Haldimanns Sitz ist hart umkämpft

Unteres Emmental

Wer kann den Grossratssitz des Burgdorfers Franz Haldimann erobern? Die Favoriten sind in den Reihen der BDP zu suchen. Doch auch die SVP ist in Lauerstellung. Am 30.März entscheidet sich, wer den Sprung ins Rathaus zu Bern schafft.

Wahlwerbung auf dem Kronenplatz Burgdorf: Kandidierende für die Grossratswahlen werben um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.

Wahlwerbung auf dem Kronenplatz Burgdorf: Kandidierende für die Grossratswahlen werben um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.

(Bild: Thomas Peter)

Urs Egli

12 der 15 Emmentaler Grossrätinnen und Grossräte treten am 30.März zur Wiederwahl in das 160-köpfige Kantonsparlament an. Bernhard Antener (SP, Langnau) und Alfred Gerber (SVP, Gohl) dürfen wegen der parteiinternen Amtszeitbeschränkung nicht mehr kandidieren, der 72-jährige Franz Haldimann (BDP, Burgdorf) verzichtet von sich aus auf eine erneute Kandidatur.

Im Unteren Emmental konzentriert sich der Kampf damit auf den frei werdenden Sitz von Franz Haldimann. Die anhaltend erfolgsverwöhnte BDP hat gute Chancen, den Sitz verteidigen zu können. Dass die Burgdorfer Gemeinderätin Charlotte Gübeli auf eine Kandidatur verzichtet hat, wird zwar noch immer bedauert.

Burgdorfer wollen erben

Doch Aspiranten hat es in der BDP genug. Zum Beispiel Francesco Rappa. Der 47-jährige Immobilienkaufmann schlug sich bei den Grossratswahlen 2010 ganz passabel, und 2012 verpasste er den Einzug in den Burgdorfer Gemeinderat nur um wenige Stimmen. Im Stadtrat präsidiert er die BDP-Fraktion. Zu einer beachtlichen Medienpräsenz kam Rappa im letzten Sommer als Vizepräsident des Organisationskomitees des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes. Etwas im Schatten seines ehrgeizigen Parteikollegen steht der 54-jährige Qualitätsingenieur Rolf Ingold. Im letzten Jahr präsidierte dieser den Burgdorfer Stadtrat. Bei den Grossratswahlen 2010 klassierte sich Ingold mit 900 Stimmen hinter Rappa.

Leicht im Vorteil liegt diesbezüglich der 48-jährige Walter Bütikofer aus Kirchberg. Bei den Kantonalen Wahlen 2010 kam der Landwirt und Unternehmer auf den ersten Ersatzplatz der BDP-Liste Emmental-Nord. Seit neun Jahren gehört Bütikofer dem Gemeinderat an. Bei den Wahlen 2012 kämpfte er vergeblich um das Gemeindepräsidium. Ungefährdet dürfte die Wiederwahl der beiden anderen Emmentaler BDP-Grossräte Samuel Leuenberger (Trubschachen) und Peter Studer (Utzenstorf) sein.

Zittern um seine Wiederwahl muss möglicherweise der 59-jährige Christoph Grimm. Bei den Grossratswahlen 2010 erzielte der Burgdorfer auf der Liste der Grünen zwar ein sehr gutes Resultat. Just vor einem Jahr trat er jedoch zu den Grünliberalen (GLP) über. In den Grossratswahlen 2010 kam die Emmentaler GLP gerade mal auf einen Wähleranteil von 2,2 Prozent. Bei kantonalen und Gemeindewahlen konnte sie jüngst landauf, landab Erfolge feiern, doch ob diese auch auf das Emmental überschwappen, ist so sicher nicht.

Grüner Wackelsitz

Keineswegs sicher ist, ob die Grünen ihren durch den Parteiaustritt von Grimm an die GLP verlorenen Sitz zurückerobern können. Zum einen, weil die Grünen vom Schwung der letzten Jahre etwas eingebüsst haben. Zum anderen müssen sie im Emmental ohne Bisherigenbonus an den Start. Mit dem früheren Trubschacher Gemeindepräsidenten Michel Seiler steht jedoch ein Kandidat an der Spitze der Wahlliste, der im Emmental bekannt ist. Ob der knapp 65-jährige Heimleiter Wahlchancen hat, ist aber fraglich. Von ihrer Bekanntheit profitieren dürften im Unterem Emmental der Burgdorfer Gemeinderat Andrea Probst sowie Stadtratspräsidentin Christine Meier. Die Listenverbindung mit der SP kann da sicher nicht schaden.

Lachende Dritte könnte die SVP im Unteren Emmental sein. Neben den beiden Bisherigen Markus Aebi (Hellsau) und Hugo Kummer (Burgdorf) tritt zum Beispiel auch Andrea Pieren an. Die 35-jährige Oberburger Gemeinderätin möchte in die Fussstapfen ihrer jüngeren Schwester Nadja steigen. Diese wurde 2010 in den Grossen Rat gewählt, ein Jahr später gelang ihr der Sprung in den Nationalrat. Die mit der FDP eingegangene Listenverbindung könnte sich als geschickter Schachzug der SVP erweisen, zudem aber auch Peter Sommer (FDP, Wynigen) die Wiederwahl sichern.

Fragezeichen bei der SP

Und wie steht es mit der drittstärksten politischen Kraft im Emmental? Kaut die SP im Oberen Emmental nach Anteners Ausscheiden gar hartes Brot, gilt die Wiederwahl der Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch als sicher. Im Kampf um den Fachhochschulstandort Burgdorf war sie in der letzten Legislatur erfolgreich. Und wegen ihrer wirtschaftsfreundlichen Politik ist Zäch auch im bürgerlichen Lager kein rotes Tuch. Die zweite Burgdorfer Genossin, Andrea Lüthi, die vor vier Jahren noch abgewählt worden war, 2011 aber für die demissionierende Danielle Lemann (Langnau) nachrutschen konnte, dürfte die Wiederwahl diesmal schaffen. Reelle Chancen haben zudem die Burgdorfer Stadtratsmitglieder Andrea Rüfenacht und Stefan Berger, die bei den Grossratswahlen 2010 relativ gut abgeschnitten hatten.

Erst seit zwei Jahren im Grossen Rat politisiert der Burgdorfer Gemeinderat und Architekt Martin Aeschlimann. Doch der EVP-Vertreter setzte sich mit parlamentarischen Vorstössen zu den Themen Umwelt, AKW, Verkehr und Gesundheit gut in Szene. Falls die EVP wieder einen Wähleranteil von 7,2 Prozent erreicht, schafft Aeschlimann die Wiederwahl.

EVP, EDU und GLP sind eine Listenverbindung eingegangen. Die ersten beiden verbinden die christlichen Grundwerte. Die GLP dürfte aus wahlarithmetischen Gründen dabei sein.

Berner Zeitung

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