Röthenbach

Frauen widerlegen falsche Klischees

Röthenbach Am Degustationsabend in seiner Bierbrauerei Faex will Stefan Müller in Röthenbach mit Vorurteilen aufräumen. «Es gibt kein reines Frauenbier», sagt er.

Schauen, riechen, schmecken: Die Frauen kamen an ihrem eigenen Degustationsabend zu interessanten Erkenntnissen.

Schauen, riechen, schmecken: Die Frauen kamen an ihrem eigenen Degustationsabend zu interessanten Erkenntnissen. Bild: Olaf Nörrenberg

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Frauen mögen nur süsse Biere, ein Eve zum Beispiel. Das bekomme er oft zu hören, sagt Stefan Müller. «Doch das ist bloss ein Klischee, so der Biersommelier. Er hat ausschliesslich Frauen zu einem Degustationsabend in seine Kleinbrauerei Faex in Röthenbach eingeladen. Er werde immer wieder gefragt, ob er nicht ein Bier für das weibliche Geschlecht herstelle oder ob er nicht eines im Sortiment habe, das etwas weniger bitter sei.

«Ist es nicht so, dass viele Frauen gerne Grapefruit, Rucola und Rosenkohl haben? An der Bitterkeit kann es also nicht liegen», kontert Müller jeweils diese Fragen. An dem Abend will er den zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen beweisen, dass auch Bier, das nicht extra für sie gebraut wurde, schmecken kann.

Spannende Geschichten

Schliesslich seien es auch die Frauen gewesen, die das Bier erfunden hätten, erzählt Stefan Müller: «Es waren die Frauen der Sumerer, einer Kultur, die vor 7000 Jahren lebte, die den Gärungsprozess entdeckten. Feuchtes Brot begann nämlich zusammen mit den Hefesporen in der Luft zu gären.» Es ist nicht die einzige Geschichte, die der Biersommelier während der Degustation erzählt.

Zu jedem seiner neun selbst gebrauten Biere weiss er interessante Details und macht mit seinen Erzählungen neugierig auf die unterschiedlichen Gebräue. Die Auswahl ist gross, vom hellen Weizenbier über ein Holunder- bis hin zum Märzenbier, das stark nach Caramel schmeckt, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Frauen diskutieren und tauschen sich über ihre Biervorlieben aus.

Eine Teilnehmerin gesteht: «Eigentlich trinke ich nicht besonders gerne Bier. Aber diese hier sind gar nicht so schlecht.» Gekommen ist sie, um eine Freundin zu begleiten. Die kennt Stefan Müller schon länger und kauft regelmässig von seinem Bier, wie sie sagt: «Stefans Produkte haben mich einfach überzeugt.»

«Schmeckt nach 1.August»

Stefan und seine Schwester Barbara Müller räumen die leeren Gläser ab, spülen sie, öffnen die nächste Flasche und schenken ein anderes Bier ein. Mit zunehmender Anzahl leerer Bierflaschen wird die Stimmung entspannter und heiterer. Bei jedem neuen Bier begutachten die Frauen zuerst die Farbe und riechen dann am Getränk – so, wie Müller das anfangs gezeigt hat.

Erst dann nehmen sie einen Schluck. «Wie geräucherter Speck.» – «Da spüre ich die Holunderblüten gut heraus.» – «Das schmeckt nach 1.August.» Die Frauen versuchen sogleich, den Geschmack einzuordnen – mit mehr oder weniger naheliegenden, aber vor allem lustigen Assoziationen. Eines wird definitiv bestätigt: Geschmack ist subjektiv. Abgesehen von persönlichen Abneigungen gewissen Aromen gegenüber kommen die Biere bei den Frauen sehr gut an.

Doch weshalb ist das Bier in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer eher als Männergetränk verankert? Das habe wohl auch mit der Bierkultur im Land zu tun, meint Stefan Müller. «Bei uns steht Bier für Stammtischgeschwafel und Hooligans am Fussballmatch. Doch Bier ist ein Kulturgut und ein Genussmittel.» Die Teilnehmerinnen jedenfalls geniessen jedes einzelne der kühlen Blonden.

Und das Thema Bitterkeit?

Müller schenkt das «Albus» aus, ein Bier mit neuseeländischem Hopfen, das neunzig verschiedene Bitterstoffe enthält. Doch niemand beschwert sich, keine spuckt das Bier wieder aus. Nach der Degustation wird abgestimmt: Ausnahmslos allen hat das bittere Bier geschmeckt. Das Klischee vom süssen Frauenbier wird an dem Abend widerlegt, Stefan Müllers Theorie hingegen mit grossem Mehr bestätigt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2015, 07:38 Uhr

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