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Elisabeth Zäch: «Die Kommunikation ist stillos»

Die Stadtpräsidentin von Burgdorf kann die Argumente zur Schliessung «ihrer» Fachhochschule nicht nachvollziehen und kritisiert die «stillose» Kommunikation.

Hans Herrmann
Die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch ist enttäuscht, gibt sich aber kämpferisch: «Der Entscheid ist noch nicht geschluckt», sagt sie zur geplanten Schliessung des Tech in ihrer Stadt.
Die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch ist enttäuscht, gibt sich aber kämpferisch: «Der Entscheid ist noch nicht geschluckt», sagt sie zur geplanten Schliessung des Tech in ihrer Stadt.

Elisabeth Zäch, was geht Ihnen nach der Ankündigung des Regierungsrats, die Fachhochschule in Burgdorf mittelfristig zu schliessen, durch den Kopf? Elisabeth Zäch: Es ist ein Stich mitten ins Herz der Bildungsstadt Burgdorf. Auch die Regionen Emmental und Oberaargau sind davon stark betroffen. Wie sehr man sich in den beiden Regionen mit unserem «Tech» identifiziert, wurde in den letzten Monaten quer durch alle politischen Parteien spürbar.

Wann haben Sie vom Entscheid erfahren? Etwa eine halbe Stunde, bevor der Regierungsrat die Medien orientierte, wurden wir schriftlich informiert. Dass man es nicht für nötig erachtete, die Behörden der betroffenen Standortgemeinde in einem gebührenden Rahmen vorher ins Bild zu setzen, ist stillos. Und so verfährt ausgerechnet eine Regierung, die sich wenige Wochen zuvor mit uns darüber geärgert hatte, dass die Firma Roche erst am Tag vor der öffentlichen Bekanntgabe ihres Wegzugs aus Burgdorf die Behörden informierte.

Können Sie wenigstens die Argumente der Regierung zur Schliessung einigermassen nachvollziehen? Nein, diese Argumente sind nicht nachvollziehbar. Dass Burgdorf zu wenig gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sei, stimmt nicht. Die Züge nach Bern fahren zum Beispiel im Viertelstundentakt. Das von uns und der Investorfirma Alfred Müller AG bereitgestellte Campusareal liegt direkt beim Bahnhof. Die anderen, bereits bestehenden Tech-Gebäude in Burgdorf sind in drei beziehungsweise fünf Fussminuten ab Bahnhof zu erreichen. Auch dem Wunsch nach der möglichst raschen Umsetzung eines Campus könnten wir nachkommen. Die Überbauungspläne für das alte Aebi-Areal existieren, der Investor steht bereit, und wenn Frau Egger und Herr Pulver das möchten, könnten sie schon morgen den Spatenstich machen.

Ist es nicht so, dass Burgdorf aus bernischer Optik einfach als mehr oder weniger bedeutungsloses Kaff gilt? Leider sehen manche Leute Burgdorf vor allem als idyllisches, etwas verschlafenes Landstädtchen, das auch noch ein wenig Regionalpolitik betreibt. Dabei haben wir sehr wohl die gewünschte Urbanität zu bieten. Wir gehören zur Hauptstadtregion, haben Teil am pulsierenden Leben, sind mit der Wirtschaft vernetzt und verfügen über ein rundum geeignetes Areal. Und: Bern beklagt sich zunehmend über die Pendlerströme. Mit einem Fachhochschulcampus in Burgdorf könnten wir einen Teil dieses Stroms direkt auffangen, und Bern wäre entlastet.

Der angekündigte Wegzug der Fachhochschule ist nach dem Schliessungsentscheid der Firma Roche der zweite Schlag innert kürzester Zeit für Burgdorf. Was die Roche-Schliessung anbelangt, müssen wir nun versuchen, das Beste daraus zu machen. Als Wirtschaftsstandort sind wir nach wie vor attraktiv und haben ja auch schon ermunternde Signale erhalten, zum Beispiel mit der angekündigtenAnsiedelung der Hightechfirma CI Tech Components AG. Die Schliessung der Fachhochschule hingegen ist ein Tritt ins Selbstbewusstsein einer ganzen Region. Auf der anderen Seite hängt nicht alles an der Fachhochschule: Burgdorf kann sich auch auf andere Weise offen und innovativ präsentieren.

Das Tech hat Burgdorf aber einen nationalen Ruf beschert. Eine ähnliche Botschafterin findet sich für die Emmestadt wohl nicht mehr so schnell. Ich kann als Ersatz für die Fachhochschule natürlich nicht rasch ein renommiertes Forschungsinstitut nach Burgdorf holen. Wir müssen einfach am Ball bleiben und unsere Trümpfe als guter Wirtschaftsstandort ausspielen. Die Regierung muss sich aber im Klaren darüber sein, dass sie mit dem Tech etwas sehr Wichtiges aus der Region herausbricht.

Welches werden nun Ihre nächsten Schritte in Sachen Fachhochschule sein?Der Standortentscheid liegt zwar in der Kompetenz des Regierungsrats, aber es gibt verschiedene politische Mittel, deren wir uns bedienen können. Näheres sage ich erst, wenn wir die Angelegenheit im Unterstützungskomitee Campus Burgdorf besprochen haben. Aber die Schliessung ist auf jeden Fall noch nicht geschluckt. Burgdorf ohne Fachhochschule ist für mich undenkbar.

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