Zum Hauptinhalt springen

Eine Leidenschaft, die nicht rentiert

Am traditionellen Fellmarkt in Rohrbachgraben wechselten am Donnerstag unzählige Fuchs-, Marder- und Dachsfelle ihre Besitzer. Der Anlass wurde von der Wirtefamilie Kölliker zum zwanzigsten Mal durchgeführt.

Zu Hunderten werden die Fuchsfelle verladen – aufgrund des Andrangs auch draussen.
Zu Hunderten werden die Fuchsfelle verladen – aufgrund des Andrangs auch draussen.
Thomas Peter
Jeder bringt, was er im Lauf der Jagdsaison  geschossen hat.
Jeder bringt, was er im Lauf der Jagdsaison geschossen hat.
Thomas Peter
Auch Dachse mussten offensichtlich  dran glauben.
Auch Dachse mussten offensichtlich dran glauben.
Thomas Peter
1 / 4

Donnerstagmorgen, neun Uhr: Immer mehr Jäger versammeln sich vor dem Restaurant Linde in Rohrbachgraben. Auf ihren Schultern tragen sie unzählige Fuchs-, Marder- und Dachsfelle, welche in der Garage unter dem Restaurant von Peter Hofstetter und seinen Mitarbeitern auf ihre Qualität untersucht werden. Jedes Jahr reisen Dutzende Jäger aus dem Oberaargau, Solothurn, dem Entlebuch und Luzern nach Rohrbachgraben, um dort ihre Felle zu verkaufen.

Der Fellmarkt in Rohrbachgraben wurde vor 20 Jahren von der Wirtefamilie Kölliker ins Leben gerufen. Rudolf Kölliker ist selber ein begeisterter Jäger. Zusammen mit seinen Jagdkollegen besuchte er bis vor 20 Jahren jeweils den Fellmarkt in Thun. «Dort zahlten sie uns immer weniger für unsere Felle. Deshalb haben wir uns dann entschlossen, in Rohrbachgraben selber einen Märit aufzubauen», erzählt der Wirt über die Anfänge des Fellmarkts.

Grösser als Thun

In den ersten Jahren war die Anzahl Teilnehmer noch gering. 1996 wurden lediglich 120 Felle verkauft. Doch der Markt sprach sich in Waidmannskreisen schnell herum, und immer mehr Jäger fanden den Weg nach Rohrbachgraben. Im Spitzenjahr 2013 wechselten 1700 Fuchs-, Marder- und Dachsfelle ihre Besitzer. «Heute ist unser Markt grösser als derjenige in Thun», so Rudolf Kölliker. Ein weiteres Ziel des Anlasses sei das Pflegen von Kontakten. «Es ist ein familiärer Anlass», sagt Gastgeberin Renate Kölliker.

Seit Beginn des Marktes ist die Firma Hofstetter aus Flawil Abnehmerin der Felle in Rohrbachgraben. Das St.Galler Familienunternehmen wird von Peter Hofstetter in der dritten Generation geführt.

Was das Leder- und Pelz-Fachgeschäft nicht für die Eigenproduktion verwendet, wird exportiert, vor allem nach Russland und Asien. «Es ist momentan nicht einfach, die Ware an den Mann zu bringen», so Hofstetter zur allgemeinen Geschäftslage. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in Russland sei der Handel sehr schwierig, meint er.

Wieder 6 Franken weniger

Wegen des Eurokurses sind auch die Preise für die Felle in Rohrbachgraben gesunken. Die Jäger erhalten an diesem Tag 16 Franken für ein Fuchsfell, im Vergleich zum Vorjahr 6 Franken weniger. Reich werden die Waidmänner mit dem Verkauf ihrer Felle nicht. «Es ist eine Leidenschaft, die eigentlich nicht rentiert», sagt Hubert Kölliker. Der erfahrene Rohrbacher Jäger hat mitgeholfen, den Fellmarkt aufzubauen. An der Jagd gefalle ihm vor allem, mit seinem Hund durch die freie Natur zu pirschen. Dieser Meinung sind auch zwei passionierte Jäger aus dem Emmental. Sie gehören zu einer vierköpfigen Gruppe, welche seit 35 Jahren gemeinsam ihrer Leidenschaft nachgeht. Für den 81-jährigen Bützberger Jäger Alex Wendl ist klar: «Die Jagd ist eine Veranlagung – wenn man einmal weiss wie, ist es wie eine Sucht.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch