Erdbeben erschüttert BDP: Dieter Widmer muss abtreten

Oberaargau

Grosse Überraschung im Wahlkreis Oberaargau: Die BDP verliert fast 5 Prozent Wähleranteil und einen ihrer zwei Grossratssitze. Dieser geht an die EDU. Ihre Wackelmandate verteidigt haben FDP und SP.

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Dominic Ramel

Einer der einflussreichsten und amtsältesten Politiker im Grossen Rat hat gestern die Wiederwahl verpasst: BDP-Fraktionschef Dieter Widmer (Wanzwil) ist ein prominentes Opfer des kantonsweiten Aderlasses seiner Partei. Im Wahlkreis Oberaargau fiel der Wähleranteil der BDP von 16,2 auf 11,3 Prozent. Damit hat die Partei einen ihrer zwei Oberaargauer Grossratssitze verloren. Und weil der Präsident der BDP Oberaargau klar hinter seiner Parteikollegin Monika Gygax-Böninger (Obersteckholz, bisher) zurückblieb, traf es den langjährigen Grossrat (seit 1994 im Rat). Die Differenz zwischen den beiden beträgt 1408 Stimmen.

Damit hatte niemand gerechnet. Entsprechend überrascht waren am Sonntag die BDP-Vertreter. Umberto Colicchio, Präsident der BDP Region Langenthal, sagte, er sei «enttäuscht» und «sprachlos». Widmer sagt: «Ich scheide mit Wehmut aus.» In der ersten Enttäuschung verwiesen die BDP-Politiker auf die «unheilige» Listenverbindung von EVP, Grünliberalen (GLP) und EDU, welche der Partei den Sitz gekostet habe. Der grünliberale ehemalige Biketec-Chef Kurt Schär (Huttwil) habe mit seinen 2638 Stimmen der christlich-konservativen EDU zum Sitzgewinn verholfen. Doch das stimmt so nicht. Zwar ging der BDP-Sitz tatsächlich an diese Allianz, und zwar an EDU-Mann Johann Ulrich Grädel (Huttwil). Doch auch ohne die GLP kommen EVP und EDU auf insgesamt 12,3 Prozent Wähleranteil und damit 1 Prozent mehr als die BDP.

SP und FDP halten ihre Sitze

Mit Jürg Schürch (SVP, Huttwil) verpasste im Oberaargau noch ein zweiter Bisheriger die Wiederwahl. Die SVP konnte zwar beim Wähleranteil noch einmal um 3,3 auf nunmehr 34,6 Prozent zulegen. Doch das reichte nicht für einen Sitzgewinn. Statt Schürch wurde Patrick Freudiger (Langenthal) neu gewählt.

Der Verlust der BDP ist die einzige Sitzverschiebung im Oberaargau. Ihre Wackelsitze verteidigt haben FDP und SP. Die Listenverbindungen mit der SVP respektive mit den Grünen haben somit funktioniert. Die FDP steigerte ihren Wähleranteil um knapp 2 auf 12,7 Prozent. Die Allianz mit der SVP gewann insgesamt sechs Sitze, womit die FDP ihre zwei Sitze halten konnte.

Die SP gewann 0,2 Prozent Wähleranteil und kommt neu auf 17,7 Prozent; die Grünen legten um 0,8 auf 5,9 Prozent zu. Damit konnten sie zusammen den dritten SP-Sitz halten. Neu gewählt wurde der Langenthaler Gemeinderat Pierre Masson; er ersetzt den zurückgetretenen Markus Meyer (Roggwil).

Gewählt sind: SVP: Thomas Rufener, bisher, 7460 Stimmen; Christian Hadorn, bisher, 7390; Patrick Freudiger, neu, 6320; Käthi Wälchli-Lehmann, bisher, 6209. SP: Reto Müller, bisher, 4668; Adrian Wüthrich, bisher, 4475; Pierre Masson, neu, 2905. EVP: Daniel Steiner-Brütsch, bisher, 2908. BDP: Monika Gygax-Böninger, bisher, 3984. EDU: Johann Ulrich Grädel, neu, 1372. FDP: Katrin Zumstein, bisher, 4029; Hans Baumberger, bisher, 3062.

Berner Zeitung

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