Gotthelf und das Schwingen

Lützelflüh

Das Viererteam um das Gotthelfzentrum lädt zur ersten Sonderausstellung im Spycher: Diese hat sich ganz den beiden Nationalsportarten Schwingen und Hornussen verschrieben – von einst bis heute.

Das Leiterquartett des Zentrums: Heinrich Schütz, Verena Hofer, Stefan Westermann und Werner Eichenberger.

Das Leiterquartett des Zentrums: Heinrich Schütz, Verena Hofer, Stefan Westermann und Werner Eichenberger.

(Bild: Thomas Peter)

Nadja Noldin

Albert Bitzius, geboren in Murten und später in der ländlichen Umgebung von Utzenstorf aufgewachsen, war ein sportlicher Knabe. In seiner Jugendzeit dürfte er den einen oder anderen Hoselupf getan und den einen oder andern Nouss vom Bock geschlagen haben. So schrieb Bitzius alias Jeremias Gotthelf in seiner Autobiografie:

«Im Jahre 1805 erhielt mein Vater die Pfarrei Utzenstorf. Von da an unterrichtete er mich selbst, so dass ich im Jahre 1812 das Gymnasium in Bern beziehen konnte. Meine Kenntnisse gingen aber nicht weit über Griechisch und Latein hinaus. Nebenbei las ich Romane, so viel ich zur Hand bringen konnte, trieb starken Schafhandel, lernte jagen, fischen, reiten, übte mich in allen Landarbeiten, einigen weiblichen Handarbeiten und brachte es in mehr als einem ländlichen Spiel zu bedeutender Fertigkeit.»

Zu jenen ländlichen Spielen gehörten vorderhand das Schwingen und Hornussen – die Schweizer Nationalsportarten per se. Und um diese beiden Sportarten, von einst bis heute, dreht sich die Sonderausstellung des Gotthelfzentrums Lützelflüh, die nun im Spycher zu sehen ist. «Schwingen und Hornussen erfreuen sich grosser Beliebtheit und Popularität», sagte Betriebsleiterin Verena Hofer an der gestrigen Medienkonferenz. Das war vor 200 Jahren nicht anders. Dass eine Ausstellung zu diesem Thema gerade in diesem Jahr konzipiert wurde, ist freilich kein Zufall: Schuld ist – wen wunderts – das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Ende August bekanntlich in Burgdorf stattfindet. Zudem haben an zwei Wochenenden zuvor die Hornusser in Grünenmatt-Lützelflüh ihren grossen Auftritt. Hier werden sowohl das Interkantonale als auch das Emmentalische Hornusserfest und der Emmentalische Veteranentag ausgetragen.

Gotthelf habe zu seiner Zeit viel zur Verbreitung beider Volksspiele beigetragen, weiss Hofer. Der Dichterpfarrer findet als deren Förderer Erwähnung, er befasste sich in seinen Werken oft mit deren Tradition und Brauchtum.

Gotthelf aus dem Gestell holen

In der Sonderausstellung, die bis zum Saisonende am 3.November dauert, sind etwa Schwingpuppen sowie verschieden angefertigte Stecken, Nousse und Träfs zu bestaunen. Zudem wird ein Blick auf die Geschichte des Schwingens und Hornussens geworfen, gelten doch das Emmental, Entlebuch und Haslital für das 17. und 18.Jahrhundert als die eigentlichen Zentren. Zum Lesen empfohlen sei hierbei die Anekdote, die erzählt, wie einstmals Ersigen Sumiswald mit einer List im Wettkampf besiegte. Ergänzt werden die Infos mit Auszügen aus Gotthelfs Feder.

Die Ausstellung solle Lust auf die anstehenden Feste wecken und, wie Verena Hofer sagte, dazu anregen, wieder einmal Gotthelfs Romane aus dem Büchergestell zu angeln und neu zu entdecken. Sie bildet eine Art Gegenpol zur permanenten Ausstellung im Gotthelfzentrum und setzt bewusst auf Folklore und bäuerlich-ländlichen Charme, während im Zentrum versucht wird, Gotthelfs Bedeutung für die Weltliteratur aufzuzeigen.

Berner Zeitung

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