Geld vom Bund oder höhere Preise

Oberaargau

Aus der Energie, die bei der Abfallverbrennung entsteht, produziert die Kebag in Zuchwil Strom und Fernwärme. Doch der tiefe Strompreis schmälert die Einnahmen. Zudem gibts einen Rechtsstreit mit dem Bund.

Die Kehrichtverbrennungsanlage der Kebag in Zuchwil ist in die Jahre gekommen. Sie soll bis 2025 durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser wird 350 bis 400 Millionen Franken kosten.

Die Kehrichtverbrennungsanlage der Kebag in Zuchwil ist in die Jahre gekommen. Sie soll bis 2025 durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser wird 350 bis 400 Millionen Franken kosten.

(Bild: zvg)

Dominic Ramel

Die Kehrichtverbrennungsanlage der Kebag AG in Zuchwil SO muss bis 2025 ersetzt werden. Die Planung für eine Ersatzanlage ist im Gang. Es wird mit Kosten von 350 bis 400 Millionen Franken gerechnet. Vor einem Jahr hiess es, dank den bereits getätigten Rückstellungen würden die Verbrennungspreise trotz dieser grossen Investition voraussichtlich auf demselben Niveau bleiben wie heute. Doch jetzt ist dies nicht mehr ganz so sicher, wie Verwaltungsratspräsident Christoph Fankhauser (Herzogenbuchsee) und Direktor Markus Juchli im Geschäftsbericht 2014 schreiben. Sie schliessen eine Anpassung der Verbrennungspreise aufs nächste Jahr nicht mehr aus.

Tiefer Strompreis als Problem

Grund: Die Kebag verwertet die gesamte aus dem Verbrennungsprozess entstehende Energie und produziert daraus Strom und Fernwärme. Nach eigenen Angaben ist sie unter den 29 Schweizer Kehrichtverwertungsanlagen die grösste Stromproduzentin. Daher ist die Kebag stark vom Strompreis abhängig. Dieser sank im letzten Jahr um 20 Prozent von 5,9 auf 4,7 Rappen pro Kilowattstunde. «Diese tieferen Stromerlöse führen dazu, dass weniger Rückstellungen für den Bau der Ersatzanlage ‹Kebag 2025› gebildet werden konnten als ursprünglich geplant», schreibt Fankhauser.

Rund ein Drittel der Kosten für den Neubau sollte gemäss Finanzplan als Eigenkapital bereitgestellt werden. Doch wegen der tiefen Strompreise werde dieses Ziel heute verfehlt. «Die jetzt fehlenden Einnahmen aus dem Energieverkauf gefährden das Finanzierungsziel», erklärt Juchli. Der Verwaltungsrat werde sich deshalb in diesem Jahr mit einer Anpassung der Entsorgungstarife befassen müssen.

Swissgrid will nicht zahlen

Doch noch ist es nicht so weit. Denn laut Juchli gibt es eine «Hintertür»: die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Die Kebag hat diese Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bei der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid beantragt. Diese hat Nein gesagt, doch die Kebag zog den Entscheid weiter – und das Bundesverwaltungsgericht hat den negativen Entscheid der Swissgrid aufgehoben. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig. Es kann bis Ende Mai ans Bundesgericht weitergezogen werden. «Wir hoffen natürlich, dass dies nicht geschehen wird», sagt Juchli.

Denn wenn die Kebag tatsächlich KEV-Gelder erhalten würde, «so hätten wir aus der Stromproduktion wieder so viel Geld, wie wir erwartet haben», erklärt der Kebag-Direktor. Dann sollten die Einnahmen auch reichen, um die für den Neubau notwendigen Rückstellungen zu tätigen. «Die KEV-Gelder würden die durch die tiefen Strompreise entstandene Lücke schliessen», sagt Juchli. Eine Erhöhung der Verbrennungspreise wäre somit aus heutiger Sicht nicht nötig.

Drei Faktoren drücken Gewinn

An der gestrigen Generalversammlung in Wangen an der Aare konnte Juchli den Aktionären (138 Gemeinden) einen Gewinn von 4,15 Millionen Franken präsentieren. Er wird als Rückstellung für die Finanzierung des Neubaus verwendet. Der Gewinn liegt allerdings rund 14 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres. Dies, obwohl die Kebag praktisch gleich viel Kehricht verwertete und mit gut 166'000 Megawattstunden rund 3Prozent mehr Strom produzierte. Es wurden 220'519 Tonnen Kehricht entsorgt. Damit war die Anlage zu 99,8 Prozent ausgelastet.

Juchli nannte drei Gründe für den kleineren Gewinn: Erstens hatte der tiefe Strompreis Mindereinnahmen von rund 1,7 Millionen Franken zur Folge. Zweitens konnte die Kebag wegen des milden Winters 2013/2014 weniger Fernwärme liefern als im Vorjahr. Drittens stiegen die Kosten für den Unterhalt deutlich an.

Ersatz tut not

Die ältesten Teile der Anlage sind über vierzig Jahre alt. Es mussten im letzten Jahr verschiedene nicht geplante Reparaturen vorgenommen werden. «Mit steigendem Alter der Anlage werden diese Kosten auch künftig weiter ansteigen», sagt Juchli. Die Herausforderung bestehe darin, in den verbleibenden Betriebsjahren der «alten Kebag» eine vernünftige Balance zwischen Kosten und Verfügbarkeit zu finden. Umso wichtiger ist es, die Planung der Ersatzanlage voranzutreiben. Das Projekt läuft unter dem Namen «Kebag Enova». Die neue Kehrichtverwertungsanlage soll auf dem südlich angrenzenden Areal der heutigen Anlage auf dem Emmenspitz in Zuchwil gebaut werden.

Die Arbeiten zum Vorprojekt werden laut Juchli Anfang 2017 abgeschlossen sein. Die Generalversammlung werde 2017 über den Investitionskredit befinden können. Nach Ablauf des Bewilligungsverfahrens sollen die Bauarbeiten Ende 2020 beginnen.

Wechsel im Verwaltungsrat

Die Kebag entsorgt die brennbaren Siedlungsabfälle aus 188 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn mit total rund 483000 Einwohnern. Dazu gehört fast der ganze Oberaargau (ausser Eriswil, Huttwil, Walterswil und Wyssachen, deren Abfall in Thun verbrannt wird). 138 der angeschlossenen Gemeinden sind Aktionäre der Kebag. Die Abfälle gelangen über sechs Umladestationen (darunter eine in Langenthal) mit der Bahn nach Zuchwil oder werden von den Gemeinden direkt angeliefert.

Auf die Generalversammlung hin traten vier Personen aus dem Verwaltungsrat zurück: Franz Haussener als Vertreter des Kantons Bern, Gabriela Mathys und Daniel Schöni (beide als Vertreter des Kantons Solothurn) sowie Manuela Misteli (Gemeinde Derendingen). Neu gewählt wurden der Langenthaler Gemeinderat Jürg Häusler als Vertreter des Kantons Bern, Titus Moser und Markus Zubler (Kanton Solothurn) sowie Roger Spichiger (Derendingen).

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...