Ein Warnschuss für den Chauffeur

Lyssach

Der Gehilfe des Mannes, der 2010 in Lyssach sechs Schüsse auf zwei Mitarbeitende der Disco Palma abgegeben hatte, ist schuldig. Er wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Vor der Disco Palma in Lyssach wurden im Mai 2010 sechs Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand.

Vor der Disco Palma in Lyssach wurden im Mai 2010 sechs Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand.

(Bild: Thomas Peter)

«Ich hoffe, dass Sie Ihre Lehren aus diesem Fall gezogen haben», sagte gestern Mittwoch Nachmittag Gerichtspräsident Samuel Schmid, nachdem er sein Urteil verkündet und begründet hatte. Die Lehren ziehen soll jener 37-Jährige, den Schmid wegen Gehilfenschaft zu versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilte; dies bei einer Probezeit von vier Jahren. Zudem muss er die Verfahrenskosten von gut 40'000 Franken bezahlen. Das Gehalt des amtlichen Verteidigers in Höhe von gut 20'000 Franken trägt dagegen der Staat.

Was war geschehen? Im Mai 2010 kam es in der Disco Palma in Lyssach zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen einem Besucher und einem Sicherheitsmann. Der Besucher wurde so unsanft aus dem Lokal spediert, dass dieser seinem Widersacher Rache schwor. Zusammen mit seinem Chauffeur fuhr er an seinen Wohnort Inkwil, wo er eine Schachtel Munition holte. Dann fuhren sie weiter nach Biberist. Dort nahm er aus dem Auto eines Kollegen eine Pistole. Weiter ging die Fahrt zurück zur Disco Palma, wo der kurz zuvor gemassregelte Besucher sechs Schüsse auf den Sicherheitsmann und den Bruder des Geschäftsführers abgab. Verletzt wurde niemand. Der Schütze starb zwei Jahre nach der Tat.

Geschichte nur erfunden

Staatsanwalt Marcel Meier beschuldigte den Chauffeur der Gehilfenschaft, weil dieser gewusst habe, dass sein Kollege mit einer Waffe und Munition im Auto sass und nach Lyssach gefahren werden wollte. Und weil der Kollege zuvor gesagt habe, er wolle den Sicherheitsmann umbringen, sei dem Chauffeur auch der Grund der Fahrt nach Lyssach bewusst gewesen. Der Beschuldigte bestritt diese Darstellung. Er habe weder gewusst, dass sein Kollege Munition holen wollte, noch habe er gesehen, dass dieser eine Pistole im Auto hatte. Sie seien zur Disco zurückgefahren, weil der Kollege seinen Hausschlüssel verloren habe.

Die Geschichte des verlorenen Schlüssels habe der Chauffeur erfunden, um jegliche Schuld von sich abzuweisen, sagte Gerichtspräsident Schmid am Mittwoch. Die Realität sei eine andere. Wenn fünf Aussagen von Zeugen sich so gut verzahnen liessen wie in diesem Fall, sei der Beweis erbracht, dass die Schlüsseltheorie nicht wahr ist. Der Schütze habe bei der Befragung durch die Polizei nie etwas von einem verlorenen Schlüssel erwähnt. Gesagt habe er jedoch, dass er seinen Chauffeur in die Disco hineingeschickt habe, damit dieser den Sicherheitsmann nach draussen hole, um mit diesem abzurechnen. Stets habe der Schütze seinen Chauffeur geschont. Warum hätte er dies ausgerechnet beim Thema des Schlüssels nicht tun sollen, stellte Schmid die Frage in den Saal. Durch seine Chauffeurdienste sei er zum Gehilfen des Schützen geworden. Deshalb wäre auch die vom Staatsanwalt geforderte dreijährige Freiheitsstrafe möglich gewesen, sagte Schmid. Das Urteil kann von Chauffeur und Staatsanwalt noch an das Obergericht weitergezogen werden.

Berner Zeitung

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