Genossenschafter sollen den Dorfladen retten

Grünenmatt

Seit geraumer Zeit sucht Ernst Bärtschi einen Nachfolger für seinen Dorfladen in Grünenmatt. Bis anhin waren die Bemühungen erfolglos; nun verfolgt Gemeinderätin Verena Ramseier die Idee, eine Genossenschaft zu gründen.

Was passiert mit dem Dorfladen Grünenmatt? Die Post möchte darin eine Agentur eröffnen, der heutige Besitzer sucht einen Nachfolger. Springt eine Genossenschaft in die Bresche?

Was passiert mit dem Dorfladen Grünenmatt? Die Post möchte darin eine Agentur eröffnen, der heutige Besitzer sucht einen Nachfolger. Springt eine Genossenschaft in die Bresche?

(Bild: Andreas Marbot)

«Es wäre schade, wenn es den Dorfladen nicht mehr gäbe», sagt eine Frau zu ihrer Sitznachbarin, die ihr nickend zustimmt. Doch zurzeit sieht es nicht gut aus. Denn der Ladenbesitzer Ernst Bärtschi ist schon seit vielen Monaten auf der Suche nach einem Nachfolger. Dabei wird er unterstützt von der ortsansässigen Gemeinderätin Verena Ramseier. Bisher blieben aber die Bemühungen der beiden erfolglos. Nun unternimmt Verena Ramseier einen neuen Versuch; gemeinsam mit ihrem Mann Alfred Ramseier hat sie eine mögliche Option ausgearbeitet: die Gründung einer Genossenschaft. Am Freitagabend lud das Ehepaar zu einem Infoanlass in Grünenmatt ein. Das Interesse war gross, über 100 Personen versammelten sich.

Neubau nötig

Weil der Dorfladen verwinkelt und renovationsbedürftig ist, haben Ramseiers überlegt, einen neuen Standort zu suchen. Infrage käme das leer stehende ehemalige Möbelhaus Siegenthaler, welches direkt an der Hauptstrasse liegt, oder das Postgebäude. Denn die Post will die Filiale am Bahnhofplatz schliessen. Aus diesem Grund zeigt sie Interesse, eine Agentur im Dorfladen zu eröffnen. Sollte dies nicht klappen, würde die Post auf Hauslieferdienst umstellen.

Doch als Ladenlokal seien von einem Fachmann weder das Postgebäude noch das ehemalige Möbelgeschäft für gut befunden worden. «Ich informierte mich bei Volg über die Möglichkeiten, und der zuständige Berater hat sich klar für den jetzigen Standort ausgesprochen», sagte Verena Ramseier. Der Laden habe durchaus eine Berechtigung, lautet das Fazit des Experten. Er empfiehlt aber, das alte Gebäude abzureissen und einen Neubau zu erstellen.

Und hier kommt der Genossenschaftsgedanke ins Spiel. Alfred Ramseier liess den Bau offerieren und kam auf Baukosten von 600'000 Franken. Er hofft, dass für 200'000 Franken Anteilscheine gezeichnet werden und die Bank mit rund 400'000 Franken bei der Finanzierung hilft. Ideal wäre es laut Ramseier, wenn pro Anteilschein 1000 Franken gezeichnet würden. Auch hat er die Idee, dass Zins und Amortisation den Genossenschaftern in Form von Warengutscheinen vom Dorfladen ausbezahlt würden. Führen hingegen soll den Laden eine Privatperson. Diese müsste die Übernahme des Warenlagers und der Regale sowie die Anschaffung neuer Kühlanlagen selber berappen.

Fairer Mietzins

Unter den Versammelten befand sich auch der Liegenschaftsbesitzer des ehemaligen Möbelhauses. Zwar stehe das Gebäude zum Verkauf, doch er würde die Räumlichkeiten zu einem fairen Mietzins zur Verfügung stellen, betonte er. Die Idee eines Anwesenden, dass Genossenschafter den Laden im Jobsharing selber führen, fand bei Verena Ramseier keinen grossen Anklang. «Das ist sehr heikel, denn viele Frauen haben eine Teilzeitanstellung.»

Wie es nun mit dem Dorfladen weitergeht, wird sich zeigen. Die Absichtserklärungen, die Verena Ramseier am Schluss der Versammlung verteilte, waren begehrt. Doch die Zeit drängt, denn die Post erwartet bezüglich der Eröffnung der Agentur im Dorfladen bis Ende März eine Antwort.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt