Zum Hauptinhalt springen

Eine filmreife Geschichte ohne Happy End

Rote Fauteuils und Gotthelffilme. Das alles gehört der Vergangenheit an. Hansjörg Stalder hat sich entschlossen, das Kino Bad Ey endgültig zu schliessen. Damit geht eine fast 70-jährige Ära zu Ende.

Einsam und verlassen: Noch hängen die Filmplakate, doch der Betrieb des Kinos ist bereits eingestellt.
Einsam und verlassen: Noch hängen die Filmplakate, doch der Betrieb des Kinos ist bereits eingestellt.
Thomas Peter

«Das Kino Bad Ey ist Geschichte», Hansjörg Stalder spricht aus, was viele bereits vermutet haben, zumal im Mai 2014 letztmals ein Film gezeigt wurde. Doch den Entschluss, das Kino definitiv zu schliessen, fasste er erst kürzlich. Dieser Schritt sei ihm nicht leichtgefallen, sagt Stalder, der das Kino im Jahr 2008 von seinen Eltern übernommen hat.

Gerne hätte er das Lebenswerk seiner Mutter Verena und seines Vaters Werner Stalder weitergeführt. Das war auch der Grund, wieso er und seine Ehefrau Monika vor rund zweieinhalb Jahren in die Technik investierten und das Kino digitalisierten (siehe Box). «Trotz Erneuerung stimmten Aufwand und Ertrag nicht», stellt er heute fest.

Mobiler Filmprojektor

Mit der Schliessung geht eine fast 70-jährige Sumiswalder Kinoära zu Ende. Denn bereits bevor Verena und Werner Stalder im Jahr 1956 das Bad Ey mit seinen markanten Hauptgebäude und dem dazugehörenden Pavillon gekauft haben, zeigte die damalige Besitzerfamilie schon Filme. Im Saal waren eine Leinwand und ein mobiler Filmprojektor eingerichtet. Einmal pro Woche kam jemand vorbei und führte einen Film vor.

«Damals sassen die Leute noch auf Holzstühlen», weiss Hansjörg Stalder. Seine Eltern hätte diese gegen grüne Klappstühle und später gegen 100 rote Fauteuils ausgewechselt. «Die Sessel konnten sie einem Kinobesitzer in Bern abkaufen», erinnert sich Hansjörg Stalder. Gut im Gedächtnis geblieben ist ihm auch, dass in den 60er Jahren der Eintritt für Lehrlinge 95 Rappen kostete: «Jedoch mussten sie in der vordersten Reihe direkt vor der Leinwand Platz nehmen.»

Kino hatte Vorrang

Hansjörg Stalder erzählt, dass zum Bad Ey ursprünglich ein Restaurant, ein Kino und eine Kegelbahn gehörten. Die Kegel-bahn war im Untergeschoss des Pavillons eingerichtet. Als seine Eltern das Bad Ey erwarben, sei klar gewesen, dass sie nebst dem Restaurant nur entweder Kino oder Kegelbahn weiterführen können. Und der Entschluss viel eindeutig zugunsten des Kinos aus.

Der mittlerweile verstorbene Werner Stalder war fortan als Operateur tätig, Verena Stalder machte die Kasse, und in der Pause verkaufte sie am Kiosk Sanagol und Popcorn. «Unser Gäste wussten, wenn meine Mutter an der Kasse stand, blieb die Küche im Restaurant kalt», schmunzelt Hansjörg Stalder. Erst wenn die letzten Besucher ihre Plätze eingenommen hatten, schaltete sie die Herdplatten wieder an. Übrigens: Verena Stalder sass trotz ihrem hohen Alter bis im Mai 2014 immer noch im Kassenhäuschen und verkaufte Billette.

Filmrollen kamen per Bahn

Die ersten Filme, die Stalders zeigten, waren Schweizer Filme wie «Hinter den sieben Glei-sen». Danach lockten Gotthelf- und österreichische Liebes- sowie deutsche Musikschlagerfilme die Leute ins Kino. «Sexstreifen wurden aber nie gezeigt.» Besonders gut angekommen bei den Zuschauern sei der Western «Spiel mir das Lied vom Tod», weiss Stalder, der schon als Junge oft dem Vater half. «Früher wurden die grossen Filmrollen mit Bahn und Camion transportiert.»

Stalder junior half zwar jeweils beim Ein- und Ausladen der Pakete, die Filme anschauen lag jedoch meist nicht drin, «als Junge durfte ich lediglich Micky Maus oder Kinderfilme sehen». Denn früher habe eine strikte Altersgrenzen bei den Filmen gegolten, und diese wurde zeitweise sogar vom Dorfpolizisten kontrolliert. Seine Eltern hätten sich genau an diese Angaben gehalten. Und nicht selten mussten junge Leute an der Kasse den Ausweis zeigen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch