Ein Weg erzählt Geschichten

Oschwand

Aus der Idee eines Hesse-Weges entsteht ein Kunst- und Kulturweg zu Ehren der beiden Kunstmaler Cuno Amiet und Bruno Hesse – auf einem kürzeren und einem längeren Abschnitt.

Durch die so genannte Luftröhre wird der geplante Weg zu Ehren der beiden Kunstmaler führen. Sowohl Amiet als auch Hesse haben hier gemalt.

Durch die so genannte Luftröhre wird der geplante Weg zu Ehren der beiden Kunstmaler führen. Sowohl Amiet als auch Hesse haben hier gemalt.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Die Landschaft rund um Oschwand begeisterte beide: Bruno Hesse, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse, wie seinen Gastgeber und Lehrmeister Cuno Amiet, der ihn im zarten Alter von 15 Jahren bei sich aufnahm. Beide hielten sie die Natur in ihrer Umgebung in Bildern fest. Nun sollen auch die Spuren, die die beiden Kunstmaler auf der Oschwand selber hinterlassen haben, sicht- und erlebbar werden.

Auch Seeberg beteiligt sich

An diese Aufgabe hat sich Projektleiter Beat Hugi gemacht, dem vor einem Jahr mit einer Ausstellung Bruno Hesses im Langenthaler Bütschlihaus grosse Resonanz beschieden war. Die Idee, die am Rande der Vernissage im Gespräch mit Ochlenbergs Gemeindepräsident Urs Gygax und Gemeindeschreiberin Monika Reinhard entstand, hat verfangen.

Stand erst die Vorstellung eines Weges im Raum, der Bruno Hesses Werk und Wirken auf der Oschwand ein Zeichen setzen sollte, hat sich diese inzwischen zu einem grösseren Gemeinschaftsprojekt ausgewachsen: Der Initiative von Ochlenberg hat sich die Gemeinde Seeberg angeschlossen; aus der Würdigung für den einen Künstler wurde eine für zwei Persönlichkeiten und frühere Einwohner.

Zwei Varianten

Auf den Spuren Hesses und Amiets sollen Interessierte ab Frühsommer nächsten Jahres wandern können. Geplant sind sowohl eine kürzere Tour von eineinhalb Stunden, die zum Friedhof Oschwand und zum «Bögli-Hoger» oberhalb von Spych führt, als auch eine längere von drei bis vier Stunden. Sie führt über den Mutzgraben, das Baschiloch weiter über Juchten und die sogenannte Luftröhre nach Oschwand und Spych. Beide Routen haben ihren Ursprung in Riedtwil, bei der Bushaltestelle Bahnhof.

Beide führen sie am früheren Wohnhaus Amiets vorbei, das die Erben des Kunstmalers als Begegnungsort herzurichten im Begriff sind. Mit der (Teil-)Eröffnung dieses Zentrums soll auch der Kunst- und Kulturweg im Frühjahr 2015 eingeweiht werden.

Mehr als nur eine Verbindung

Acht bis zehn Stationen entlang von bestehenden Wanderwegen und Pfaden nehmen sich unterwegs der Geschichten der beiden Kunstmaler und ihres Lebensraums an. Ergänzt durch Bilder der beiden, die an den betreffenden Stellen entstanden sind, wie Hugi erklärt. «Die Landschaft erschliesst und öffnet sich so sanft neuen Besuchern und Betrachtern. Das ist ein kultureller wie touristischer Mehrwert für die ganze Region.»

In seiner Vision ist der Weg weit mehr als nur eine passive Verbindung gespickt mit Informationen. Hugi sieht Anknüpfungspunkte und Synergien in verschiedene Richtungen und will unter anderem in Koordination mit dem Amiet-Zentrum weitere Ideen vorantreiben.

Auch schwebt dem Projektleiter vor, den Kunst- und Kulturweg jährlich neu zu bespielen. Die Ableitung von Bruno Hesse zu seinem berühmten Vater oder von Cuno Amiet zu seinen Schülern liegt da nahe; auch andere Oschwander Persönlichkeiten wie die erste Schweizer Reiseschriftstellerin Lina Bögli oder Wunderdoktor Ernst Glanzmann bieten sich an. «Es wird ein Geschichtenweg mit Abzweigungen», sagt Beat Hugi.

Vorerst geht es darum, die genauen Standorte der Tafeln mit den jeweiligen Grundeigentümern abzustimmen und weitere Mittel für das Vorhaben in der idyllischen Oschwander Landschaft aufzutreiben. Die Gemeinderäte von Seeberg und Ochlenberg haben je einen Kredit in Höhe von 5000 Franken beschlossen und damit das Projekt mit einem Gesamtbudget von 54000 Franken angestossen, wie sie in der jeweiligen Botschaft zur Gemeindeversammlung informieren.

Berner Zeitung

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