«Einmal ist immer das erste Mal»

Langenthal

Heute Freitag feiert Hedwig Hofer-Baumann im Langenthaler Alterszentrum Haslibrunnen ihren 100.Geburtstag. Sie freut sich auf ein Fest, von dem sie nur weiss: «Der Stadtpräsident wird mir persönlich gratulieren.»

Hedwig Hofer-Baumann freut sich über das Interesse an ihrer Person. Sie sei fröhlich und gesellig, sagt sie und unterstreicht die Aussage mit einem zufriedenen Lächeln. Nicht zuletzt deshalb fühlt sie sich im Langenthaler Alterszentrum Haslibrunnen so wohl. «Ich bin gerne unter Leuten und kenne hier alle», sagt sie, währenddem sie Papierstreifen für ein Osterkörbchen schneidet.

Die Buben geschlagen

Geboren und aufgewachsen ist Hedwig Hofer-Baumann in Stein am Rhein als jüngstes von sechs Kindern. «Wir waren fünf Mädchen und ein Knabe», erzählt sie. «Mich nannten aber alle nur Schaggi, weil ich immer die Buben geschlagen habe.» Noch immer muss sie darüber herzlich lachen. Viele Jahre später, als sie ihre Geburtsstadt besuchte, habe ein ehemaliger Spielkamerad sie gefragt: «Du Schaggi, wie heisst du eigentlich wirklich?»

Nach der Konfirmation ging Hedwig Hofer ins Welschland. «Bei einer Familie in Lutry habe ich den Haushalt besorgt, die zwei Kinder betreut und im Weinberg gearbeitet», erinnert sie sich. «Die Arbeit war schwer, aber die Kinder sehr lieb.»

Nach zweieinhalb Jahren kehrte sie nach Hause zurück, wo kurz darauf ihre Mutter starb. «Die Mutter so jung zu verlieren, war schwer, sehr schwer», erzählt Hedwig Hofer wehmütig. Dieses einschneidende Ereignis habe sie ein Leben lang begleitet, wie sie sagt und wie durch die oftmalige Wiederholung dieses Satzes auch deutlich wird.

Ferien in Italien

Nach einiger Zeit zu Hause trat sie eine Stelle in einem Hotel in Arbon an, ging später nach Zürich in ein Hotel und war an verschiedenen Orten wie Lugano, Schaffhausen und Saas-Fee tätig. Bei einem Besuch bei ihrer Schwester in Langenthal lernte sie ihren späteren Mann kennen. Er sei Elektriker bei der Firma Schneeberger gewesen. «Wir haben uns mit Schneebällen beworfen», sagt sie über das erste Zusammentreffen, um gleich anzufügen: «Ich habe immer getroffen.» Auch das Herz von Albert Hofer, denn im Frühling 1945 heirateten sie. Eine Tochter komplettierte die Familie, der heute zwei Enkelkinder und ein Urenkel angehören.

Leider war Hedwig Hofers Mann oft krank. «Wegen seiner Tuberkulose verbrachte er viel Zeit im Sanatorium» erzählt sie. In dieser Zeit verdiente sie in ein paar Haushaltungen als Stundenfrau Geld dazu. Ihre gemeinsamen Ferien verbrachten sie viele Jahre lang in Golfo del Sole in Italien. «Für mich als gute Schwimmerin war das wunderbar», sagt sie mit verträumtem Blick. 1984 starb ihr Mann an einem Herzschlag. Ab dieser Zeit verbrachte sie ihre Ferien nicht mehr am Meer, sondern in Nufenen bei ihrer Tochter. «Das war auch immer schön», betont sie.

Seit 1984 ist Hedwig Hofer Tagesgast im Haslibrunnen. Im August 2010 trat sie zuerst in die Wohngemeinschaft «Paradiesli» und später ins Heim ein.

Sie freut sich auf den Stapi

Ihr grosses Hobby war und ist die Handarbeit, speziell das Sticken. Heute bastelt sie viel, «das mache ich gerne», sagt sie und arbeitet wie zur Bestätigung an ihrem Osterkörbchen weiter.

Wie sie heute ihren Geburtstag verbringen wird, weiss Hedwig Hofer noch nicht so genau. «Ich denke schon, dass etwas geplant ist», sagt sie. Sicher sei, dass der Stadtpräsident zum Gratulieren vorbeikomme. «Herr Rufener wird mir die Hand schütteln», sagt sie mit Vorfreude und fügt mit einem verschmitzten Lächeln an: «Das hat er noch nie gemacht. Aber einmal ist immer das erste Mal.»

Berner Zeitung

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