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Grosses Kino im prasselnden Regen

Das Ensemble der Bühne Burgäschi überzeugt während der «Fledermaus»-Premiere nicht bloss mit stimmgewaltigem Engagement – sondern auch mit uneingeschränktem Einsatz in Nässe und Kälte.

Chantal Desbiolles
Um die 200 Leute stehen während der Premiere auf und neben der Bühne beim Burghof in Burgäschi – auf Niederönzer Boden – im Einsatz.
Um die 200 Leute stehen während der Premiere auf und neben der Bühne beim Burghof in Burgäschi – auf Niederönzer Boden – im Einsatz.
Glattes Spiel: Alfred (Tobias König) verfolgt die Szene zwischen Rosalinde und Gabriel  sowie Advokat Dr.Blind (Ronnie Grossenbacher, rechts).
Glattes Spiel: Alfred (Tobias König) verfolgt die Szene zwischen Rosalinde und Gabriel sowie Advokat Dr.Blind (Ronnie Grossenbacher, rechts).
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Die meisten der Premierengäste schaffen es noch trockenen Hauptes auf die gedeckte Zuschauertribüne. Da öffnet der Himmel seine Schleusen, noch ehe der erste Darsteller die Bühne betritt. Es ist wie erwartet kalt und nass an diesem Premierenabend der Bühne Burgäschi. Den Auftakt der Freilichtoperette «Die Fledermaus» deswegen zu verschieben, war aber von Beginn weg keine Option.

Und so spielt sich das nach nur Minuten pflotschnasse Ensemble durch das Stück von Johann Strauss fast die Hälfte der Spieldauer von zweieinhalb Stunden im strömenden Regen. Den Rest davon in nassen Kleidern oder auf feuchten Requisiten sitzend. Alleine dafür gebührt Solisten, Chor und Darstellern grosse Anerkennung. Sie leisten an diesem ungastlichen Samstagabend unter der Gesamtleitung von Hermann A.Gehrig und der Regie seiner Tochter Melanie Gehrig Einsätze, die frei von erkennbaren wetterbedingten Abstrichen waren.

Breite Bühne

Wie versprochen ist die Inszenierung modern, ohne dass das Stück dabei verfremdet worden ist. Statt eines Dreiakters sieht das Publikum einen Zweiteiler mit einer halben Stunde Unterbruch. Das wohl ungewohnteste Element sind aber die Tänzerinnen Letizia Jakob und Lea Fuhrer, die das Geschehen der einzelnen Szenen in Bewegung umsetzen. Gewagt – und auch gelungen, zumindest solange, als die Bewegung nicht vom eigentlichen Geschehen ablenkt. Weil die Darsteller über längere Zeit simultan an mehreren Orten spielen, ist das schnell der Fall. Diese Gleichzeitigkeit macht aber auch den Charme der Inszenierung aus: Während die Gäste des Maskenballs von Prinz Orlofsky (Peter Bader) den Aperitif zu sich nehmen, erlebt man Gabriel von Eisenstein (Daniel Camille Bentz) und seine Gattin Rosalinde (Melanie Gehrig) in Gespräch und Gesang mit Zofe Adele (Anna Vichery) in ihrem Haus. Sie, die kecke Hausdienerin, zieht das Publikum mit ihrer Präsenz und ihrem Ausdruck in ihren Bann.

Ein anderer Publikumsliebling ist Gefängniswärter Frosch (Urs Mühlethaler), dessen Sprüche gar viel Raum beanspruchen, aber für lautes Gelächter sorgen. Die Solisten sind gut besetzt; das Gefälle zwischen den Profis und den beherzten Amateuren beeinträchtigt das Gesamtbild nicht. Die Wandlung der spröden Gattin Rosalinde hin zur verführerischen ungarischen Gräfin und zurück gelingt Melanie Gehrig bestens.

Leichtes Spiel

Dirigent Reimar Walthert und sein Orchester – ebenfalls auf der Bühne, aber überdacht untergebracht – spielen sich leicht und locker durch die berühmte Ouvertüre genauso wie das Uhrenduett zwischen Rosalinde und Gabriel von Eisenstein, den Chorwalzer und Prinz Orlofskys Arie.

Das Premierenpublikum – darunter auch der halbe Solothurner Regierungsrat – weiss den grossen Einsatz unter der Riesenuhr zu schätzen. Vereinzelt nur sind Sitze leer geblieben, die Zuschauer haben sich mit Mänteln, Decken und Kappen ausgerüstet und sich das grosse Kino nicht entgehen lassen.

«Die Fledermaus» wird bis 9. Juli gezeigt. Mehr: www.burgaeschi.ch

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