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Eine zweite Chance für das Holzhaus

Das Pfarrhaus ist geräumt, der Umbau zum Gotthelf-Zentrum hat begonnen. Ein Problem jedoch harrt noch der Lösung: Die Kirchgemeinde braucht neue Räumlichkeiten für den Pfarrer.

Dieses Projekt ist noch nicht vom Tisch: das geplante neue Pfarrhaus in Lützelflüh zwischen bestehendem Speicher (links) und altem Pfarrhaus.
Dieses Projekt ist noch nicht vom Tisch: das geplante neue Pfarrhaus in Lützelflüh zwischen bestehendem Speicher (links) und altem Pfarrhaus.
zvg

Die Bauarbeiten sind im Gang, das ehemalige Lützelflüher Pfarrhaus wird zum Gotthelf-Zentrum um- und ausgebaut. Wie aber steht es um die Pläne für ein neues Pfarrhaus? Diese waren von der Kirchgemeindeversammlung im März 2009 mit deutlichem Mehr bachab geschickt worden. Die Nein-Stimmenden setzten damit ein Zeichen gegen die geplante Gedenkstätte für den Dichterpfarrer Jeremias Gotthelf, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Lützelflüh wirkte. Eine Hintertür liess die Versammlung damals aber offen: Bewilligt der Grosse Rat die für das Zentrum in Aussicht gestellten Gelder aus dem Lotteriefonds, darf der Kirchgemeinderat das Neubaugeschäft ein zweites Mal zur Abstimmung bringen.

Wie es das Gesetz verlangt

Die gut 3 Millionen Franken wurden in der Folge gesprochen und die Bauarbeiten zum Gotthelf-Zentrum jüngst in Angriff genommen. Damit rückt nun umso drängender die Frage nach einem Ersatz für das alte Pfarrhaus ins Blickfeld. Im Kanton Bern besteht nämlich die Residenzpflicht, das heisst, der Pfarrer muss am selben Ort wohnen, wo er arbeitet. Dafür hat ihm die Kirchgemeinde gegen Entgelt die entsprechenden Wohn- und Arbeitsräume im selben Gebäude zur Verfügung zu stellen. Lützelflüh macht derzeit von einer Ausnahmeregelung Gebrauch: Pfarrer Stephan Bieri, der sein angestammtes Pfarrhaus räumen musste, wurde von der Residenzpflicht befreit, lebt nun in einem Eigenheim und arbeitet in gemieteten Amtsräumen an der Emmestrasse 1. Eine dauerhafte Lösung ist das aber nicht: In wenigen Jahren wird Bieri pensioniert. Bis dahin sollte die Kirchgemeinde über neue Räumlichkeiten verfügen, damit alles wieder in den vorgeschriebenen Bahnen verläuft.

Gute Konditionen

«Irgendwann in den kommenden anderthalb Jahren werden wir das Projekt der Versammlung erneut vorlegen», sagt Kirchgemeinderatspräsident Christian Spelbrink auf Anfrage. Dieses sieht für gut 600'000 Franken nördlich des bisherigen Pfarrhauses den Bau eines Holzhauses vor. Das Land befindet sich im Besitz des Kantons; dafür bräuchte die Kirchgemeinde vorderhand nichts zu zahlen, da der Kanton als Mitinitiant des Zentrums auf einen Baurechtszins verzichtet.

Die Kirchgemeinde komme nicht darum herum, die vorgeschriebenen Räumlichkeiten bereitzustellen, betont Spelbrink. Verwerfe die Versammlung das vorliegende Projekt erneut, werde man sich also auf die Suche nach einer Alternative machen müssen – und das, daraus macht der Präsident keinen Hehl, werde sich als schwierig gestalten, zumal sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche keine Alternative böte. Der geplante Neubau dagegen wäre in den historischen Pfrundbezirk integriert.

Kritik ist leiser geworden

Wie es aussieht, haben sich die Wogen rund um das Gotthelf-Zentrum, das längst nicht bei allen Lützelflüherinnen und Lützelflühern Rückhalt genoss, unterdessen etwas geglättet. Heinrich Schütz als Gesamtprojektleiter und Kirchgemeinderatspräsident Christian Spelbrink sagten es bereits beim Spatenstich: Die Akzeptanz sei gewachsen, die Kritik halte sich in Grenzen, und in den Projektgremien wirkten nun zum Teil sogar ursprüngliche Gegner mit. Ein Lützelflüher, der namentlich nicht genannt sein möchte, schätzt die Stimmung ähnlich ein: «Der Widerstand ist schon etwas leiser geworden.» Vereinzelt werde das Projekt aber nach wie vor mit dem gescheiterten Kornhausmuseum Burgdorf verglichen.

Und wie ist das Befinden von Pfarrer Stephan Bieri, der nun nicht mehr im Pfarrhaus anzutreffen ist, sondern in externen Räumen arbeitet, quasi in einer Art «Seelsorgepraxis»? Im Detail wolle er sich zur Geschichte rund um das Gotthelf-Zentrum nicht mehr äussern, antwortet er auf diese Frage. Nur so viel: «Es ist das schlimmste und traurigste Kapitel in meinen 35 Jahren als Pfarrer.»

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