die Landwirtschaft muss schmerzliche Verluste hinnehmen: Hagel und Überschwemmungen sollen Schäden im Umfang von rund 2,5 Millionen Franken an landwirtschaftlichen Kulturen angerichtet haben. Die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft rechnete mit bis zu 600 Schadenfällen. Betroffen seien Ackerkulturen, Gemüse, Gärtnereien, Gras, Wein und Obst.
Lokale Gewitter mit grossen Regenmengen
Nach Auskunft von MeteoSchweiz gab es eine sehr grossflächige Gewitteraktivität. Besonders am Sommergewitter war, dass es nicht eine klassische Gewitterfront war, die mit Südwestwind über die ganze Schweiz hinwegzog. Die Gewitter seien «hausgemacht» gewesen, lokal an Ort und Stelle entstanden aus der warmen und sehr feuchten Luftmasse, wie Meteorologe Daniel Gerstgrasser der Nachrichtenagentur sda sagte. «Es war sehr viel Energie in der Luft.» Der Schwerpunkt des Gewitters sei den Voralpen entlang vom Emmental über die Zentralschweiz bis in die Ostschweiz gelegen.
Video: Hagel in Rüderswil
Quelle: Esther Bieri Zulauf
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